Hiroshima-Alptraum sucht Japan wieder heim
Der japanische Premierminister, Naoto Kan, hat gestern (13. März) das verheerende Erdbeben und den verwüstenden Tsunami, auf die eine noch immer andauernde Atomkrise folgte, als „die schlimmste Krise in Japan seit dem Zweiten Weltkrieg“ – als die Vereinigten Staaten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen – beschrieben.
Der japanische Premierminister, Naoto Kan, hat gestern (13. März) das verheerende Erdbeben und den verwüstenden Tsunami, auf die eine noch immer andauernde Atomkrise folgte, als „die schlimmste Krise in Japan seit dem Zweiten Weltkrieg“ – als die Vereinigten Staaten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abwarfen – beschrieben.
Naoto Kan sagte, dass die Lage der 40-jährigen Fukushima-Atomanlage besorgniserregend bleibe und die Behörden mit allen Kräften versuchten, die Schäden einzuschränken (siehe „Background“).
Die Regierung hatte vor einer möglichen Explosion des Kernreaktors Nummer 3 gewarnt, auf Grund der Wasserstoffanhäufung in dem Gebäude, in dem sich der Reaktor befindet.
Ingenieure haben alles Mögliche getan, um die Kernbrennstoffstäbe zu kühlen. Sollten sie daran scheitern, könnten die Behälter, die den Kern beinhalten, schmelzen oder sogar explodieren, was radioaktiven Stoff in die Atmosphäre abgeben könnte.
Circa ein Fünftel der Atomkrafterzeugungskapazität des Landes ist durch die Katastrophe außer Betrieb gesetzt worden. Auch thermische Anlagen sind stillgelegt worden, was die weltweit drittgrößte Wirtschaft dazu zwang, Gebieten zeitweise den Strom abzudrehen, um Energie zu sparen.
Beinahle zwei Millionen Haushalte hätten im Norden keinen Strom, sagte die Regierung. Circa 1,4 Millionen hätten kein fließendes Wasser.
Regierende und oppositionelle Parteien haben einen „Burgfrieden“ geschlossen, damit sich die Regierung auf den Umgang mit den Folgen der Katastrophe konzentrieren kann.
Befürchtungen eines weiteren Erdbebens
Die Stimmung ist auch von Nachrichtensendungen getrübt worden, in denen Experten mit der Aussage zitiert wurden, dass es eine 70-prozentige Chance für ein weiteres schädliches Beben bis Mittwoch gebe.
Einige Verkaufsregale blieben weiterhin leer und viele Zugsverbindungen waren nicht in Betrieb, als die Berufspendler Tokios nach einem Wochenende der Horrorbilder des Tsunamis zurück zur Arbeit kehrten.
Trotzdem gibt es in Tokio keine Panikzeichen – die wichtigsten Pendlerzüge fuhren und Massen von Büroarbeitern holten sich während der Mittagspause zu essen.
Analytiker sagen, dass das Erdbeben die Rückkehr Japans zu einem moderaten Wirtschaftsaufschwung verzögern, doch nicht verhindern könnte.
Die US-Marine hat am Montag angekündigt, dass die amerikanischen Kriegsschiffe und Flugzeuge, die die Hilfsbemühungen nach dem Erdbeben und dem Tsunami unterstützten, sich auf Grund der Strahlung von niedrigem Niveau, die aus einem getroffenen Atomkraftwerk komme, von der Pazifikküste des Landes vorübergehend entfernt hätten.
Die siebte USA-Flotte beschrieb die Entscheidung in einer Erklärung als Sicherheitsmaßnahme.
Derweil haben die Märkte angefangen, die finanziellen Kosten der Katastrophe zu berechnen.
Die Versicherungskosten des Erdbebens, das die nordöstliche Küste traf, könnten sich auf 25 Milliarden Dollar belaufen, ohne dass der Tsunami einberechnet werde, sagte das Risikomodellierungsunternehmen AIR Worldwide. Dies sei beinahe soviel wie der ganze weltweite Katastrophenschaden für den Versicherungssektor 2010.
Eine Gruppe von japanischen Spitzenherstellern, darunter Sony Corp., Toyota Motor Co. und Panasonic, haben beschädigte Fertigungsstraßen – und die Neustartbemühungen werden durch die Nachbeben erschwert.
Die wirtschaftlichen Folgen schienen größer zu sein als man am Anfang vielleicht erwartet habe, sagte Tom Byrne, Senior Vice Präsident von „Moody's Investor Service“.
Auswirkung auf den Atomsektor
Der Kampf Japans, um eine völlige Kernschmelze zu vermeiden, könnte dem globalen Kernenergiesektor schaden und Pläne, Dutzende von neuen Kernanlagen zu bauen, durchkreuzen, sowie jeglichen Anstieg der Urannachfrage, um diese zu betreiben, verhindern.
Der schlimmste Atomunfall seit der Tschernobyl-Explosion 1986 könnte einen starken Rückgang in den Aktien von Atomanlagenbauern wie General Electric, seinem japanischen Partner Hitachi und Areva in Frankreich auslösen, weil Investoren die Möglichkeit einer Neugeburt des Sektors überdenken könnten.
Trotzdem weisen einige Experten und Beamte auf die Spezifizität des japanischen Falls hin, wo der Atomunfall als Folge des Tsunamis und nicht des Erdbebens selbst betrachtet wird.
Jeff Immelt, Geschäftsführer von General Electric Co. (GE.N), sagte am Montag, dass es zu früh sei, um zu wissen, welche Auswirkung die Atomkraftkrise in Japan auf den Atomkraftsektor haben werde.
(EURACTIV mit Reuters. Von EURACTIV aus dem Englischen übersetzt.)