Klöckner: "Unsere Wälder sind krank"

Am Mittwoch stellte die Bundeslandwirtschaftsministerin den Waldzustandsbericht vor. Die Ergebnisse der Erhebung sind alarmierend und zeigen einmal mehr, wie dramatisch die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem sind. Gleichzeitig ist der Wald aber auch Lösung des Problems.

Euractiv.de
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Der Klimawandel setzt dem Wald zu: Dürre, Schädlingsbefall und der Klimawandel sorgen landesweit für sterbende Bäume. [K I Photography / shutterstock.com]

Am Mittwoch stellte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den jährlichen Bericht zum Zustand der deutschen Wälder vor. Die Ergebnisse der Erhebung sind alarmierend und zeigen einmal mehr, wie dramatisch die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem sind. Gleichzeitig ist der Wald aber auch die Lösung des Problems.

„Wer im Wald unterwegs ist, sieht massive Schäden“, begann Klöckner die Präsentation des Waldzustandsberichts 2020. Noch nie seien so viele untersuchte Bäume abgestorben wie 2020 heißt es in dem Bericht. Vier von fünf Bäumen weisen lichte Baumkronen auf. 79 Prozent der Fichten, 80 Prozent der Kiefern, 80 Prozent der Eichen und sogar 89 Prozent der Buchen gelten somit als geschädigt.

Forstwissenschaftlerin Dr. Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut, welches an der Erstellung des Berichts beteiligt war, bestätigte den Eindruck, dass es allen Baumarten schlecht geht, auch wenn sie unterschiedlich auf die klimatischen Veränderungen reagieren. Zudem erläuterte sie, dass 2020 kein Ausreißerjahr sei, sondern dass die entstandenen Schadflächen sowie der Humus- und Nährstoffabbau in den Wäldern langfristige Trends aufgrund des Klimawandels seien.

Dürre, Sturm und Schädlingsbefall

„Wir sehen die Folgen der vergangenen drei Dürrejahre, der Sturmschäden und des Schädlingsbefalls durch den Borkenkäfer“, bilanzierte Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner die Ursachen dieses Zustands und stellte fest: „Unsere Wälder sind krank.“ 2020 habe diesen Eindruck bestätigt, fuhr Klöckner fort. Der diesjährige Bericht sei die schlechteste Erhebung seit 1984 gewesen.

277.000 Hektar beträgt die wieder zu bewaldende Fläche aufgrund der Schäden allein aus den vergangenen drei Jahren. Das ist mehr als die Fläche des Saarlandes. Vom Waldsterben wollte die Ministerin dennoch nicht sprechen, da es nur Teile des Waldes seien und man dagegen etwas unternehme.

Mit insgesamt 1.5 Milliarden Euro wollen Bund und Länder die Waldbesitzer und Forstwirte unterstützen, „effektiv, unkompliziert und schnell, Schäden zu räumen, neue resiliente und standortangepasste Bäume zu pflanzen, die Wälder weiter umzubauen und damit besser an den Klimawandel anzupassen“, erklärte Klöckner. Dieses Geld kommt mit 800 Millionen Euro aus dem Budget für Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) und soll an private und kommunale Waldeigentümer für die Wiederaufforstungen sowie die Anpassung der Wälder an den Klimawandel gehen.

Nachhaltige Wiederbewaldung als Chance gegen den Klimawandel

Weitere 700 Millionen Euro kommen aus einem Konjunkturpaket des Bundes, wodurch in ihrer Existenz gefährdete Waldbauern und Forstbetriebe die sogenannte Bundeswaldprämie beantragen können. Diese Waldflächen müssen jedoch eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung nach den Programmen PEFC oder FSC haben, erklärte die Ministerin. Die Investitionen seien am Klimaschutz ausgerichtet und sollen bei der Stabilisierung der Wälder helfen, heißt es zur zur Waldprämie.

Die Forscherin vom Thünen-Insitut, Dr. Wellbrock, begrüßte die Schritte zur Wiederbewaldung der Schadflächen. Allerdings betonte sie, dass es wichtig sei klimastabile Wälder zu fördern. So könne man die Wiederbewaldung als Chance nutzen, um die Wälder künftig klimaresilienter und nachhaltiger zu gestalten.

Julia Klöckner nannte zum Abschluss auch noch die Möglichkeit von Agroforstsystemen als Mittel gegen den Klimawandel. Darum solle die Förderung für diese Mischform aus Agrar- und Forstwirtschaft ihrer Meinung nach auch in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU fließen. Erst kürzlich hat sich der Bundestag dazu entschlossen, Agroforstsysteme in Deutschland zu ermöglichen. Zuvor hatten das BMEL und Julia Klöckner sich jahrelang gegen eine Zulassung von Agroforstsystemen gesträubt.