Junge Landwirte fordern unabhängige Beratung zu Pestiziden
Europaabgeordnete und junge Landwirte fordern mehr unabhängige Beratung und Schulungen, um den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren und um den Einfluss der "Großindustrie", die Produkte an Landwirte verkaufen, zu brechen.
Europaabgeordnete und junge Landwirte fordern mehr unabhängige Beratung und Schulungen, um den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren und um den Einfluss der „Großindustrie“, die Produkte an Landwirte verkaufen, zu brechen.
Die umstrittene Verordnung über den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden (Sustainable Use of Pesticieds Regulation, SUR), die von der Europäischen Kommission im Juni 2022 vorgelegt wurde, zielt darauf ab, sowohl den Einsatz als auch die Risiken von Pestiziden bis 2030 EU-weit auf die Hälfte zu reduzieren.
Für die grüne Europaabgeordnete Michele Rivasi ist ein entscheidendes fehlendes Teil des Puzzles die Notwendigkeit einer unabhängigen Beratung für Landwirte. Sie weisen darauf hin, dass beim derzeitigen Stand der Dinge ein Großteil der verfügbaren Inforationen direkt von den Pestizidherstellern stammen.
„Wir müssen diese Verbindung kappen, wenn wir die Zahl der Pestizide reduzieren und den Landwirten mit Ratschlägen zur Seite stehen wollen“, sagte Rivasi kürzlich auf einer von EURACTIV organisierten Veranstaltung.
Nach Ansicht der grünen Europaabgeordneten bietet das derzeitige Beratungssystem den Erzeugern nicht genügend Möglichkeiten.
„Auf Französisch sagen wir Kooperative, und in einer Kooperative verkaufen sie Saatgut, Pestizide und so weiter, und der Landwirt kann keinen anderen Weg einschlagen, als den, den die Kooperative ihm vorgibt.“
Diana Lenzi, Präsidentin des Europäischen Rates der Junglandwirte (CEJA), betonte ebenfalls die Notwendigkeit einer unabhängigen Beratung und stellte fest, dass diejenigen, die die Landwirte schulen und ihnen sagen, welche Produkte sie verwenden sollen, dieselben sind, die ihnen die Produkte verkaufen.
„Das schafft einen Interessenkonflikt, bei dem wir uns einig sind, dass es wahrscheinlich nicht die Methode sein wird, die uns die beste optimale Lösung bietet“, sagte sie.
Die Schulung unabhängiger Stellen und die Vermittlung von Kenntnissen darüber, ‚was‘ sie verwenden und ‚wie‘ sie es verwenden, ist für Lenzi ein wichtiger Aspekt.
Martin Dermine, Exekutivdirektor der Kampagnengruppe Pesticide Action Network Europe (PAN), betonte ebenfalls die Notwendigkeit einer „ehrgeizigeren und verpflichtenderen Vorgehensweise der Mitgliedsstaaten, um wirklich hochrangige landwirtschaftliche Beratungsdienste“ auf nationaler und regionaler Ebene einzurichten.
Dies könne helfen, die Beratung auf die regionalen klimatischen Bedingungen zuzuschneiden, fügte er hinzu.
Die Geschäftsführerin der International Biocontrol Manufacturers Association, Jennifer Lewis, betonte hingegen, dass die Hersteller oft diejenigen sind, die ihr Produkt am besten kennen.
„Das ist ein zweischneidiges Schwert“, sagte sie zum Thema unabhängige Beratung und fügte hinzu: „Wenn man Beratung und Lieferung ‚entkoppelt‘, kann es sein, dass dem Landwirt das wirkliche Produktwissen nicht zugänglich gemacht wird.“
Lewis betonte auch, wie wichtig es ist, sich in „Farmer to Farmer“-Netzwerken zu engagieren. Dabei können sich Landwirte neues Wissen aneignen, indem sie „über ihre Hecke schauen.“
Wer soll das bezahlen?
Dermine von PAN wies jedoch darauf hin, dass die Ausweitung des Beratungsangebots für Landwirte ihren Preis haben wird.
„Es ist klar, dass wir viel Geld in die Bereitstellung von unabhängiger, qualitativ hochwertiger Beratung investieren müssen, um die Landwirte bei der Umstellung zu unterstützen und zu beruhigen“, sagte er und bezeichnete dies als einen der „schwierigsten Teile“ des SUR-Vorschlags.
Die EU-Kommission hat vorgesehen, dass Landwirte bei der Reduzierung des Pestizideinsatzes aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unterstützt werden sollen.
Die Interessenvertreter warnten jedoch, dass die im Rahmen der GAP verfügbaren Mittel nicht ausreichen würden, um diesen Übergang zu finanzieren.
„Die Verwendung von Mitteln aus der GAP bedeutet eine Belastung des Budgets, mit dem die Landwirte ohnehin schon zu kämpfen haben. Und in dem bereits einiges umgestaltet wurde, um die Nachhaltigkeit der Landwirte zu verbessern“, so Lenzi von CEJA.
Für Rivasi von den Grünen ist eine der Lösungen die sogenannte Pestizidsteuer, die im Februar von ihrer Kollegin, der österreichischen Grünen-Abgeordneten Sarah Wiener, vorgeschlagen wurde.
„Ich denke, dass es gut ist, eine Steuer vorzuschlagen und auch jeden Mitgliedsstaat zu drängen, die Mittel der GAP zu verwenden“, sagte sie.
Der Steuervorschlag sieht vor, dass die Mitgliedstaaten der EU eine risikobasierte Besteuerung von Pflanzenschutzmitteln durch Beiträge der Einzelhändler oder Strafzahlungen einführen, die dann in einen staatlichen Fonds fließen würden, um Landwirten zu helfen, die Verluste erlitten haben.
Da Steuern jedoch in die nationale Zuständigkeit fallen, wurde die Durchführbarkeit eines solchen Vorschlags vom rechten Flügel des Parlaments wiederholt in Frage gestellt.
„Dies ist ein nationales Thema und die SUR ist nicht der richtige Ort für so etwas“, sagte der österreichische EVP-Europaabgeordneter Alexander Bernhuber bei einem Pressegespräch im März und fügte hinzu, dass er „keine positiven Kommentare aus den Mitgliedsstaaten“ zu dieser Idee gehört habe.
Dieser Artikel folgt auf die von EURACTIV organisierte politische Debatte „The ‘Sustainable Use of Pesticide Regulation’ – Navigating the path to a greener EU“, die von der GD AGRI unterstützt wurde.
[Bearbeitet von Natasha Foote/Alice Taylor]