Klaus Töpfer: Energiewende ist mehr als AKWs abschalten
Ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Fukushima ist die Energiewende in Deutschland ins Stottern geraten, konstatiert Klaus Töpfer, Co-Vorsitzender der Ethikkommission zur sicheren Energieversorgung. Die IASS-Plattform "Energiewende" will daher Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammenführen und neue Impulse geben.
Ein Jahr nach der Atomkatastrophe in Fukushima ist die Energiewende in Deutschland ins Stottern geraten, konstatiert Klaus Töpfer, Co-Vorsitzender der Ethikkommission zur sicheren Energieversorgung. Die IASS-Plattform „Energiewende“ will daher Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammenführen und neue Impulse geben.
Das Potsdamer Forschungsinstitut IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) hat die "Plattform Energiewende" gestartet. Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollen eingebunden werden, um mit neuen Visionen zur Energiewende beizutragen, sagte Klaus Töpfer, Exekutivdirektor der IASS und Co-Vorsitzender der Ethikkommission zur sicheren Energieversorgung bei der Auftaktveranstaltung zur IASS-Plattform am Mittwoch (7. März) in Berlin.
"Die Energiewende ist ein Auto mit stotterndem Motor", sagte Töpfer. Die Plattform Energiewende solle dazu beitragen, dass Auto auf die Straße zu bringen, ergänzte die Projektleiterin Kathrin Goldammer.
"Die Energiewende ist gesichtslos und geprägt von alten Diskursen und Verfahrensmustern. Wir brauchen neue, positive Visionen. Vor einem Jahr habe ich zum Beispiel nicht gedacht, dass es von den kommunalen Stadtwerken Bestrebungen zu physisch autarken Versorgungsstrukturen geben wird. Dies wirft völlig neue Fragen auf und zeigt, dass die Energiewende mehr ist als das Abschalten der Atomkraftwerke bis 2022. Sie ist ein Gemeinschaftswerk für die Zukunft", sagte Töpfer.
Neutrale und unabhängige Forschung
Fehlende Transparenz und politische Fehlentscheidungen, wie die Kürzung der Solarzuschläge oder die Debatte über die Energieeffizienzrichtlinie, stünden einer effizienten Umsetzung der Energiewende entgegen. Die Plattform solle die Energiewende durch eine neutrale und unabhängige Forschung sichtbarer und greifbarer machen, sowie zu neuen Visionen beitragen, so der IASS-Direktor.
"Alle Akteure müssen an dem Gemeinschaftswerk Energiewende teilnehmen. Es ist die Aufgabe der Plattform, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Wirtschaft und Politik in einen transdisziplinären Forschungsprozess einzubinden und so zur Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit der Energiewende beizutragen", so Töpfer.
Gesellschaftlicher Konsens notwendig
Eine umfassende und rasche Umgestaltung des Energiesystems könne nur gelingen, wenn sie von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werde, heißt es in dem Konzept zur Plattform. Darum sei vor allem das Einbeziehen der Bürger wichtig für die Energiewende, um die Akzeptanz in der Gesellschaft garantieren zu können, erklärte Alois Glück (CSU), Mitglied der Ethikkommission. "Die Bürger wissen, dass der Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, jedoch halten einige Politiker konkrete Informationen zur Energiewende zurück." Die Wirtschaftlichkeit und Kosten müssten vor allem für die Verbraucher sichtbarer werden, erklärte IASS-Projektleiterin Goldammer.
Die Plattform Energiewende plant nun, zu speziellen Themen der Energiewende, wie zur Strompreisentwicklung oder zu neuen Energiequellen, Vertreter der verschiedenen Bereiche zu regelmäßigen Foren und Workshops einzuladen. Die Ergebnisse sowie ein Monitoring zur Umsetzung der Energiewende will die Plattform dann jährlich in einem unabhängigen Gutachten der IASS veröffentlichen.
Julia Backes, Michael Kaczmarek
Links
Dokumente
IASS: IASS startet "Plattform Energiewende" (TPEC) (7. März 2012)
IASS: Website zur "Plattform Energiewende" (TPEC)
Bundesregierung: Kommissionsbericht zur Energiewende (30. Mai 2011)
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