Frankreich wird attraktiver für deutsche Investoren

Die deutschen Firmen würden unter anderem durch die Digitalpolitik der französischen Regierung angezogen, so eine Studie.

EURACTIV.fr
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Der Business District in Paris wächst, deutsche Investoren zieht es nach Frankreich. [Sergey Molchenko/ Shutterstock]

Während deutsche Unternehmen bereits eine starke Präsenz in Frankreich haben, wollen immer mehr von ihnen in dem Land investieren. Sie werden unter anderem durch die Digitalpolitik der französischen Regierung angezogen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Deutsche Firmen haben Lust auf Frankreich: In einer Studie mit dem Titel „Deutsche Unternehmen in Frankreich: Wirtschaftslage, Wahrnehmungen und Perspektiven 2018-2022“ zeigten sich deutsche Unternehmen zuversichtlich in Bezug auf den westlichen Nachbar. Dies sei insbesondere auf eine „Veränderung des politischen und wirtschaftlichen Umfelds“ zurückzuführen.

Während 2016 nur 41 Prozent der befragten deutschen Unternehmen die Wirtschaftslage in Frankreich für „gut“ hielten, waren es in diesem Jahr rund 90 Prozent.

„Frankreich verfügt in den Augen der deutschen Unternehmen über unverkennbares Potenzial. Dadurch wird es zu einem wichtigen Partner“, heißt es in der gemeinsamen Studie der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer und des Beratungsunternehmens EY.

„Die neue Attraktivität Frankreichs basiert auf seinen Reformen, seiner hohen Innovationsfähigkeit und seinem Wunsch, Digitalisierung und künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung zu stellen,“ erklärt Jörn Bousselmi, Generaldirektor der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer.

Allerdings „erwarten 50 Prozent der deutschen Investoren von Frankreich eine noch größere Anstrengung bei Herausforderungen wie Innovation und digitaler Transformation,“ heißt es in der Studie.

Frankreich digitalisiert sich

Ähnlich Forderungen hatte auch Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron im März angesprochen, als er die Einführung eines „Plans für künstliche Intelligenz“ bis 2022 ankündigte. Mit dem Plan, der mit einem Budget von 1,5 Milliarden Euro ausgestattet ist, soll das Land in diesem Bereich weltweit führend werden.

Darüber hinaus scheint Frankreich nicht nur für deutsche Firmen zunehmend attraktiv zu sein. So hat das südkoreanische Unternehmen Samsung beschlossen, sein drittgrößtes Forschungszentrum in Paris zu errichten und damit rund hundert Arbeitsplätze für Forscher zu schaffen.

Gleichzeitig kündigte der japanische Konzern Fujitsu an, sein Forschungszentrum Paris-Saclay zu erweitern. Dort sollen Innovationen in der künstlichen Intelligenz im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Horizon 2020 entwickelt werden.

Deutschland bleibt derweil der zweitgrößte ausländische Investor in Frankreich. Insgesamt sind 4.500 deutsche Unternehmen in Frankreich ansässig. Sie beschäftigen mehr als 312.000 Mitarbeiter.

Frankreich soll Arbeitsrecht weiter „vereinfachen“

Die für die Studie befragten deutschen Firmen erklärten, die Investitions- und Beschäftigungsaussichten links des Rheins seien positiv. So gaben 43 Prozent von ihnen an, in Frankreich investieren zu wollen. Ebenso viele erklärten auch, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen.

Obwohl die deutschen Investoren also optimistisch sind und die Reformen der französischen Regierung begrüßen, sehen sie weiterhin Verbesserungsmöglichkeiten, wie z.B. die Flexibilität des Arbeitsmarktes und eine Vereinfachung des Arbeitsrechts.

Auch dies sind von Macron verfolgte Projekte: Die Verordnungen zur Reform des Arbeitsrechts wurden am 22. September in Kraft gesetzt. Sie bieten den Unternehmen die benötigte Flexibilität, um die Beschäftigungsrate zu steigern – allerdings oft auf Kosten der Arbeitnehmer.

Die deutschen Firmen stellten auch einen „Mangel an Ressourcen“ in Bezug auf technisch qualifiziertes Personal sowie Probleme bei der Ausbildung fest. „Die Unternehmen sind sich einig, dass derartige Reformen nur gemeinsam mit anderen Ländern – und insbesondere mit Deutschland – durchgeführt werden können,“ so die Studie.

Serge Guérémy von EY fasst die Untersuchung so zusammen: „Das neue Bild, das Frankreich vermittelt, ist eine echte Chance; auch zur Erneuerung Europas. Angesichts der Unsicherheiten, die durch einen instabilen internationalen Kontext entstehen, wird wirtschaftlicher Erfolg [in Frankreich] nur mit Hilfe Europas und insbesondere einer Intensivierung der deutsch-französischen Partnerschaft erreicht werden können.“