In Südtirol gewinnen Separatisten an Zustimmung

In Südtirol wächst der Wunsch nach einer Rückkehr zu Österreich. Kurz vor den Kommunalwahlen im Mai gewinnt eine Separatisten-Partei zunehmend an Unterstützung in der überwiegend deutschsprachigen Region.

EURACTIV.it
High mountain landscape at sunset in the Dolomite Alps with a typical church in a valley.
Die Bevölkerung Südtirols ist sprachlich gespalten: 69,4 Prozent bezeichnen sich als deutschsprachig, 26 Prozent als italienischsprachig, und 4 Prozent gehören zur ladinischen Minderheit. [[Jose A. Bernat Bacete/Getty Images]]

In Südtirol wächst der Wunsch nach einer Rückkehr zu Österreich. Kurz vor den Kommunalwahlen im Mai gewinnt eine Separatisten-Partei zunehmend an Unterstützung in der überwiegend deutschsprachigen Region.

Rom – Willkommen in der bergigen Nordprovinz Italiens, wo vieles doppelt existiert – Schulen, Straßennamen, politische Parteien und Zeitungen –, getrennt nach der deutschen und italienischen Sprachgemeinschaft.

Dasselbe gilt für den Namen der Region: „Südtirol“ für die Deutschen, „Alto Adige“ für die Italiener. Wer durch die Landeshauptstadt Bozen spaziert, hört Gruppen junger Menschen Deutsch sprechen, andere plaudern auf Italienisch – doch selten miteinander.

Die Region war einst Teil des Österreich-Ungarischen Reiches, wurde jedoch nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugesprochen. Das faschistische Regime Mussolinis versuchte daraufhin, die Region gewaltsam zu „italianisieren“.

Obwohl die italienische Regierung der Region in den 1970er-Jahren weitreichende Autonomie gewährte, ist für viele der Traum von der Loslösung von Italien nie gestorben.

Bei den Provinzwahlen 2023 erzielte die separatistische Partei Süd-Tiroler Freiheit (STF) einen bedeutenden Durchbruch und wurde drittstärkste Kraft. Mit den bevorstehenden Kommunalwahlen im Mai deuten aktuelle Umfragen darauf hin, dass sie auf den zweiten Platz vorrücken könnte.

Gegründet wurde die rechte Sezessionspartei 2007 von Eva Klotz mit dem Hauptziel der Selbstbestimmung der Südtiroler und einer Wiedervereinigung mit Österreich mit Hilfe eines Referendums.

Für den Partei-Vorsitzenden Sven Knoll ist die Autonomie der Region nicht nur eine territoriale, sondern eine ethnische Frage. Ein zentrales Anliegen der Partei ist die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft für die deutschsprachige Bevölkerung – eine Forderung, die in regelmäßigen Abständen wieder aufkommt.

Der letzte größere Vorstoß dazu erfolgte 2020 mit einem aus Österreich von der rechtspopulistischen FPÖ unterstützten Gesetzesvorschlag. Dieser wurde von der italienischen Regierung jedoch heftig bekämpft und schließlich verworfen.

Nach dem jüngsten Wahlerfolg der FPÖ erklärte die Süd-Tiroler Freiheit dies nun als „unsere große Chance“, endlich die doppelte Staatsbürgerschaft durchzusetzen.

Knoll lobte die FPÖ als „die einzige Partei in Österreich, die für die doppelte Staatsbürgerschaft, eine Amnestie für Freiheitskämpfer und die Unabhängigkeit Südtirols kämpft“.

Eine fragile Koexistenz

Die Bevölkerung Südtirols ist sprachlich gespalten: 69,4 Prozent bezeichnen sich als deutschsprachig, 26 Prozent als italienischsprachig, und 4 Prozent gehören zur ladinischen Minderheit.

Um das friedliche Zusammenleben zu sichern, existiert ein komplexes rechtliches System, das unter anderem ethnische Repräsentation in der Politik, eine proportionale Verteilung öffentlicher Ämter sowie Zweisprachigkeit in Verwaltung und Justiz vorschreibt.

Auch das Schulsystem ist getrennt: Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Muttersprache unterrichtet, während die jeweils andere Sprache als Fremdsprache vermittelt wird.

Doch trotz dieser gesetzlichen Schutzmaßnahmen bleiben Spannungen bestehen.

In den 1950er- und 1960er-Jahren kam es zu einer Welle terroristischer Anschläge von Separatisten, die in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1963 ihren Höhepunkt erreichte: Mehr als 350 Bomben explodierten in der gesamten Provinz und zerstörten Stromleitungen sowie Wasserkraftwerke.

Aber auch heute scheint die Diskriminierung nicht verschwunden zu sein.

Am Brennerpass in den Ostalpen zwischen Österreich und Italien sind Slogans wie „Südtirol ist nicht Italien“ auf Schildern zu sehen. Erst kürzlich wurde ein junger italienischsprachiger Mann brutal zusammengeschlagen – von vier deutschsprachigen Jugendlichen, die ihn als „Dreckwalscher“ beschimpften, ein abwertender Ausdruck für „schmutziger Italiener“.

Die STF selbst heizt die Debatte mit provokativen Kampagnen weiter an. Eines ihrer Plakate zeigte beispielsweise ein Paar Füße auf einem Obduktionstisch, versehen mit einem Schild, auf dem stand: „Der Arzt konnte kein Deutsch.“

Im Kern des Parteiprogramms steht die Forderung, dass in Krankenhäusern und Schulen ausschließlich Deutsch gesprochen werden soll.

[DE/KN]