Griechenlands Landwirtschaft: Niedrige Gehälter, schlechte Infrastruktur
Niedrige Gehälter und schlechte Infrastruktur machen die Landwirtschaft in Griechenland unattraktiv für junge Menschen. Dabei werden gerade sie mehr denn je gebraucht, um den Agrarsektor nach vorne zu bringen.
Niedrige Gehälter und schlechte Infrastruktur machen die Landwirtschaft in Griechenland unattraktiv für junge Menschen. Dabei werden gerade sie mehr denn je gebraucht, um den Agrarsektor nach vorne zu bringen. EURACTIV Griechenland berichtet.
„Der Beruf Landwirt ist für die jüngere Generation, sei es für Männer oder Frauen, aufgrund der im Vergleich zu anderen Berufen niedrigen Gehälter und der Einschränkungen des Lebens in den abgelegenen ländlichen Gebieten wenig attraktiv,“ fasst die Landwirtschaftsexpertin Elli Tsiforou gegenüber EURACTIV.gr zusammen.
Aus Sicht von Tsiforou, die das Brüsseler Büro von Gaia Epicheirein – ein griechisches Mitglied der EU-Landwirtschaftsorganisation Copa-Cogeca – leitet, müssten daher Sofortmaßnahmen eingeleitet werden, um die jüngere Generation anzuziehen.
Beobachter warnen, dass eine immer älter werdende Bevölkerung und insbesondere der Mangel an (jungen) Landwirtinnen die Entwicklung des Agrarsektors Griechenlands weiterhin behindern werden.
„Wir sollten das Berufsbild an sich umgestalten, um es für die jüngere Generation attraktiver zu machen. Die Landwirte müssen Vertrauen in ihre Zukunft zurückgewinnen; und die zukünftigen Landwirte müssen sich von ihnen inspirieren lassen,“ fügt Tsiforou hinzu.
„Wenn wir keine gemeinsame, ausreichend finanzierte und visionäre Agrarpolitik vorschlagen, die auf Wissen und Innovation basiert, die Einkommen der Landwirte sichert und einen Mehrwert sowohl für sie als auch für den ländlichen Raum und die Gesellschaft im weiteren Sinne schafft, fürchte ich, dass Maßnahmen wie Neugründungsförderung und Investitionsbeihilfen einfach nicht ausreichen werden, um den Trend auf lange Sicht umzukehren,“ sagt sie.
Neue GAP-Kürzungen bereiten Kopfzerbrechen
Laut Areti Vaiopoulou, eine Viehzüchterin aus der Region Thessalien, gibt es allerdings bereits positive Entwicklungen. Es sei „umso besser“ für den griechischen Agrarsektor, wenn mehr neue Landwirte im Sektor Fuß fassen: „Das Durchschnittsalter der Landwirte wird reduziert und neue Ideen, neue Köpfe, neue Wissenschaftler kommen auf den Markt,“ sagt sie im Gespräch mit EURACTIV.gr.
Generell berichten einige Landwirte, die gegenwärtige europäische Agrarpolitik habe bereits Innovationen gebracht, es bleibe aber noch viel zu tun.
Auch Vaiopoulou findet, die derzeitige GAP würde neue, junge Landwirte tatsächlich umfassend unterstützen. Kopfzerbrechen bereite ihr und anderen Fachleuten hingegen vor allem die vorgeschlagenen Kürzungen in der GAP nach 2020. Dies könne insbesondere negative Auswirkungen auf Junglandwirte haben, die ihre ersten Schritte im Sektor unternehmen, warnen sie.
Die wichtigsten Bereiche, in denen die Landwirte nach wie vor Unterstützung durch die neue GAP erwarten, seien die Produktionskosten, Marktpreise und die Qualität der Produkte.
„Wir wollen den Schwung der aktuellen GAP nicht verlieren. Als Tierhalterin brauche ich persönlich beispielsweise Hilfe bei der Vermarktung meiner Produkte,“ fügt Vaiopoulou hinzu.
Landwirtinnen
Gleichzeitig ist die Zahl der Landwirtinnen in Griechenland nach wie vor relativ überschaubar. Für sie ist es oftmals besonders schwierig, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen bzw. zu erhalten.
„In anderen Ländern ermutigen die Banken Frauen dazu, Unternehmen zu gründen und bieten Unterstützung. Aber hier müssen Sie nahezu alles alleine machen,“ moniert Vaiopoulou. Wichtig sei in dieser Hinsicht auch die potenzielle Rolle der Genossenschaften beim Austausch von Erfahrungen und belebenden Maßnahmen für den Landwirtschaftssektor.
Für Elli Tsiforou sind Landwirtinnen vor allem Unternehmerinnen, die sich voll an der Modernisierung des EU-Lebensmittelsektors beteiligen sollten.
Sie schlussfolgert: „Was [die Landwirtinnen] von der zukünftigen GAP erwarten, genau wie ihre männlichen Kollegen, sind visionäre, moderne politische Instrumente, die es ihnen ermöglichen, in jeglicher Hinsicht nachhaltig zu wirtschaften.“
[Bearbeitet von Sarantis Michalopoulos]