Klimawandel: Kommunen zwischen Dürre und Flut
Der Klimawandel fordert die Wasserwirtschaft in allen Regionen Europas heraus. Mehr Trockenheit, aber auch mehr Unwetter zwingen die Kommunen zur Anpassung. Was das für größere Städte bedeutet, ist weitgehend erforscht. Doch die Folgen für kleinere Städte wurden erst jetzt in einer Studie erfasst.
Der Klimawandel fordert die Wasserwirtschaft in allen Regionen Europas heraus. Mehr Trockenheit, aber auch mehr Unwetter zwingen die Kommunen zur Anpassung. Was das für größere Städte bedeutet, ist weitgehend erforscht. Doch die Folgen für kleinere Städte wurden erst jetzt in einer Studie erfasst.
Langfristige klimatische Veränderungen führen dazu, dass in regional unterschiedlichem Ausmaß einerseits mit mehr Trockenheit, andererseits mit häufigeren Unwettern zu rechnen ist, bei denen sehr viel Niederschlag auf einmal bewältigt werden muss. Wie können sich Kommunen, die für die Entwässerung und den Hochwasserschutz Verantwortung tragen, auf diese Herausforderungen einstellen?
Für größere Städte sind solche Fragen bereits recht gut untersucht. Doch der konkrete Anpassungsbedarf kleiner Städte im ländlichen Raum war bisher noch wenig erforscht. Deshalb fand die erste Studie zu diesem Thema viel Beachtung: Am konkreten Beispiel der sächsischen Kleinstadt Grimma wird die Problematik heruntergebrochen. Grimma liegt 25 Kilometer südöstlich von Leipzig und hat nach zahlreichen Eingemeindungen 28.000 Einwohner.
Das Projekt „Anpassung an den Klimawandel in der Region Grimma – Siedlungswasserwirtschaft zukunftsweisend ausrichten!“ hat demnach Modellcharakter für viele anderen Kommunen. Hinter dem Projekt stehen Veolia Wasser und die OEWA Wasser und Abwasser GmbH.
Die vom IFOK-Institut erarbeitete Studie gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Wasserunternehmen, Landesverwaltung, Regionalplanung, Kommunen, Grundstückseigentümer, Unternehmen und Landwirte: Was tun nach Starkregenereignissen, bei Überläufen aus der Mischwasserkanalisation, bei Überflutungen und Bodenerosion, aber ebenso bei langen Trockenperioden mit Schwierigkeiten im Kanalsystem und bei der Abwasserreinigung?
Wenn Wassermengen die Kläranlagen überfordern
Ein klares Ergebnis der Untersuchung: Es besteht noch erheblicher weiterer Forschungsbedarf. Die regionalen Vorhersagemodelle zur Klimaentwicklung und die Möglichkeiten zur Simulation der Auswirkungen auf örtliche Gewässer werden zwar immer präziser, sind aber noch immer mit großen Unsicherheiten behaftet. Um lokal eine ausreichende Datenbasis für die richtigen Maßnahmen zu erhalten, wäre es sinnvoll, die Häufigkeit und Stärke von Unwettern lokal ebenso regelmäßig und systematisch zu messen wie ihre Auswirkungen zum Beispiel auf die in Kläranlagen anfallenden Wassermengen.
Die Studie ist hier und unter anderem auf der Website des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft abrufbar.
Zusammenfassend heißt es in der Studie, nachdem der Bund (Deutsche Anpassungsstrategie) und auch viele Länder (etwa der Aktionsplan Klima und Energie des Landes Sachsen) Anpassungsstrategien vorgelegt hätten, sei es wichtig, die regionalen Auswirkungen des Klimawandels und die konkreten Handlungsmöglichkeiten der Akteure vor Ort anzugehen. Das vorliegende Projekt stelle dabei ein Vorreiterprojekt dar.
Folgenden Punkten kam eine zentrale Rolle zu:
>> Entwässerung (gezielte und regulierte Ableitung des Niederschlagswassers) im ländlichen Raum bei Starkregengüssen, z.B. durch Unterhaltung der Vorfluter und Überprüfung der Beziehung zwischen Niederschlag und Abfluss von Dränagesystemen
>> Hochwasserschutz im ländlichen Raum durch dezentrale Maßnahmen des Wasserrückhalts an Gewässern zweiter Ordnung; Abstimmung mit den Bedürfnissen beispielsweise der Landwirtschaft
>> Vermeidung von Beeinträchtigungen der Gewässerqualität und Biozönosen während Trockenperioden sowie bei Einsetzen von Niederschlägen nach Trockenperioden, die häufig mit einem Schmutzstoß einher gehen, z.B. durch technische Maßnahmen an Anlagen und im Kanalnetz.
Die Studie macht deutlich, dass alle Akteursgruppen, Siedlungswasserwirtschaft, Landesverwaltung und Umweltamt, Regionalplanung und Kommunen sowie Grundstückseigentümer und einleitende Unternehmen spezifisch innerhalb ihrer Tätigkeitsfelder eine Anpassung an den Klimawandel vornehmen können, um langfristig planen und wirtschaften zu können und damit ihren Beitrag zur regionalen Klimaanpassung zu leisten.
ekö
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