G8: Öl- und Lebensmittelpreise gefährden Weltwirtschaft [DE]
Die Finanzminister der G8-Staaten trafen sich am 13. und 14. Juni 2008, um den aktuellen Zustand der Weltwirtschaft zu diskutieren. Die Gruppe äußerte ihren "starken Bedenken" über steigende Preise für Rohöl und Agrarrohstoffe – Aspekte, die auch auf der politischen Tagesordnung der EU weit oben stehen.
Die Finanzminister der G8-Staaten trafen sich am 13. und 14. Juni 2008, um den aktuellen Zustand der Weltwirtschaft zu diskutieren. Die Gruppe äußerte ihren „starken Bedenken“ über steigende Preise für Rohöl und Agrarrohstoffe – Aspekte, die auch auf der politischen Tagesordnung der EU weit oben stehen.
Erhöhte Rohstoffpreise, insbesondere für Öl und Lebensmittel, stellten eine ernsthafte Hersausforderung für ein stabiles Wachstum weltweit dar, hätten schwere Folgen für die ärmsten Länder und könnten weltweit den Inflationsdruck erhöhen, so eine gemeinsame Stellungnahme der G8, die sie nach ihrem Ministertreffen in Hokkaido, Japan, am 14. Juni 2008 veröffentlichten.
Eine erhöhte Nachfrage nach Energie in den sich schnell entwickelnden Ländern und ein behinderter oder erschwerter Zugang zu vorhandenen Ölreserven wurden oft zu den zahlreichen strukturellen Ursachen für den Ölpreisanstieg gezählt.
Lebensmittelpreise stünden zunehmend in engem Zusammenhang mit den Preisen für fossile Brennstoffe, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (engl. Food and Agriculture Organisation; FAO). Die Zusammenhänge zwischen Agrarrohstoffmärkten und anderen Märkten würden zunehmend stärker, wie beispielsweise den Märkten für fossile Brennstoffe, Biokraftstoffe und Finanzinstrumente, die nicht nur einen Einfluss auf Produktionskosten von Agrarerzeugnissen hätten, sondern auch auf die Nachfrage nach diesen, heißt es in einem Dokument für Lebensmittelpreise der FAO.
Auch Spekulanten werden beschuldigt, die Preise in die Höhe zu treiben. Die jüngste Finanzkrise habe die Risiken verdeutlicht, denen die Finanzsysteme aufgrund von übermäßiger Risikobereitschaft und ebensolchen Verschuldungsgraden ausgesetzt seien, so die Stellungnahme der G8.
Einige Investoren hätten von dieser kritischen Situation auf den Agrarrohstoffmärkten profitiert, wobei Landpreise und die Menge bestimmer Nahrungsmittel alle Dimensionen gesprengt hätten, sagte Simon Covat, ein Händler des in Genf ansässigen Investitionsunternehmens Gaia Cap.
Die G8-Staaten – die USA, das Vereinigte Königreich, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Russland und Japan – warnten davor, die Spekulanten zum Sündenbock zu machen. Sie sagen, die Preisanstiege seien kein Grund, die weltweiten Handelsströme zu beschränken. Die G8 bestätigten ihre Verpflichtung zu einer offenen Investitionspolitik und erkannten an, dass internationale Investitionen grundlegend für den weltweiten Wohlstand seien, so die Stellungnahme weiter. Man werde protektionistischem Verhalten im In- als auch im Ausland standhalten.
Abhilfe in Sicht?
Saudi-Arabien sagte am Wochenende, man beabsichtige, die Förderung von Rohöl zu erhöhen. Die Ankündigung führte zu einer leichten Verringerung der Preise von 140 US-Dollar pro Barrel in der vergangenen Woche auf nun etwa 134 US-Dollar pro Barrel.
Die Kommission legte unterdessen – am 11. Juni 2008 – eine Mitteilung über das Problem der steigenden Ölpreise vor. Unter anderem schlägt Brüssel Steuersenkungen und andere Maßnahmen vor, um den kurz- und langfristigen Folgen zu begegnen, welche die steigenden Benzinpreise auf die ärmsten Bevölkerungsschichten der EU haben (EURACTIV vom 12. Juni 2008).
Um die steigenden Lebensmittelpreise zu bekämpfen, schlug Brüssel weitere Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vor und verlängerte eine vorhandene Aufhebung von Importzöllen auf Getreide bis zum 30. Juni 2009, um die Handelsströme zu intensivieren und Preise abzusenken. Die Kommission gründete zudem eine hochrangige Gruppe, um die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft zu stärken.
‚Politische Folgen’ hoher Öl- und Lebensmittelpreise werden ebenfalls während des Rats Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen (GAERC) diskutiert werden, der heute und morgen (16. und 17. Juni) in Luxemburg stattfinden wird (EURACTIV vom 16. Juni 2008).
Nach dem „Nein“ der Iren fordert die Kommission die EU-Mitgliedstaaten auf, sich wieder um eine Beziehung zu den Bürgern zu bemühen, die mehr und mehr über die steigenden Ölpreise besorgt sind (EURACTIV vom 13. Juni 2008).
Lastkraftfahrer und Landwirte werden vermutlich diese Woche in Brüssel gegen steigende Benzinpreise demonstrieren.