Handelsverbot mit Seerobbenprodukten schürt Spannungen mit Kanada [DE]
Die Europäische Union und Kanada stritten sich am Dienstag, nachdem die EU-Gesetzesgeber für ein Handelsverbot von Seerobenprodukten in der Europäischen Union beschlossen hatten, was Ottawa dazu veranlasste die Angelegenheit vor das weltweit höchste Handelsgericht zu bringen.
Die Europäische Union und Kanada stritten sich am Dienstag, nachdem die EU-Gesetzesgeber für ein Handelsverbot von Seerobenprodukten in der Europäischen Union beschlossen hatten, was Ottawa dazu veranlasste die Angelegenheit vor das weltweit höchste Handelsgericht zu bringen.
Kanada, Grönland und Namibia sind für 60 Prozent der 900.000 jährlich getöteten Seerobben verantwortlich. Der Rest wird in Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien und den USA getötet.
Die Tiere werden normalerweise erschossen oder mit einer spitzen Keule, dem „Hakapik” auf den Kopf geschlagen. Seerobbenprodukte beinhalten die Felle der Tiere, die in der Bekleidungsindustrie verwendet werden, sowie Öle, die in Vitamintabletten zum Einsatz kommen.
Die Europäische Kommission, die die Handelspolitik der EU überwacht sagte, dass es Kanada überlassen bleibe dies anzufechten, aber Brüssel würde hart daran arbeiten die WTO Handelsgesetze zu befolgen.
Die EU-Institutionen hätten sich die WTO-Fragen angesehen und genau auf Partner gehört, so der Handelssprecher der EU, Lutz Güllner. Es gebe im Bereich der Umsetzung des Gesetzes immer noch viel Arbeit, insbesondere wie die Ausnahmen in der Praxis wirken. Die Gesetzgebung, die im Parlament angenommen wurde sei nicht diskriminierend, so Güllner weiter.
Handelsgespräche
Die EU und Kanada trafen sich am Mittwoch in Prag, aber Diplomaten sagten, dass das Handelverbot das etwa 4,2 Millionen Euro (5,6 Millionen CAD) an Gewinnausfällen betreffe, nicht den Beginn von Gesprächen über bilaterale Handelsbeziehungen behindere, die mehr als 27 Milliarden Dollar an zusätzlichem Handel einbringen würden.
Beide Seiten hätten aus Höflichkeit dafür gestimmt, das Thema des Handelsverbots nicht anzusprechen, so ein EU-Diplomat, der in die Vorbereitung des Gipfels involviert war, gegenüber Reuters.
Dies sei nur eine momentane Verstimmung und könne sich in der Zukunft zu mehr entwickeln, aber zurzeit hätten beide Seiten beschlossen, dass sie dies von weiteren Gesprächen nicht abhalten werde.
Die 15 Seerobbenspezies, die zurzeit gejagt werden, sind nicht vom Aussterben bedroht, aber europäische Politiker sahen Handlungsbedarf nachdem sie Beweise gefunden hatten, dass die Tiere gehäutet wurden, während sie noch bei Bewusstsein waren.
Sieg für Seerobben
Tierschutzaktivisten sagen, dass die Jagd inhuman sei und bezeichneten die Abstimmung im Parlament als Sieg für die Seerobben. Man sei der Europäischen Union dankbar, dass sie die Grausamkeit verurteile und dankbar an alle die so lange an dem Thema gearbeitet hatten, damit dieser Tag möglich sei, so Rebecca Aldworth von der Humane Society International, einer NGO.
Kanada verteidigte allerdings seinen Standpunkt im Bezug auf die Seerobenjagd und sagte, dass die kanadische Regierung sich für die Arbeitsplätze und Gemeinden einsetzen werde, die von der Jagd abhängen, so die kanadische Ministerin für Fischerei Gail Shea. Sie fügte hinzu, dass das Handelsverbot Fischerdörfer zerstören würde, die aus der Seerobbenjagd 25 bis 30 Prozent ihres Jahreseinkommens gewinnen.
Die Entscheidung wird endgültig, nachdem der Europäische Rat, der die 27 Mitgliedstaaten vertritt darüber abstimmt. Ein vorgezogenes Abkommen zwischen dem Parlament und dem Rat wurde bereits erreicht, wodurch die Zustimmung nur eine Formalität bleiben sollte.
Die Europäische Kommission hatte ein teilweises Handelsverbot vorgeschlagen, das Produkte klar als Merztiere ausweisen würde, allerdings empfand das Parlament dies als nicht ausreichend.
Es gibt eine Ausnahme für Seerobbenprodukte, die von den Inuit in Kanada gejagt werden, sowie von anderen eingeborenen Gemeinden. Allerdings müssten die Produkte für den persönlichen Gebrauch sein und aus einem nichtkommerziellen Grund in die EU eingeführt werden.
Das Handelsverbot betrifft alle so genannten Flossenfüßler, zu denen auch Walrosse und Seelöwen gehören. Es wird innerhalb der nächsten Wochen in Kraft treten und die EU-Mitgliedsstaaten müssen effektive Strafen für Verstöße einführen.
(EURACTIV und Reuters)