Gartenbau in der EU leidet weiter unter Extremwetter

Während Österreich und Slowenien mit den Folgen der kürzlichen Überflutungen zu kämpfen haben, sind viele Teile Europas weiter von Dürre betroffen. Die EU-Kommission hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Obst-, Gemüse- und Weinsektor zu schützen.

Euractiv.de
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Der diesjährige Frühling und Sommer in Europa war von einer Reihe extremer Wetterereignisse geprägt, die unter anderem auch die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigten. [[SHUTTERSTOCK/julylx]]

Während Österreich und Slowenien mit den Folgen der kürzlichen Überflutungen zu kämpfen haben, sind viele Teile Europas weiter von Dürre betroffen. Die EU-Kommission hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Obst-, Gemüse- und Weinsektor zu schützen.

Der diesjährige Frühling und Sommer in Europa waren von einer Reihe extremer Wetterereignisse geprägt, die auch die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt haben.

Zuletzt führten starke Regenfälle in Slowenien und Südösterreich Anfang August zu Schäden in der Landwirtschaft. In Österreich schätzte die Hagelversicherung die Schäden auf 220 Millionen Euro.

Demnach waren durch die Überschwemmungen im Jahr 2022 noch Schäden in Höhe von 170 Millionen Euro verursacht worden, wie Geschäftsführer Kurt Weinberger gegenüber österreichischen Medien erklärte.

Slowenien hat bisher keine Daten zu den Schäden in der Landwirtschaft veröffentlicht. Ministerpräsident Robert Golob schätzt die Gesamtschäden auf über 500 Millionen Euro.

Gleichzeitig herrscht laut jüngsten Daten der Europäischen Beobachtungsstelle für Dürre in vielen Teilen Europas weiterhin eine verheerende Trockenheit.

Für die ersten zehn Tagen im August – dem jüngsten gemessenen Zeitraum – befand sich fast ein Viertel der Fläche der EU im „Warnzustand“, bei dem ein Defizit an Bodenfeuchtigkeit verzeichnet wird, oder im „Alarmzustand“, die höchste Warnstufe, die mit Beeinträchtigungen der Vegetation einhergeht.

Während in diesem Frühjahr vor allem die Iberische Halbinsel und andere Teile Südeuropas von schweren Dürreperioden betroffen waren, konzentrieren sich die jüngsten Dürreepisoden eher auf Nordeuropa.

Laut dem Bericht der Beobachtungsstelle vom Juni sind davon vor allem die Ostseeregionen, die skandinavische Halbinsel, das Vereinigte Königreich, Irland und Deutschland betroffen. Die Situation gebe „Anlass zu Besorgnis hinsichtlich des Pflanzenwachstums“, heißt es weiter.

Auch der Deutsche Bauernverband zeigt sich in seiner heute vorgestellten vorläufigen Erntebilanz pessimistisch: Ein nasses Frühjahr, Trockenheit im Mai und Juni und eine durch Niederschläge unterbrochene Ernte hätten die Landwirtschaft vor „gewaltige Herausforderungen“ gestellt, so Verbandspräsident Joachim Rukwied.

Südeuropa weiter von Dürre betroffen

Auch wenn Südeuropa dem Bericht zufolge langsam in eine Phase der Erholung eintritt, hat die Dürre vom Frühjahr ihre Spuren in der landwirtschaftlichen Produktion hinterlassen. Die jüngsten Regenfälle haben laut dem Bericht der Beobachtungsstelle „die Auswirkungen des anhaltenden Niederschlagsmangels und der Hitzewellen nicht ausgeglichen.“ Dies habe „schwerwiegende“ Auswirkungen auf die Ernten und die Vegetation.

Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission Anfang des Monats Maßnahmen ergriffen, um die Folgen für den Obst-, Gemüse- und Weinsektor zu mildern.

Die Obst- und Gemüseproduktion in mehreren EU-Regionen sei durch die „schweren ungünstigen meteorologischen Ereignisse“ im Frühjahr „dramatisch geschädigt“ worden, erklärte eine Kommissionssprecherin am 11. August.

Viele Winzer seien nicht in der Lage gewesen, ihre Pflanzmaßnahmen „in der am besten geeigneten Zeit“ abzuschließen.

Um die Situation zu entschärfen, soll ein von der Kommission am 8. August vorgestelltes „Flexibilitätspaket“ den Mitgliedstaaten und Landwirten bis Ende des Jahres mehr Spielraum innerhalb der EU-Programme für den Sektor geben.

Marktbezogene Maßnahmen

Das Maßnahmenpaket erlaubt bestimmte Ausnahmen sowohl im Rahmen der nationalen Strategiepläne, mit denen die Länder das EU-Agrarsubventionsprogramm umsetzen, als auch im Rahmen der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO). Dabei handelt es sich um das traditionelle Sicherheitsnetz für Landwirte im Falle von Marktkrisen, über das die EU in den Markt eingreifen kann.

Darüber hinaus hat die Kommission Ausnahmeregelungen für die Pflanzgenehmigungsregelung für Reben eingeführt. Damit soll sichergestellt werden, dass Winzer, die aufgrund von Überschwemmungen nicht in der Lage waren, Pflanzgenehmigungen umzusetzen, diese Rechte nicht verlieren.

Bereits Ende Juni hatte die Kommission Marktmaßnahmen für den Weinsektor eingeführt, die es den Mitgliedstaaten ermöglichen sollten, mit überschüssigen Weinmengen auf dem Markt umzugehen.

In diesem Fall hatte die EU-Kommission es nationalen Regierungen erlaubt, eine sogenannte „Krisendestillation“ einzuleiten. Damit sollten Einbrüche bei den Erzeugerpreisen aufgrund der großen geernteten Mengen der vergangenen Jahre vermieden werden.

In der Praxis bedeutet dies, dass bis Mitte Oktober alle überschüssigen Weinmengen destilliert und vom Markt genommen werden. Der auf diese Weise gewonnene Alkohol wird anschließend für Nicht-Lebensmittelzwecke verwendet.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]