Italien: Ein Schritt näher an der Wiedereinführung der Atomkraft
Vor mehr als 30 Jahren hat Italien der Kernenergie den Rücken gekehrt. Bis 2030 will die italienische Regierung sie wiedereinführen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten und die Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Am Freitag hat der Ministerrat einem Plan zugestimmt.
Vor mehr als 30 Jahren hat Italien der Kernenergie den Rücken gekehrt. Bis 2030 will die italienische Regierung sie wiedereinführen, um die Energiesicherheit zu gewährleisten und die Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Am Freitag hat der Ministerrat einem Plan zugestimmt.
Rom – Italien ist auf dem besten Weg, die Kernenergie bis 2030 wieder einzuführen, was eine bedeutende Wende in der nationalen Energiepolitik darstellt. Umwelt- und Energiesicherheitsminister Gilberto Pichetto Fratin bekräftigte das Engagement der Regierung und erklärte: „Ich bin überzeugt, dass wir bis 2030 in Italien Atomkraft haben werden.“
Der italienische Ministerrat hat am Freitag einen Plan zur Wiederbelebung der Kernenergie gebilligt und damit die durch Referenden in den Jahren 1987 und 2011 gefestigte Anti-Atomkraft-Haltung aufgegeben.
Pichetto Fratin betonte, dass diese Initiative eine klare Abkehr von früheren Atomprogrammen darstelle. „Wir befassen uns mit Fusion und Kernspaltung der neuen Generation, mit völlig anderen Mitteln als bei den großen Kernkraftwerken der Vergangenheit.“
Die Wiedereinführung ist Teil der umfassenderen Strategie Italiens, die Energiesicherheit zu stärken und die im Nationalen Integrierten Energie- und Klimaplan (Pniec) festgelegten Dekarbonisierungsziele zu erreichen.
Bis 2050 soll die Kernenergie im Rahmen dessen zwischen elf und 22 Prozent zur Stromversorgung des Landes beitragen. Regierungsprognosen zufolge könnten durch diese Umstellung bis Mitte des Jahrhunderts bis zu 17 Milliarden Euro an Dekarbonisierungskosten eingespart werden.
Die Strategie konzentriert sich auf fortschrittliche Technologien, darunter kleine modulare Reaktoren (SMR), Mikroreaktoren und die Spalttechnologie der vierten Generation. Der Plan sieht auch Investitionen in die Kernfusion vor, was ein langfristiges Engagement für die Entwicklung nachhaltiger Energiequellen widerspiegelt.
Endgültige Genehmigung steht noch aus
Für eine beschleunigte Umsetzung hat der Ministerrat ein Ermächtigungsgesetz verabschiedet, das dem Parlament zur endgültigen Genehmigung vorgelegt wird. Der Energiesicherheitsminister erwartet eine große Debatte. Er hofft aber, dass das Gesetz bis zum Herbst oder Jahresende verabschiedet wird.
Im Falle einer Genehmigung muss die Regierung innerhalb von zwölf Monaten Gesetzesdekrete entwerfen oder erlassen, die den gesamten Kernenergiezyklus regeln – angefangen bei der Forschung und Standortauswahl bis hin zum Anlagenbau und der Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen.
Trotz dieses ehrgeizigen Zeitplans stellt die Wiederbelebung der Kernenergie eine große Herausforderung dar, insbesondere in Bezug auf die Sandorte der Anlagen und die Entsorgung radioaktiver Abfälle.
Die Regierung plant die Einrichtung eines zentralen Atommülllagers und die Bewertung der Stilllegung oder möglichen Umnutzung ehemaliger Nuklearstandorte. Außerdem soll eine unabhängige Regulierungsbehörde geschaffen werden, die die Sicherheit und Einhaltung der Vorschriften überwacht.