Geburtsvideo zur Europawahl geht viral

Das emotionale und recht explizite Video des französischen Regisseurs Frédéric Planchon wurde schon weit über 100 Millionen mal angeklickt.

EURACTIV.fr
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Das emotionale Video des französischen Regisseurs Frédéric Planchon wurde schon weit über 100 Millionen mal angeklickt. [Screenshot, Youtube]

Es ist inzwischen üblich, dass das Europäische Parlament im Vorfeld von Europawahlen ein Video produziert, um die Menschen dazu anzuregen, bei den Wahlen abzustimmen. Das emotionale Video zu den anstehenden EU-Wahlen 2019 ist besonders erfolgreich und wurde bereits von jedem fünften Europäer gesehen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Mit inzwischen 33 Millionen Aufrufen auf Youtube und 84 Millionen Klicks auf Facebook – all das innerhalb von zwei Wochen – ist das Video „Choose your future“ (siehe unten, mit deutschen Untertiteln) des Europäischen Parlaments ein viraler Hit geworden.

Die ungeschliffene Darstellung mehrerer Geburten soll dabei bildlich für Europa stehen: Eine Geburt könne nun einmal schwer und emotional sein, schafft im Ergebnis und mit Unterstützung des direkten Umfeldes aber etwas Außergewöhnliches, so eine Interpretationserklärung zum Video.

Im ersten Teil des Clips werden etwa fünfzehn Frauen, die kleine Europäerinnen und Europäer zur Welt bringen, gezeigt. Diese Aufnahmen waren im Februar und März 2019 in Griechenland, der Tschechischen Republik, Dänemark und Ungarn gemacht worden.

Die Bilder zeigen aber auch die Schmerzen der Mütter vor und während der Geburt sowie die unterschiedlichen emotionalen Reaktionen der neuen Eltern.

„Europa hat viele Kritiker. Deshalb war es mir wichtig, einen sehr reinen und ehrlichen Videofilm zu machen,“ erklärt Frédéric Planchon, Regisseur des dreiminütigen Films. „Das sind echte Menschen, keine Schauspieler – und die Babys sind weniger als einen Tag oder manchmal sogar weniger als fünf Minuten alt.“

Ähnlich verhalte es sich mit den Schmerzen bei der Geburt: „Wir wollten das Thema Geburt ehrlich und ungeschönt zeigen: Die Geburt ist auch ein Moment des Schmerzes, des Zweifels und des Fragens,“ so Planchon.

Der zweite Teil zeigt dann die Freude und den Empfang von Neugeborenen durch die Familien. Dies symbolisiere das Gemeinschaftsleben und die Aufnahme in eine Gemeinschaft. Der Film ziele darauf ab, die Wähler dazu anzuregen, in Entscheidungen einzugreifen, die unter anderem auch die Zukunft von Neugeborenen bestimmen, erläutert Planchon: „Ich glaube, dass diese Frage nie wirklich auf diese Art angegangen wurde: Warum stimmen wir ab? Na, für die Zukunft!“

Der Regisseur erzählt weiter, er sei schockiert von der Feindseligkeit einiger antieuropäischer Politiker und ihrer Fans. Seine Botschaft sei dennoch eine positive: „Wir befinden uns in einer Zeit des Zweifels und der Angst, was erklärt, warum sich einige zu Extremen hinwenden. Aber ich denke, die Zukunft kann besser sein als die Gegenwart. Das ist die Botschaft des Films.“

Der Clip wird bis zu den Wahlen zum EU-Parlament Ende Mai in europäischen Kinos gezeigt sowie europaweit im Fernsehen ausgestrahlt.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]