Großbritanniens historische TV-Debatte bringt unerwarteten Gewinner hervor

Alle drei größten britischen Parteien behaupteten, ihr Parteichef habe gestern (15. April) die erste je gehaltene TV-Debatte zum britischen Premierministeramt gewonnen, wobei Umfragen anzeigten, dass der Vorsitzende der Liberaldemokraten Nick Clegg die Zuschauer am meisten beeindruckt hat. Die Debatte fand im Vorfeld zu den Wahlen am 6. Mai statt.

Alle drei größten britischen Parteien behaupteten, ihr Parteichef habe gestern (15. April) die erste je gehaltene TV-Debatte zum britischen Premierministeramt gewonnen, wobei Umfragen anzeigten, dass der Vorsitzende der Liberaldemokraten Nick Clegg die Zuschauer am meisten beeindruckt hat. Die Debatte fand im Vorfeld zu den Wahlen am 6. Mai statt.

Die 90-minütige Debatter zur Hauptsendezeit, in der sich Clegg als unverbrauchte, ehrliche Alternative zum Status quo präsentierte, war die erste von drei Konfrontationen nach US-Vorbild zwischen den Parteivorsitzenden vor den Wahlen im Mai.

Die Parteivorsitzenden traten bei Themen wie Wirtschaft, Gesundheitswesen, Recht und Ordnung, Einwanderung und politische Korruption gegeneinander an.

Clegg, der eine Botschaft von "Fairness" vertrat, sagte, die Liberaldemokraten böten "etwas Neues". Niemand dürfe sagen, dass die einzige Wahl in der alten Politik bestehe.

"Sagen sie Ja zu etwas Neuem", drängte er die Wähler. Labour und die Konservativen hätten "immer wieder die alten Fehler begangen".

Trotz aller Probleme und Herausforderungen könne man hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, wenn man sich für etwas anderes entscheide, so Clegg.

Der Anführer der Tories, David Cameron, versprach "Wandel", während Premierminister Gordon Brown (Labour) "Wohlstand für alle" bot.

Zeitungen sehen Clegg als Sieger

Die Zeitungen schlossen am Freitag allgemein, dass der Chef der Liberaldemokraten, der drittgrößten britischen Partei, die Auseinandersetzung gewonnen hatte, bei der es um innenpolitische Themen ging.

Umfragen von Zuschauern, die nach der Debatte veröffentlicht wurden, sahen Clegg ebenfalls als Sieger.

Einer Umfrage von YouGov zufolge landete der Anführer der Liberaldemokraten bei 51%, weit vor Cameron mit 29% und Brown mit 19%. In einer Umfrage von ITV/Com Res sahen 43% der Zuschauer Clegg, 26% Cameron und 20% Brown als Sieger.

Die größten Gewinner des Abends waren jedoch die Zuschauer, die zum ersten Mal live im Fernsehen ein Duell der Anwärter für den Posten des Premierministers verfolgen konnten.

"Die britische Politik wird nie wieder so sein wie früher", erklärte die Times. Die Debatte habe ein außergewöhnliches, teilweise elektrisierendes Spektakel geliefert.

Labour behauptete, Premierminister Gordon Brown sei "sehr solide" gewesen, während die Tories den Oppositionsführer David Cameron als "stark und persönlich" bezeichneten.

Clegg, der selbstbewusst direkt in die Kamera statt an seine Rivalen gerichtet sprach, sagte, es gebe eine Alternative zu den beiden alten Parteien. "Ich weiß, dass viele von Ihnen denken, alle Politiker sind gleich. Ich hoffe, ich habe Ihnen gezeigt, dass das nicht wahr ist."

Wirtschaft im Mittelpunkt

Die Wirtschaft wird ganz oben in den Köpfen der Wähler sein, wenn sie im Mai zur Wahl gehen. Großbritannien befindet sich in der schlimmsten Konjunkturkrise seit Jahren.

Brown erklärte, die Konservativen stellten ein Risiko für die Wirtschaft des Landes dar. Cameron hingegen behauptete, die von Labour vorgeschlagenen Beitragserhöhungen zur staatlichen Versicherung seien "eine Steuer auf Arbeitsplätze, ein Vernichter von Arbeitsplätzen" und würge die Wirtschaft ab.

Clegg konzentrierte sich indes auf die Banker. "Ein gieriger Banker in der Londoner City zahlt auf sein Gehalt niedrigere Steuern als eine Putzfrau", behauptete er.

Zum Skandal über die Ausgaben von Abgeordneten, der letztes Jahr die britische Politik erschüttert hatte, sagte Brown, er sei von den Enthüllungen "schockiert" und "angewidert" gewesen. Cameron bezeichnete es als "abscheulichen Vorfall".

Viele Beobachter bemerkten, dass der Anführer der Liberaldemokraten sich mit dem Debattenformat eher wohlzufühlen schien als die anderen Anführer. Je mehr sich Brown und Cameron gegenseitig angriffen, desto mehr hörten sie sich genau gleich an, sagte Clegg einmal.   

Brown versuchte seinen Erfahrungsschatz im Vergleich zu seinen Gegnern als Vorteil zu verkaufen. "Ich weiß, worum es in diesem Job geht", sagte er.

Cameron beschuldigte seine Rivalen indes, Wählern mit Schreckensgeschichten von Ausgabenkürzungen unter einer Regierung der Tories Angst einflößen zu wollen. Er drängte die Wähler dazu, "Hoffnung über Angst" zu wählen.

Die Debatte letzten Abend, die laut Fernsehsender ITV von einem Millionenpublikum gesehen wurde, wurde auch online interessiert verfolgt. Schätzungen zufolge wurden 100.000 Twitter-Nachrichten in der ersten Stunde ins Netz gestellt.

Bei den folgenden Debatten wird es um internationale Politik (Sky News, 22. April) und Wirtschaft (BBC One, 29. April) gehen.