Hintzes Missionen: Zum Mond oder nach Brüssel?
Peter Hintze (CDU), Koordinator für Luft- und Raumfahrt im Wirtschaftsministerium, überrascht mitten in der Krise mit der Vision einer Mondlandung. Deutsche Interessen sollen bei der Mission ins All an erster Stelle stehen. Eine Bewerbung um das Amt eines EU-Kommissars hört sich anders an - dabei wird Hintze als Nachfolger Verheugens gehandelt.
Peter Hintze (CDU), Koordinator für Luft- und Raumfahrt im Wirtschaftsministerium, überrascht mitten in der Krise mit der Vision einer Mondlandung. Deutsche Interessen sollen bei der Mission ins All an erster Stelle stehen. Eine Bewerbung um das Amt eines EU-Kommissars hört sich anders an – dabei wird Hintze als Nachfolger Verheugens gehandelt.
Peter Hintze (CDU) überraschte am Mittwoch mit einer Vision. Er habe sich soeben im Kabinett für eine neue "nationale Mondmission" eingesetzt, erklärte er bei einer Pressekonferenz in Berlin. Hintze koordiniert als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium seit zwei Jahren die deutsche Luft- und Raumfahrt und legte am 12. August den Bericht über seine Arbeit vor.
"Wenn man als Raumfahrt-Nation Bedeutsames schaffen will, braucht man bedeutsame Projekte", legte Hintze dar. Deshalb setze er sich für das Ziel ein, bis 2015 eine unbemannte deutsche Mondlandung umzusetzen. Elemente dieser Mission wären ein Kommunikationssatellit, ein automatisiertes Landesystem und ein mobiler Forschungsroboter.
Das notwendige Budget taxierte der Raumfahrt-Koordinator auf 1,5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. "Das ist eine Menge Geld", kommentierte Peter Hintze. Aber ein Land, das es geschafft habe, fünf Milliarden für die Abwrackprämie zu mobiliseren, werde auch die Kraft hierfür aufbringen. Auch wenn er mit dem Projekt ein "dickes Brett" zu bohren habe, sei er optimistisch.
Von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg habe er bereits Zustimmung für die Mondmission erhalten. "Ich habe heute im Kabinett interessierte und freudige Gesichter dazu gesehen", sagte Hintze und ergänzte: "Den Finanzminister habe ich bewusst nicht angeschaut." Zugleich räumte der Staatssekretär ein, einen Finanzierungsbeschluss müsse die neue Koalition nach der Bundestagswahl fällen.
Es ist bereits der zweite Anlauf, den Peter Hintze zur Erforschung des Mondes macht. Die Mission "LEO", die eine Vermessung des Mondes durch einen Satelliten im Orbit vorsah, wurde von der Bundesregierung nicht finanziert.
Schritt zum Weltraum-Flughafen
Hintze begründete die neue Mond-Mission zunächst ökonomisch. Die deutsche Wirtschaft könne von der weiteren Entwicklung auf dem Gebiet der Robotik profitieren. Von wissenschaftlichem Interesse sei der Mond als "Archiv unseres Sonnensystems". "Für die Frage ‚Wie ist alles geworden und wie wird alles werden?‘ ist der Mond von höchster Bedeutung."
Außerdem biete sich der Mond für zukünftige Generationen als "idealer Weltraum-Flughafen" an und sei das Testfeld für die bemannte Raumfahrt zum Mars. "Alle wichtigen Weltraum-Nationen zielen auf den Mond, und deshalb ist mir der Mond als Thema auch wichtig", erklärte Hintze. Das Projekt könne auch den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland faszinieren und motivieren. "Wir brauchen für unsere besten Hirne – für unsere Genies – anspruchsvolle Projekte, damit sie in Deutschland bleiben", so Hintze.
Auch die bemannte Raumfahrt unterstützt der Staatssekretär. Wenn man aus "irgendeinem Grund" einmal ins All hinaus müsse – etwa zur Abwehr eines Asteroiden – und zuvor die bemannte Raumfahrt aufgegeben habe, dann werde das schwierig. "Ob und wann wir mit Menschen auf dem Mond sind, weiß ich aber nicht", so Hintze.
Europa ist nur an Bord, wenn das Geld knapp wird
Hintze sprach zunächst von einer "nationalen" Mondmission. "Wenn es aber ganz knauserig wird mit den Finanzen, könnte man auch überlegen, das mit den Franzosen zusammen zu machen oder im ESA-Kontext oder mit der NASA", erklärte der deutsche Koordinator. Sollte eine Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation ESA nötig werden, wäre das ein "schönes europäisches Projekt".
Auf die Nachfrage von EURACTIV.de, warum die Mondmission nicht von Anfang an auf europäischer Ebene betrieben werde, sagte Hintze: "Bei internationalen Vergaben ist immer die Frage, wer bekommt die technisch ganz anspruchsvollen Teile." Das Interesse Deutschlands sei neben dem eigentlichen Missionsziel, der Exploration des Mondes, die technisch anspruchsvollen Teile für die Mission weiter zu entwickeln, bei denen man in Deutschland bereits große Stärken habe. Anders gesagt: Es ist Hintze wichtiger, deutsche Forschungsinstitute und High-Tech-Unternehmen zu fördern, als vereint mit den europäischen Nachbarn den Weltraum zu erforschen.
Startet Hintze in Brüssel durch?
Als großer Europäer empfahl sich Peter Hintze mit seiner äußerst national formulierten Mondlandungsvision also nicht. Dabei wird der ehemalige CDU-Generalsekretär neben Wolfgang Schäuble (CDU) weiterhin als möglicher Nachfolger des deutschen EU-Kommissars Günter Verheugen (SPD) gehandelt. Hintze soll als enger Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel gute Chancen haben, im Falle eines Wahlsiegs der Union nach Brüssel zu wechseln, heißt es aus gut informierten Kreisen.
Zu seiner persönlichen Zukunft nach der Bundestagswahl wollte sich Peter Hintze am Mittwoch nicht äußern. Auf die Nachfrage von EURACTIV.de, ob er das Amt eines EU-Kommissars für erstrebenswert halte, sagte Hintze: "Das ist eine sehr spannende Frage, aber die Antwort kommt erst nach der Wahl." Die entschiedene Ablehnung eines Amtes hört sich anders an.
Alexander Wragge