Gasspeicher noch 37% voll, Bundesregierung sucht Alternativen

Deutschland hat damit begonnen, nach alternativen Erdgaslieferanten zu suchen, für den Fall, dass die Importe aus Russland aufgrund der Russland-Ukraine Krise unterbrochen werden.

EURACTIV.com
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The,Gas,Pipeline,Is,Yellow,With,Additional,Equipment,,Pipes,And [Shutterstock/63ru78]

Deutschland hat damit begonnen, nach alternativen Erdgaslieferanten zu suchen, für den Fall, dass die Importe aus Russland aufgrund der Russland-Ukraine Krise unterbrochen werden.

Fossiles Gas deckt mehr als 25 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und wird über Pipelines günstig aus Norwegen und Russland importiert.

Doch mit den zunehmenden Spannungen in der Ukraine werden die Politiker:innen in Berlin immer unruhiger. In einer fast vollständigen Umkehrung der deutschen Position erwägt Berlin nun den Import von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA, Katar und anderen potenziellen Lieferanten.

Robert Habeck, der deutsche Vizekanzler und Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, hat dies in einer Sitzung des Deutschen Bundestages am 26. Januar ausdrücklich erklärt.

Wenn Gas nicht über Pipelines importiert werden kann, „müsste Deutschland LNG kaufen“, sagte er.

Der Import von LNG würde jedoch „die notwendige Infrastruktur erfordern“, fügte er hinzu. Derzeit sind in Deutschland keine LNG-Importterminals vorhanden.

Der Import von LNG wurde in Deutschland bisher als unwirtschaftlich angesehen, und die meisten Projekte wurden daraufhin eingestellt. Das Land versuchte einst, LNG-Terminals in den Häfen von Brunsbüttel und Stade zu bauen, aber diese Projekte „konnten bisher nicht privat finanziert werden“, erklärte Habeck.

„Wir werden diese Frage jetzt energisch angehen“, versprach er und sagte, dass Lieferungen von Fracking-Gas aus den USA nicht bevorzugt werden würden. „Woher das LNG kommt, wird sich ebenfalls nach dem Markt richten. Wir sollten dort kaufen, wo das LNG am günstigsten ist.“

Habecks Äußerungen zu LNG signalisieren einen politischen Kurswechsel in Deutschland, von dem auch das benachbarte Tschechien profitieren könnte. Deutschland verfügt über keine LNG-Terminals, könnte aber Flüssiggas aus den Nachbarländern Belgien (ein Terminal), Frankreich (vier), Litauen (eines), den Niederlanden (eines) und Polen (eines) importieren.

Bislang galt die Sicherheit der Gasversorgung aufgrund der „engen gegenseitigen Abhängigkeit“ als selbstverständlich, sagte Markus Krebber, Chef des deutschen Energieversorgers RWE.

„Wir brauchen russisches Gas und Russland braucht Devisen“, sagte Krebber der FAZ. Sicher, „es hat schon früher Spannungen gegeben, aber das Gas ist immer gekommen“, fügte er hinzu.

Aber da die deutschen Gasvorräte ein Rekordtief erreicht haben und Gazprom offenbar zögert, seine eigene Speicherkapazität zu füllen, verschieben sich die Positionen.

„Am 11. Januar 2022 erreichten die Reserven in den europäischen unterirdischen Gasspeichern (UGS) ein Allzeittief in der langen Geschichte der Beobachtung“, twitterte der staatliche russische Konzern Gazprom.

„Die UGS-Einrichtungen in Deutschland und Frankreich sind zu 37 Prozent und 36 Prozent gefüllt“, fügte das Unternehmen hinzu.

Wenn alle Gaslieferungen aus Russland gestoppt werden, würde es für Deutschland „sehr kalt und teuer“ werden, sagte Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, der FAZ.

Abschaltungen in der Industrie vorgesehen

Die Frage, ob die Wohnungen kalt werden, wenn „Putin den Gashahn zudreht“, beschäftigt die Deutschen seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014.

Aber das sei vorerst unwahrscheinlich, sagen Experten. „Nein, es wird nicht“ kalt in deutschen Haushalten, wenn kein Gas mehr aus Russland fließt, erklärte Simon Müller, Direktor für Deutschland beim Berliner Think-Tank Agora Energiewende, im DLF.

Ein Anstieg der „Importe von Flüssigerdgas“ und „große Gasspeicher“ könnten zusammen einen „kurzfristigen“ Ausfall der Importe aus Russland abdecken, erklärt Müller – „vorausgesetzt, der Winter ist nicht zu hart“.

Und wenn sich die Dinge zum Schlechten wenden, werde die Industrie zuerst abgeschaltet und „der Heizbedarf der Haushalte wäre geschützt“, sagte er.

In der Tat gibt es bereits Notfallpläne. In einem 59-seitigen Dokument des Energieverbands BDEW werden „Abschaltpotenziale“ im Falle einer Gasknappheit aufgezeigt, von denen die meisten in der Industrie liegen.

Im Falle einer landesweiten Gasknappheit ist der BDEW außerdem verpflichtet, eine Frühwarnung auszulösen und dem zuständigen Ministerium Bericht zu erstatten.

Doch so weit ist Deutschland noch nicht. „Die Versorgungssicherheit ist weiterhin gewährleistet“, antwortete das Wirtschaftsministerium auf die Frage von EURACTIV, ob der BDEW eine Frühwarnung ausgelöst habe.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]