Hat Deutschlands Aufschwung ein baldiges Ende? [DE]
Der kurze Aufschwung, den die deutsche Wirtschaft zwischen Mitte 2006 und Mitte 2007 erfahren hat, könnte bereits vorüber sein. Experten nennen als Ursache hierfür einen negativen Konjunkturverlauf, finanzielle Unruhen und ungenügende Verbraucherausgaben.
Der kurze Aufschwung, den die deutsche Wirtschaft zwischen Mitte 2006 und Mitte 2007 erfahren hat, könnte bereits vorüber sein. Experten nennen als Ursache hierfür einen negativen Konjunkturverlauf, finanzielle Unruhen und ungenügende Verbraucherausgaben.
Die jüngsten Statistiken sind jedoch weniger erfreulich:
Kein Wirtschaftsaufschwung: Laut dem jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank geht das Wirtschaftswachstum in Deutschland im zweiten Halbjahr 2007 auf 0,3% zurück. Die Bundesrepublik spürt die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung um 3%, die Anfang 2007 vorgenommen wurde, und die zu einer Steigerung der Verbraucherausgaben in der zweiten Jahreshälfte 2006 und einem anschließenden Rückgang der Ausgaben führte. Der milde Winter drosselte den gewöhnlichen saisonbedingten Aufschwung der Baubranche im Frühjahr. Wirtschaftswachstum wird hauptsächlich durch Exporte gefördert, die im zweiten Halbjahr 2007 um fast 1% gestiegen sind. Weniger günstige Handelsbedingungen hatten jedoch negative Auswirkungen auf die Gewinne, die durch den Exportanstieg erzeugt wurden.
Pessimistische Konjunkturerwartungen: Nach Höchstwerten zum Jahreswechsel ist der Geschäftsklimaindikator des ifo (Institut für Wirtschaftsforschung) seit Ende Frühjahr 2007 kontinuierlich gesunken. Die Konjunkturerwartungen der Unternehmen haben nun seit der ersten Jahreshälfte 2005 einen Tiefststand erreicht. Das ifo schließt, dass sich Deutschland trotz einer relativ positiven aktuellen Konjunkturlage nun auf seinen ersten Abschwung seit 2001 zu bewege.
Wachsende Beschäftigungsraten, ein Rückgang der Qualität der Arbeitsplätze und ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften: Beschäftigung könnte die große Erfolgsgeschichte der Merkel-Regierung werden. Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit zufolge haben innerhalb einen Jahres (August 2006 bis Juli 2007) 633 000 Menschen einen Arbeitsplatz gefunden. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arbeitslosen um 666 000 zurückgegangen; 3,76 Millionen Deutsche bzw. 9% der Deutschen sind derzeit auf Arbeitssuche.
Laut des Beschäftigungsausblicks von Manpower setze sich dieser positive Trend fort. Die repräsentative Befragung unter tausenden von Arbeitnehmern hat gezeigt, dass deutsche Arbeitgeber, besonders im Produktions-, Bau- und Dienstleistungssektor, erwarten, bis Ende 2007 mehr Personal einzustellen. Der Bericht hat weiterhin Belege für einen zunehmenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften geliefert.
Das Wachstum ist hauptsächlich im Bereich ungelernter Beschäftigung zu verzeichnen. Statistiken zeigen, dass im Beispielmonat Juni 2007 vier Mal so viele Teilzeitarbeitsplätze für ungelernte Kräfte geschaffen wurden als dies für Menschen, die einen Beitrag zum Sozialversicherungssystem leisten, der Fall war (abhängig vom Handel beläuft sich dieser auf etwa 5 000 Euro pro Jahr).
Stagnierendes Realeinkommen: Über einige Jahre sind die Gehälter zu Raten unterhalb der Inflationsrate gestiegen; dies hat zu einer Situation geführt, in der – laut einer vieldiskutierten Schlagzeile der Bild-Zeitung – „Netto-Löhne so niedrig wie vor 20 Jahren“ sind. Das Einkommen der Arbeitnehmer stagniert und das durchschnittliche Nettoeinkommen liegt bei nur 1 320 Euro pro Monat.
Es wird jedoch auch betont, dass die jüngsten Zahlen Ostdeutschland einschlössen, das 1986 noch nicht in den Statistiken berücksichtigt wurde, und wo die Einkommen, trotz beachtlichem Wachstum, viel niedriger blieben als im Westen Deutschlands. Es heißt weiterhin, dass auch die Zunahme an Teilzeitbeschäftigungen im gleichen Zeitraum in Betracht gezogen werden sollte.
Gewerkschaften und Beschäftigungsexperten kritisieren jedoch die Tatsache, dass 1,5 Millionen Deutsche für weniger als fünf Euro pro Stunde arbeiten. Ein oft angeführtes Beispiel ist das der Frisöre in Sachsen-Anhalt: sie müssen ihr Leben von 3,82 Euro pro Stunde finanzieren. Gewerkschaften kämpfen für die Einführung von Mindestlöhnen in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde.