Gesundheitsagentur warnt: EU verfehlt Ziele bei Antibiotikaverbrauch

Der Antibiotikaverbrauch in der EU ist seit 2019 um ein Prozent gestiegen. Laut einem neuen Bericht des Europäischen Zentrums für Gesundheitskontrolle gefährde dies die Fortschritte bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen bis 2030.

EURACTIV.com
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Der Missbrauch und die übermäßige Verwendung von Antibiotika in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass einige Bakterien eine antimikrobielle Resistenz entwickelt haben. Das bedeutet, dass Antibiotika an Wirksamkeit verlieren und Infektionen im Organismus fortbestehen. [Shutterstock/Jarun Ontakrai]

Der Antibiotikaverbrauch in der EU ist seit 2019 um ein Prozent gestiegen. Laut einem neuen Bericht des Europäischen Zentrums für Gesundheitskontrolle gefährde dies die Fortschritte bei der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen bis 2030.

Die vom Rat der EU für 2030 festgelegten Ziele zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen zielen darauf ab, den Antibiotikaverbrauch in der EU um 20 Prozent zu senken, da sich antimikrobielle Resistenzen (antimicrobial resistance, AMR) zu einer „stillen Pandemie“ entwickeln, die jährlich 35.000 Menschenleben fordert.

„Um die EU-Ziele bis 2030 zu erreichen, ist eine gemeinsame, dringende Reaktion in der gesamten EU erforderlich, um zu verhindern, dass die antimikrobielle Resistenz die Gesundheitsversorgung untergräbt“, sagte die Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) Pamela Rendi-Wagner.

Antimikrobielle Resistenz tritt auf, wenn sich Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten weiterentwickeln und nicht mehr auf Antibiotika reagieren. Dadurch wird die Behandlung von Infektionen erschwert.

Der Hauptgrund für antimikrobielle Resistenz ist der übermäßige Gebrauch, die übermäßige Verschreibung oder der Missbrauch von Antibiotika in der gesamten EU.

Veränderungen seit 2019

Dr. Dominique Monnet, Leiterin der Abteilung Antibiotikaresistenz der Gesundheitsagentur, erklärte, dass der Anstieg des Antibiotikaverbrauchs in diesem Jahr nach einem Rückgang des Gesamtverbrauchs in 2020 und 2021 kam. Das sei „auf die Auswirkungen der Pandemie auf die Übertragung von Infektionskrankheiten und letztlich auf die Verschreibungspraxis von Antibiotika zurückzuführen“.

Auch die Raten der antimikrobiellen Resistenz variierten je nach Mikroorganismus. Einerseits gab es in der EU einen deutlichen Rückgang von Blutbahninfektionen durch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (besser bekannt als Verursacher von Staphylokokkeninfektionen).

Andererseits haben sich Blutstrominfektionen durch Carbapenem-resistente Klebsiella pneumoniae, die Sepsis verursachen können und in der EU jede Minute ein Leben fordern sowie schwerwiegende Folgen wie Amputationen nach sich ziehen, zwischen 2019 und 2023 um 60 Prozent verschlechtert.

Dies ist laut Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten besonders besorgniserregend, da Krankenhäuser in der EU „sehr wenige therapeutische Optionen zur Behandlung von Patienten“ haben, die mit diesen hochresistenten Bakterien infiziert sind.

Ein sehr, sehr ungleiches Bild

Die Direktorin des ECDC-Zentrums, Pamela Rendi-Wagner, sagte während einer Pressekonferenz am Montag (18. November), dass die EU in Bezug auf antimikrobielle Resistenz ein „sehr, sehr ungleiches Bild“ zwischen den Mitgliedstaaten zeige und forderte gezieltere Interventionen auf EU-Ebene.

Finnland war das einzige Land, das auf dem Weg war, das Reduktionsziel von 20 Prozent zu erreichen. Neun weitere Mitgliedstaaten kamen dem Ziel ebenfalls näher.

In Bulgarien ist der Einsatz von Antibiotika in den letzten fünf Jahren um 27 Prozent gestiegen, allerdings ist das Gesundheitssystem des Landes nicht darauf vorbereitet.

Die Hälfte der überwachten Staaten meldete einen Anstieg des Antibiotikaeinsatzes und ist weit davon entfernt, die Ziele für antimikrobielle Resistenz für 2030 zu erreichen. Dazu gehören Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Dänemark, Estland, Italien, Lettland, Litauen, Malta, die Niederlande, Portugal, Rumänien, die Slowakei und Slowenien.

Diese Zahlen deuten auf ein Ost-West-Gefälle beim Einsatz von Antibiotika hin – wobei die Gesundheitsbehörde nicht spezifizierte, weshalb.

Das Europäische Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten gab an, dass es drei Hauptbereiche zur Verbesserung der Raten der antimikrobiellen Resistenz anvisieren würde: Infektionsprävention und -kontrolle, umsichtige Verwendung von Antibiotika sowie die Entwicklung von und den Zugang zu neuartigen Antibiotika.

[Bearbeitet von Rajnish Singh/Kjeld Neubert]