Happy Planet Index: Höherer Konsum führt nicht zu mehr Wohlbefinden
Dem Happy Planet Index zufolge soll ein höheres Konsumniveau nicht zu einem höheren Wohlbefinden führen. Der Index ist ein Versuch, zu messen, wie Staaten ihren Bürgern ein gutes Gefühl des Wohlbefindens vermitteln, ohne den Planeten übermäßig zu strapazieren.
Dem Happy Planet Index (HPI) zufolge soll ein höheres Konsumniveau nicht zu einem höheren Wohlbefinden führen. Der Index ist ein Versuch, über das Bruttoinslandsprodukt hinauszugehen und einen Weg zu finden, um zu messen, wie Staaten ihren Bürgern ein gutes Gefühl des Wohlbefindens vermitteln, ohne den Planeten übermäßig zu strapazieren.
Der HPI, der vom Berliner Hot or Cool Institute, einem Think Tank von öffentlichem Interesse, erstellt wird, berechnet die Lebenserwartung, einen objektiven Indikator, und kombiniert sie mit dem eher subjektiven, selbstberichteten Wohlbefinden. Anschließend wird dieser Wert durch den CO2-Fußabdruck geteilt, der als Indikator für den Konsum dient.
Frühere Ausgaben der Studie befassten sich mit dem ökologischen Fußabdruck, der umfassendere Umweltaspekte wie die Landnutzung im Zusammenhang mit der Land- und Forstwirtschaft berücksichtigt.
Dr. Saamah Abdallah, der Leiter des HPI für den Bereich nachhaltiges Wohlbefinden, erklärte in einer Pressemitteilung: „Der HPI sollte bestehende Messgrößen nicht ersetzen, sondern die Staaten ermutigen, auf demokratische Weise alternative Maße für den Fortschritt einzuführen.“
Dem jüngsten Bericht zufolge hat Westeuropa Lateinamerika als Region mit der höchsten Punktzahl überholt. Kroatien und Litauen gehören dabei zu den Staaten, die die größten Verbesserungen verzeichnen konnten. Die folgende Infografik gibt einen Überblick über die Situation in den 27 EU-Mitgliedsstaaten.
Das Hot or Cool Institute hat zum ersten Mal die HPI-Werte für verschiedene Einkommensklassen in ausgewählten Staaten untersucht.
Die Ergebnisse bestätigen nachdrücklich, dass in den meisten Staaten die reichsten Bürger beim HPI am schlechtesten abschneiden.
Als Beispiel nannten sie die Vereinigten Staaten, wo die reichsten zehn Prozent einen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von fast 70 Tonnen pro Kopf haben. Dies entspricht fast dem Vierfachen des Durchschnitts der übrigen Bevölkerung. Dennoch schneiden die reichsten zehn Prozent beim Wohlbefinden nur geringfügig besser ab.
So verwenden beispielsweise die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Eurostat, das offizielle statistische Amt der EU, bereits Indikatoren für das Wohlbefinden. Dabei werden objektivere Indikatoren wie Einkommens- und Gesundheitsindizes mit eher subjektiven Indikatoren wie etwa der Wahrnehmung des Wohlbefindens durch den Einzelnen kombiniert.
In Folge einer Mitteilung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Das BIP und mehr: die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel“ erhebt Eurostat seit vielen Jahren eine Reihe von Indikatoren zur „Lebensqualität“ (EU-SILC – Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen). Auch die OECD hat einen sogenannten Better Life Index.
Der Bericht des Hot or Cool Institute stützt sich auf Zahlen aus dem Jahr 2021. Der HPI wurde ursprünglich von der im Vereinigten Königreich ansässigen New Economics Foundation erarbeitet.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]