Klimawandel: Arme Länder brauchen laut UN bis zu 18-mal mehr Mittel
Die reichen Länder sollten ihre Finanzmittel um das Zehn- bis Achtzehnfache aufstocken, um den Anpassungserfordernissen der armen Länder angesichts der verheerenden Auswirkungen der Klimakrise gerecht zu werden, warnte heute (2. November) das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi.
Die reichen Länder sollten ihre Finanzmittel um das Zehn- bis Achtzehnfache aufstocken, um den Anpassungserfordernissen der armen Länder angesichts der verheerenden Auswirkungen der Klimakrise gerecht zu werden, warnte heute (2. November) das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi.
Die am stärksten gefährdeten Staaten benötigen zwischen 194 und 366 Milliarden Dollar mehr an Finanzmitteln pro Jahr, heißt es in der achten Ausgabe des „Adaption Gap Report“ (Bericht über die Anpassungslücke) des UNEP. Dieser erschien am Donnerstag unter dem Titel „Unterfinanziert. Schlecht vorbereitet – Unzureichende Investitionen und Planungen zur Klimaanpassung machen die Welt verwundbar.“
Diese Zahlen sind im letzten Jahr um mehr als 50 Prozent gestiegen, nachdem die bilateralen und multilateralen Finanzmittel für Entwicklungsländer im Jahr 2021 um 15 Prozent (auf 21 Milliarden Euro) gekürzt wurden, während die Auswirkungen der Klimakrise weiter zunehmen.
Der Bericht wurde im Vorfeld des UN-Klimagipfels (COP28) veröffentlicht, dem weltweit wichtigsten klimapolitischen Forum, das vom 30. November bis 12. Dezember in Dubai stattfindet.
„Im Jahr 2023 wurde der Klimawandel erneut zerstörerischer und tödlicher: Temperaturrekorde wurden gebrochen, während Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände Verwüstungen anrichteten“, sagte UNEP-Direktorin Inger Andersen in einer Erklärung.
Allerdings „verlangsamen sich die Fortschritte bei der Anpassung in allen drei jährlich überprüften Bereichen – Finanzierung, Planung und Umsetzung – obwohl sie schnell beschleunigt werden sollten“, fügte Andersen hinzu.
Unzureichende Finanzmittel und Klimaschutzmaßnahmen – also Maßnahmen zur Verringerung oder Vermeidung von Treibhausgasemissionen – und der Anpassung – also Gegenmaßnahmen, mit denen auf die Auswirkungen des Klimawandels reagiert wird – haben schwerwiegende Folgen für ärmere Länder. Einige von ihnen befinden sich in den Regionen, die am stärksten von dieser Krise betroffen sind.
Tatsächlich haben die 55 am stärksten von der Klimakrise betroffenen Volkswirtschaften in den letzten zwei Jahrzehnten durch Phänomene wie Wüstenbildung oder den Anstieg des Meeresspiegels bis zu 500 Milliarden Dollar verloren. Hinzu kommt, dass dieser Betrag „in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen wird“, so das UNEP.
Dem Bericht zufolge werden die Anpassungskosten in armen Ländern auf 215 bis 387 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.
Doch während mehr als die Hälfte der 197 Unterzeichnerstaaten des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen (UNFCCC) mindestens ein oder zwei Instrumente entwickelt haben, um die Anpassung an den Klimawandel zu fördern, stagniert die Zahl der aus internationalen Mitteln finanzierten Maßnahmen, warnte die Organisation.
Angesichts der Lücke zwischen der derzeitigen Finanzierung und dem Betrag der notwendig wäre, um den Bedarf zu decken, betonte das UNEP, dass die Finanzmittel nicht ausreichen, um das auf der COP26 in Glasgow (Großbritannien) festgelegte Ziel zu erreichen. Dort hatte man sich darauf geeinigt, bis zum Jahr 2025 jährlich 40 Milliarden Dollar für die Anpassung an den Klimawandel bereitzustellen.
Der Bericht empfiehlt verschiedene Wege zur Aufstockung der Finanzmittel, sei es durch nationale Haushalte, internationale Fonds und den Privatsektor, Überweisungen oder eine Reform der internationalen Finanzarchitektur.
„Selbst wenn die internationale Gemeinschaft die Emission von Treibhausgasen heute vollständig einstellen würde, würde es Jahrzehnte dauern, bis sich das Klima stabilisiert“, beklagte Andersen. Sie forderte die Staats- und Regierungschefs, die auf der COP28 zusammenkommen werden, auf, „einkommensschwache Länder und benachteiligte Gruppen“ vor der Klimakrise zu schützen.