Frankreich: Viehzüchter kritisieren EU-Chile-Abkommen

Französische Viehzüchter haben das kürzlich vereinbarte Handelsabkommen zwischen der EU und Chile kritisiert, da es Chile erlaubt, Produkte nach Europa einzuführen, die nicht den gleichen Standards entsprechen müssen, die innerhalb der EU gelten.

EURACTIV France
Chickens,Farm
Chickens,Farm [bernatets photo / Shutterstock]

Französische Viehzüchter haben das kürzlich vereinbarte Handelsabkommen zwischen der EU und Chile kritisiert, da es Chile erlaubt, Produkte nach Europa einzuführen, die nicht den gleichen Standards entsprechen müssen, die innerhalb der EU gelten.

Die EU und Chile einigten sich am 9. Dezember auf ein neues „fortgeschrittenes Rahmenabkommen“, zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung des ersten Abkommens im Jahr 2002. Das Abkommen bezieht sich hauptsächlich auf die Einfuhr von Rohstoffen, aber auch Fleisch.

„Wie immer waren die Landwirtschaft und ihre sensibelsten Sektoren das Thema der jüngsten Verhandlungen. Die Zugeständnisse häufen sich von Abkommen zu Abkommen“, erklärte der wichtigste französische Bauernverband FNSEA in einer Pressemitteilung.

Das Volumen der chilenischen Exporte nach Frankreich könnte bei Schweinefleisch 9.000 Tonnen, bei Schaffleisch 4.000 Tonnen und bei Rindfleisch 2.000 Tonnen pro Jahr erreichen.

Bei Geflügel würden die chilenischen Exporte von 18.000 Tonnen auf fast 40.000 Tonnen pro Jahr steigen. Frankreich, das aktuell 800 Millionen Hähnchen selbst produziert und eine Million importiert, würde somit zusätzlich 45 Millionen Hähnchen erhalten.

Nach Ansicht von Yann Nédéléc, dem Direktor von ANVOL, dem Branchenverband der französischen Geflügelwirtschaft, sind jedoch „die Häufung und die Kohärenz der europäischen Entscheidungen“ ein Problem.

„Auf der einen Seite werden wir Vorschriften einführen, die Produktion stärker einschränken, um vor allem den Tierschutz zu stärken, und auf der anderen Seite unterzeichnet Europa Abkommen, die Produkte einführen, die nicht dieselben Regeln wie unsere einhalten“, so der Landwirt gegenüber EURACTIV Frankreich.

Spiegelklauseln

Den Berufsverbänden der Viehzüchter geht es im Besonderen um die Einführung sogenannter „Spiegelklauseln“, nach denen EU-Standards auch auf ausländische Importe angewendet werden sollen, um den Handel fairer zu gestalten.

Geflügelproduzenten warnen aber auch vor Gesundheitsrisiken. So weist ANVOL darauf hin, dass die Europäische Kommission chilenische Importe im Jahr 2020 ausgesetzt hatte, weil bei Gesundheitstests „Mängel“ bei der Fleischproduktion festgestellt worden waren.

„Die Landwirte verwenden auch bestimmte Antibiotika und Wachstumsförderer, die hier verboten sind“, sagte Nédéléc. Dies sei „unlauterer Wettbewerb.“

Auch nach Ansicht des Nationalen Rinderverbands (FNB) halten sich die chilenischen Betriebe „nicht unbedingt an die europäischen Vorschriften zur Rückverfolgbarkeit, zum Tierfutter, zum Einsatz von Tierarzneimitteln, zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und zum Tierschutz“.

Kritik an einem „historischen“ Abkommen

Die EU-Kommission ist jedoch erfreut, ein „historisches“ Abkommen erreicht zu haben, das ein „Kapitel über nachhaltige Lebensmittelsysteme, mit dem Ziel, Lebensmittelversorgungsketten nachhaltiger und widerstandsfähiger zu machen“, enthält.

Der Kommission zufolge wird es eine „Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Lebensmittelversorgungskette“ geben, insbesondere bei „Tierschutzstandards, Pestiziden und Düngemitteln.“

Nédélec beklagte auch die mangelnden Fortschritte und die geringen Aussichten auf künftige Fortschritte im Bereich des Tierschutzes, der seiner Meinung nach „derzeit nicht von den WTO-Regeln abgedeckt wird.“

Für die FNSEA bleiben diese unverbindlichen Verpflichtungen „leere Hüllen“, „Irrlicht-Initiativen, die immer unerreichbar sind […], die nur Ambitionen zeigen, ohne zu handeln.“

Harsche Kritik

Diese Kritik aus dem Sektor sei jedoch ein wenig zu hart, sagte die Europaabgeordnete und Mitglied des Internationalen Handelsausschusses (INTA) Marie-Pierre Vedrenne gegenüber EURACTIV Frankreich.

„Es gibt keine Fertigprodukte, die in der gesamten Produktionskette nicht den europäischen Normen entsprechen“, sagte sie.

„Wir können die Landwirtschaft nicht aus den Handelsabkommen herausnehmen, wir befinden uns in einem globalen Markt. Es gibt Fragen der Kompatibilität mit den WTO-Regeln“, fügte sie hinzu, obwohl sie die schwierige Situation der Landwirte anerkannte.

Vedrenne sieht die neuen, ökologisch ehrgeizigeren Kapitel zur „nachhaltigen Entwicklung“, die Sanktionen bei Nichteinhaltung vorsehen, als Schritt in die richtige Richtung. Diese Kapitel sollten zunächst das Abkommen mit Neuseeland betreffen, bevor sie zu einem gemeinsamen Standard für alle Handelsabkommen werden, auch für das Abkommen zwischen der EU und Chile.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]