Juncker will Banken in die Pflicht nehmen

Sollten sich die europäischen Banken nicht ausreichend am Kampf gegen die Schuldenkrise beteiligen, könnten sie dazu verpflichtet werden. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zufolge könnte die EU eine zwangsweise Gläubigerbeteiligung ins Auge fassen.

Der Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker will die Banken bei der Lösung der Schuldenkrise in die Pflicht nehmen. Wer sich nicht freiwillig beteiligen will, soll dazu gezwungen werden. Foto: dpa
Der Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker will die Banken bei der Lösung der Schuldenkrise in die Pflicht nehmen. Wer sich nicht freiwillig beteiligen will, soll dazu gezwungen werden. Foto: dpa

Sollten sich die europäischen Banken nicht ausreichend am Kampf gegen die Schuldenkrise beteiligen, könnten sie dazu verpflichtet werden. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zufolge könnte die EU eine zwangsweise Gläubigerbeteiligung ins Auge fassen.

Private Banken müssten wissen, dass es zu einer "nicht freiwilligen Gläubigerbeteiligung" kommen könne, wenn die Akzeptanz der Institute der freiwilligen Beteiligung aus Sicht der Euro-Länder nicht ausreichend sei, sagte Jean-Claude Juncker am Freitag im Deutschlandfunk. Darüber werde er in der kommenden Woche mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und den Vertretern der Privatbanken sprechen.

Juncker erklärte zudem: "Europäische Banken, nicht alle, aber einige, müssen rekapitalisiert werden und wir werden uns im Laufe der kommenden Woche intensiv sowohl mit dem Bankensektor als auch unter Regierungen über die anzupeilenden Größenmengen verständigen müssen."

Es müsse sichergestellt werden, dass es keine Infizierungsgefahr für das gesamte Bankensystem durch eine "zu enge Vermengung zwischen Schuldenkrise und Bankenproblematik" gebe. "Man muss die Lage der verschiedenen Bankhäuser in Europa getrennt beachten und beobachten und man braucht hier wahrscheinlich maßgeschneiderte Lösungen", so Juncker.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte am Mittwoch eine umfassende, europäisch koordinierte Kapitalstärkung für die Geldhäuser gefordert (EURACTIV.de vom 13. Oktober 2011). Die Bankenaufseher sollten wegen der Schuldenkrise vorübergehend deutlich höhere Kapitalanforderungen an die Finanzinstitute stellen.

Der Kapitalbedarf für die einzelnen Häuser soll in einem Blitz-Stresstest ermittelt werden. Darin unterstellt die Europäische Bankenaufsicht EU-Kreisen zufolge, dass alle Staatsanleihen der Euro-Krisenländer zu aktuellen Marktpreisen bewertet werden. Alle Institute, die unter diesen Bedingungen nicht mindestens eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen, müssen sich den Plänen zufolge frisches Kapital besorgen, wie mehrere Insider bestätigten.

dto

Links

Presse

Deutschlandfunk: Juncker bringt Zwangsbeteiligung an Schuldenschnitt ins Spiel (14. Oktober 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Kritik an EU-Bankenrettungsplan wächst (13. Oktober 2011)