Katainen: "Privatsektor wird entscheiden, ob EU-Gelder in Energieeffizienz gesteckt werden"
Die Mittel des Juncker-Investitionsplans werden nicht durch die EU zweckgebunden, um sie in Sanierungsprojekte zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden zu stecken. Vielmehr entscheidet der Privatsektor über die Finanzierung von Projekten, sagt der in der Kommission für den Investitionsplan zuständige Vizepräsident Jyrki Katainen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Die Mittel des Juncker-Investitionsplans werden nicht durch die EU zweckgebunden, um sie in Sanierungsprojekte zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden zu stecken. Vielmehr entscheidet der Privatsektor über die Finanzierung von Projekten, sagt der in der Kommission für den Investitionsplan zuständige Vizepräsident Jyrki Katainen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Jyrki Katainen ist als Vizepräsident der Kommission für den Bereich Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit zuständig – und damit auch für den 315-Milliarden-Euro-Investitionsplan. Ihm zufolge wird der private Sektor entscheiden, welche Projekte finanziert werden.
Die öffentlichen Gelder aus dem Investitionsplan, den Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorschlug, sind Risikogarantien für die Projekte. Sie sollen private Investoren anlocken.
Der Bausektor hatte nach der Veröffentlichung eines Berichts der Beratungsagentur Copenhagen Economics gefordert, Gelder des Investitionsplans für die Sanierung von Gebäuden vorzumerken.
Dem Bericht zufolge liefern Sanierungsprojekte den Investoren Erträge, die der EU bei der Erreichung der Effizienzziele helfen und Arbeitsplätze sowie Wirtschaftswachstum schaffen.
„Energieeffizienz ist eine der wichtigsten Prioritäten der Kommission. Und deshalb erwarte ich, dass es Energieeffizienz-Projekte geben wird. Aber es liegt am Privatsektor, diese Projekte zu beantragen und zu schaffen“, so Katainen.
Doch auch nationale und regionale Plattformen für Energieinvestitionen können Mittel beantragen. Dies gehe über den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen (EFSI), sagte Katainen bei einer Pressekonferenz in Brüssel.
Diese könnten dann in Effizienzprojekte wie intelligente Stromnetze gelenkt werden, so Katainen. Intelligente Stromnetze nutzen digitale Technologien, um die Effizienz und die Verlässlichkeit der Stromversorgung zu verbessern.
Zuvor hatte Katainen die EU-Finanzminister getroffen. Sie vereinbarten die Verordnung zum Aufbau des EFSI. Über den EFSI werden 21 Milliarden Euro öffentliche Gelder verteilt. Von deren Einsatz verspricht sich die Kommission in den nächsten drei Jahren die Loslösung von 315 Milliarden Euro privater Investitionen.
Wirtschaftlichkeit
Projekte zur Tiefensanierung von Projekten sind dem Copenhagen Economics Bericht zufolge wirksamer und kosteneffizienter für die wichtigsten operationellen Ziele des EFSI.
„Der EFSI zielt darauf ab, Projekten Priorität einzuräumen, die kurz-und mittelfristige Aktivität fördern und gleichzeitig hohe Renditen für die Gesellschaft bieten“, sagt Adrian Joyce, Generalsekretär von EuroAce und der Kampagnenleiter von Renovate Europe. „Dieser Bericht zeigt, dass die Gebäudesanierung sehr wirksam auf all diese Anforderungen reagieren kann.“
Die Untersuchung und die Erfahrung würden zeigen, dass die Tiefensanierung von Gebäuden den wichtigsten EU-Prioritäten voll angepasst sind, sagt Jan te Bos, Generaldirektor des Verbandes Europäischer Dämmstoffhersteller (EURIMA).
„Sie verringern die Treibhausgas-Emissionen und die Abhängigkeit von Importen, und bieten eine große Rendite in Bezug auf Wachstum und Arbeitsplätzen, wie in der kürzlich verabschiedeten Strategie zur Energieunion erkannt wurde“, sagt er.
Die EU-Institutionen müssten nachziehen, indem sie einen Fonds innerhalb des EFSI aufbauen. Dieser müsse zweckgebunden sein und Investitionen in große Programme zur Tiefensanierung finanzieren, so te Bos.
Šef?ovi?: „Große Chance“ für Gebäudeeffizienz
Ein Teil des Juncker-Investitionsplans sollte in die Energieeffizienz von Gebäuden gesteckt werden, sagte Kommissionsvizepräsident Maroš Šef?ovi? in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung des European Policy Centre.
Rund 29 Prozent der von den Mitgliedsstaaten vorgeschlagenen Projekte für die Paketfinanzierung seien für die Energieinfrastruktur, sagte er. Aufgrund der Krise sei sie unterfinanziert.
„Nur zehn Prozent unserer Gebäude sind energieeffizient, also besteht eine große Chance für uns einzusparen, für die Investoren zu investieren und für unsere Wohnungsbesitzer, Haushalte und Verwaltungsgremien jede Menge Energie zu sparen, wenn wir in die Technologie, die auf dem Markt verfügbar ist, investieren“, sagte Šef?ovi?.
Die Energieunion würde ebenfalls eine Rolle dabei spielen, Anreize für Investitionen zu schaffen.
„Ich hatte ein Treffen mit Vertretern der Pensionsfonds, die bereit, willens und interessiert daran sind, in Projekte zur Energieeffizienz zu investieren. Sie erklärten mir stolz, dass sie Vermögenswerte in Höhe von neun Billionen Euro repräsentieren“, erklärte er. “Was sie brauchen, ist Hilfe bei der Vorbereitung dieser Art von Projekte, wie sie für institutionelle, langfristige Anleger zu verpacken sind und wie die behördliche Stabilität, die bei dieser Art von Projekten immer wichtig ist, garantiert werden kann.“
Die Überprüfung der EU-Energieeffizienzverordnung – Teil des Projekt-Fahrplans – würde Investoren die Gewissheit geben, die sie bräuchten, so Šef?ovi?.
Die Initiative „Intelligente Finanzierung für intelligente Gebäude“ der Energieunion würde es Akteuren erleichtern, auf bestehende EU-Finanzierungsinstrumente zuzugreifen.
Die Schaffung einer zentralen Stelle für Investitionsberatungen unter dem Juncker-Investitionsplan würde Sanierungsprojekten ebenfalls helfen, EU-Gelder zu bekommen. Diese Zentralstelle wird ein Portal für Investoren, Behörden und Projektförderer sein. Dort erhalten sie Beratung und technische Unterstützung.