Thailands Thunfischbranche fordert Zollfreiheit in der EU

Während im Hintergrund die Gespräche über ein Freihandelsabkommen zwischen Brüssel und Bangkok laufen, warnen EU-Fischer, Thailand habe weiterhin mit Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsproblemen zu kämpfen.

EURACTIV.com
[(Photo by Carma Casula/Cover/Getty Images)]

Thailands mächtige Thunfischindustrie drängt die EU, Zölle auf ihre Exporte abzuschaffen – während Brüssel und Bangkok auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens hinarbeiten.

Thailand, ein globaler Akteur in der Fischerei, ist der weltweit größte Exporteur von verarbeitetem Thunfisch –dieser wird in der EU am meisten konsumiert. Derzeit erhebt die EU einen Zollsatz von 24 Prozent; eine Absenkung könnte die Importe sprunghaft ansteigen lassen.

EU-Fischer und -Verarbeiter haben Brüssel wiederholt aufgefordert, Thunfisch von den Verhandlungen auszunehmen. Sie argumentieren, dass Thailands Sektor weiterhin mit Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsproblemen zu kämpfen habe.

Am Montag veröffentlichte der thailändische Thunfischindustrieverband ein Papier, in dem er seine Bilanz verteidigt und betont, man erfülle bereits den „strengen EU-Regulierungsrahmen“ in den Bereichen Verarbeitung, Transparenz und Rückverfolgbarkeit.

„Für die EU würde das Freihandelsabkommen den verlässlichen Zugang zu verantwortungsvoll erzeugten Thunfischprodukten sichern – in einem Sektor, in dem die Verarbeiter strukturell auf importierte Rohware angewiesen sind“, heißt es weiter. Zudem biete Thailands wachsende Mittelschicht Chancen für europäische Seafood-Exporteure.

Der Verband verweist darauf, dass die EU den Handel mit Meeresfrüchten bereits vollständig liberalisiert hat – mit Partnern von Kolumbien, Peru und Ecuador über Zentralamerika und die Karibik bis hin zu mehreren Pazifikstaaten und Südkorea. „Diese Linie auch auf Thailand auszudehnen, würde den Ruf der EU als verlässlicher und fairer Handelspartner stärken“, heißt es.

Zudem betont die Branche, Thailand habe nach der „Gelben Karte“ der EU im Jahr 2016 wegen illegaler Fischerei „eines der weltweit robustesten Überwachungssysteme“ eingeführt. Zivilgesellschaftliche Gruppen warnen jedoch, dass jüngste politische Entwicklungen diese Fortschritte untergraben könnten – sie verweisen auf neue Gesetzesänderungen vom vergangenen Monat, die den Meeresschutz schwächen könnten.

Thailändische Exporteure spielen zugleich die Bedenken der EU-Industrie – insbesondere im spanischen Verarbeitungszentrum Galicien – herunter und behaupten, die thailändische Verarbeitung sei „komplementär“ statt konkurrierend.

(adm, jl)