Italien bittet China um Konfliktlösung im Ukrainekrieg und dem Nahen Osten

Der italienische Präsident Sergio Mattarella reist für einen Staatsbesuch nach China. Dort wird er seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping dazu auffordern, eine aktive Rolle bei der Konfliktvermittlung in der Ukraine und im Nahen Osten zu übernehmen.

EURACTIV.it
Italian President Sergio Mattarella Visits China
In einer Reihe strategischer Gespräche wird Mattarella (Bild L.) Xi (Bild R.) voraussichtlich dazu auffordern, eine proaktive Rolle bei der Vermittlung in zwei kritischen globalen Konflikten zu übernehmen. [ [Lintao Zhang/Getty Images]]

Der italienische Präsident Sergio Mattarella reist für einen Staatsbesuch nach China. Dort wird er seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping dazu auffordern, eine aktive Rolle bei der Konfliktvermittlung in der Ukraine und im Nahen Osten zu übernehmen.

Mattarella ist auf Staatsbesuch in China, wo er die diplomatischen Beziehungen stärken und Unterstützung für einen kooperativen Ansatz bei globalen Herausforderungen gewinnen will.

Begleitet von Außenminister Antonio Tajani wird Mattarellas hochrangiger Besuch am Freitag (8. November) mit einem formellen Treffen in der Großen Halle des Volkes gipfeln, wo er sich mit Xi beraten wird.

In einer Reihe strategischer Gespräche wird Mattarella Xi voraussichtlich dazu auffordern, eine proaktive Rolle bei der Vermittlung in zwei kritischen globalen Konflikten zu übernehmen: dem Krieg in der Ukraine und den eskalierenden Spannungen im Nahen Osten.

Laut italienischen Diplomatenkreisen könnte Pekings Beteiligung entscheidend sein, denn die internationale Gemeinschaft sucht nach Wegen, um Frieden in Regionen zu bringen, in denen der traditionelle westliche Einfluss an seine Grenzen stößt.

Ein weiteres Thema wird die Idee einer neuen Weltordnung mit China und Russland und den Nationen des globalen Südens als Alternative zum US-dominierten westlichen System sein. Auf dem jüngsten BRICS-Gipfel in Kasan stellte der russische Präsident Wladimir Putin, seine zukünftige Rolle des Bündnisses vor, wie Corriere della Sera berichtete.

Neben Sicherheitsfragen werden auch die Handels- und Kulturbeziehungen zwischen Italien und China eine wichtige Rolle in den Gesprächen spielen.

Das Handelsungleichgewicht für Italien ist ein dringendes Anliegen, denn die chinesischen Exporte nach Italien übersteigen bei Weiten die italienischen Exporte nach China – 50 Milliarden Euro gegenüber 19 Milliarden Euro.

Mattarella wird sich auch für eine gerechtere Wirtschaftspartnerschaft einsetzen und das Engagement Italiens für die Förderung des kulturellen Austauschs unterstreichen, wobei er auf die langjährigen historischen Beziehungen zwischen Rom und Peking hinweisen wird.

Weitere wichtige Themen sind der wachsende Einfluss Chinas in Afrika, die anhaltenden Spannungen im indopazifischen Raum und insbesondere die Haltung Italiens zu Taiwan, wo es die Beibehaltung des derzeitigen Status quo unterstützt.

Der Besuch des Präsidenten findet ein Jahr nach dem Rückzug Italiens aus Chinas „Neuen Seidenstraße“ (Belt-and-Road-Initiative) statt. 2019 hatte der ehemalige Ministerpräsident Giuseppe Conte den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet und den Wunsch Italiens signalisiert, seine Beziehungen zu China neu auszurichten.

Nach dem Besuch der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in China im Juli zielt der aktuelle Besuch darauf ab, das gegenseitige politische Vertrauen wiederherzustellen, die Zusammenarbeit zu stärken und die globale Stabilität durch konstruktives Engagement zu fördern.

Vor Mattarellas Ankunft betonte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, die Vorteile engerer Beziehungen zwischen China und Italien. Sie wies darauf hin, dass beide „alte Zivilisationen und bedeutende Volkswirtschaften“ seien, die einen wesentlichen Beitrag zur globalen Stabilität und zum Wohlstand leisten könnten.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]