Französische Sozialisten vor Abstimmung über EU-Verfassung weiter gespalten

Vor der entscheidenden Abstimmung ist die Sozialistische Partei in der Frage, ob sie die Ratifizierung der EU-Verfassung befürworten sollen, weiter gespalten. EURACTIV fasst Pro- und Contra-Argumente zusammen. 

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Vor der entscheidenden Abstimmung ist die Sozialistische
Partei in der Frage, ob sie die Ratifizierung der
EU-Verfassung befürworten sollen, weiter gespalten.
EURACTIV fasst Pro- und Contra-Argumente zusammen. 

Der stellvertretende Vorsitzende der
französischen Sozialistischen Partei, der ehemalige
Ministerpräsident Laurent Fabius, hat
verkündet, er werde die Verfassung ablehnen, da sie
nicht auf dem ‚Sozialmodell‘ gründe,
für das sich die Sozialisten auf europäischer
Ebene einsetzen.

Die Argumente der Verfassungs-Gegner sind
folgende: 

  • Europäische Arbeitnehmer erhalten nicht genug
    Rechte und Rechtsschutz
  • Wirtschaftlicher Liberalismus als
    EU-Zielsetzung
  • Öffentliche Dienste werden der
    Wettbewerbsgesetzgebung unterworfen
  • Die verstärkte Zusammenarbeit ist nicht
    funktionsfähig
  • Die vollständige Unabhängigkeit der
    Europäischen Zentralbank – ihr Ziel wird nicht
    sein, Wachstum und Beschäftigung zu
    unterstützen
  • Für die Revision der Verfassung ist
    Einstimmigkeit gleich dreimal erforderlich
  • Der Rahmen für die Wirtschaftspolitik der EU
    ist zu streng und kommt einem Verlust an Demokratie
    gleich

Fabius, der betont, dass er kein EU-Gegner sei, setzt
sich für die Ausarbeitung eines neuen
Verfassungsentwurfs ein – eine Haltung, der die
Sozialistische Familie mit Unverständnis
gegenübersteht. Die sozialdemokratischen Parteien in
Spanien, Deutschland und Großbritannien sind alle
Verfechter der neuen Verfassung. 

Befürworter der Verfassung werfen Fabius vor, mit
der Kontroverse innenpolitische Zwecke zu verfolgen und
sich gegenüber dem Vorsitzenden der Partei, Francois
Hollande, vor den Präsidentenwahlen 2007 profilieren
zu wollen.

Die Befürworter der Verfassung argumentieren,
dass die Verfassung ein sozialeres und demokratischeres
Europa schafft:

  • Die Aufnahme der Grundrechtecharta in die
    Verfassung
  • Öffentliche Dienste und Sozialpartner erhalten
    eine breitere Anerkennung
  • Die Ziele der Vollbeschäftigung, des sozialen
    Fortschritts, der Gerechtigkeit und kulturellen
    Vielfalt – und nicht lediglich Wettbewerb –
    gehören zur Zielsetzung der EU
  • Die qualifizierte Mehrheit wird auf zwanzig neue
    Bereiche ausgeweitet (darunter Justiz und Inneres,
    Landwirtschaft, Budget etc.) and die Beschlussfassung
    mit qualifizierter Mehrheit wird einfacher
  • Stärkung des Europäischen Parlaments
    (Ausweitung des Mitentscheidungsverfahrens und mehr
    Einfluss of das Budget) 
  • Die nationalen Parlamente erhalten das Recht, die
    europäische Gesetzgebung zu
    ‚überwachen‘
  • Die Institutionen werden an die Herausforderungen
    und Bedingungen der erweiterten Union angepasst
  • Das Amt des EU-Außenministers wird
    geschaffen