Finnisches Unternehmen kündigt Rosatom-Vertrag über Kernkraftwerkslieferung
Das finnische Energieunternehmen Fennovoima hat den Vertrag mit Rosatom über die Lieferung des Kernkraftwerks Hanhikivi 1 gekündigt.
Das finnische Energieunternehmen Fennovoima hat seinen Vertrag mit Rosatom über die Lieferung des Kernkraftwerks Hanhikivi 1 gekündigt.
Der Engineering-, Beschaffungs- und Bauvertrag (EPC) wurde 2013 mit der russischen Unternehmenstochter RAOS Project geschlossen, nachdem sich der ursprüngliche Partner, der deutsche Energieriese E.ON, aus dem Projekt zurückgezogen hatte.
Die Kündigung könnte das Aus für den Bau des sechsten Atomkraftwerks des Landes bedeuten. In einem Pressegespräch am Montag (2. Mai) gab das Unternehmen nicht bekannt, ob es sich nach einem neuen Lieferanten umsehen werde. Laut Joachim Specht, CEO von Fennovoima, wolle man jedoch „den Standort“ in Nordfinnland erhalten.
In einer Pressemitteilung begründete Fennovoima seine Entscheidung mit „erheblichen und zunehmenden Verzögerungen und der Unfähigkeit, das Projekt zu liefern.“ Der Krieg in der Ukraine habe „die Risiken für das Projekt verschärft“ und RAOS sei „nicht in der Lage gewesen, die Risiken zu mindern.“
Trotz bereits vorher bestehender der technischen Probleme und Sicherheitsrisiken ist das Hanhikivi-Projekt unmittelbar nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine geplatzt. Kurz darauf erklärte Wirtschaftsminister Mika Lintilä, es sei unmöglich, eine Genehmigung für das Kraftwerk zu erteilen, da Russland gegen internationale Abkommen verstoßen und ein Kernkraftwerk in Saporischschja in der Ukraine beschlagnahmt habe.
Am Montag (2. Mai) begrüßte Lintilä die Kündigung des Vertrags.
Für Rosatom war das Projekt Hanhikivi 1 mit viel Prestige verbunden, da es eine Visitenkarte für die westlichen Märkte darstellte.
„Wir möchten betonen, dass die Initiative des Managements von Fennovoima, den EPC-Vertrag zu kündigen – ein so wichtiger Schritt für das Projekt – ohne detaillierte Konsultationen mit den Aktionären des Projekts ergriffen wurde, von denen RAOS Voima (eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von ROSATOM) mit einem Anteil von 34 Prozent der größte ist“, schrieb Rosatom in einer Erklärung.
Das Unternehmen erklärte außerdem, dass es sich „das Recht vorbehalte, seine Interessen in Übereinstimmung mit den geltenden Verträgen und Gesetzen zu vertreten.“ Die Angelegenheit wird also wahrscheinlich vor Gericht weitergehen.