Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst

Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland geht der OECD zufolge immer weiter auseinander. Laut einem Arbeitspapier ist die Kluft heute weitaus größer als vor 30 Jahren.

Euractiv.de
Die OECD warnt vor wachsenden Einkommensungleichheiten in Deutschland.
Die OECD warnt vor wachsenden Einkommensungleichheiten in Deutschland. [<a href="https://www.flickr.com/photos/sundve/3744159600/in/photolist-6GRNcS-pE839t-pum5co-oiQGPc-opnViZ-ot15eC-oGwSRS-oYKuAa-ehoDS8-nfYgPD-fiyaUC-6GMM86-o44e54-oaKdLW-9gwcbN-hLfFcR-kDyj5d-mmeD8B-bUNLBu-oth8YY-8U5Gp7-fiiWiF-oQcpHj-oGwhAQ-mmfvoe-nnsrYM-a6xZs4-9nYPdQ-hBw5h-85dRUP-4ZuUZt-9gt5jF-aFmM8g-aqfYFn-cc1izq-5ZHFaP-o6usaB-oiv36J-o43enT-p3HcDc-cc1jhy-cc17dW-bUCSek-bUCQug-bUCRBt-dN3oo7-oQfyYM-p3HWq3-pkbtpy-9trqU6" target="_blank" rel="noopener">© Espen Sundve (CC BY-SA 2.0) </a>]

Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland geht der OECD zufolge immer weiter auseinander. Laut einem Arbeitspapier ist die Kluft heute weitaus größer als vor 30 Jahren.

Verdienten die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung Mitte der 1980er-Jahre fünf Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent, liege das Verhältnis heute bei 7:1, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Arbeitspapier der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Die Industriestaaten-Organisation fordert die Politik in ihrem Papier zum Gegensteuern auf. „Unsere Analyse zeigt, dass wir nur auf starkes und dauerhaftes Wachstum zählen können, wenn wir der hohen und weiter wachsenden Ungleichheit etwas entgegensetzen“, sagte Generalsekretär Angel Gurria. „Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken.“

Denn die gestiegene Einkommensungleichheit hemme die wirtschaftliche Entwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland sei zwischen 1990 und 2010 inflationsbereinigt um etwa 26 Prozent gewachsen, so die OECD. Wäre die Ungleichheit auf dem Niveau von Mitte der achtziger Jahre verharrt, hätte das Plus um fast sechs Prozentpunkte höher ausfallen können.

Dafür sieht die OECD vor allem einen Grund: Ärmere investieren in der Regel weniger in Bildung. Kinder aus sozial schwächeren Familien haben daher weniger Bildungschancen. „Wachsen und gedeihen werden vor allem jene Länder, die alles daran setzen, dass ihre Bürger von klein auf gleiche Chancen haben.“

Eine Umverteilung von oben nach unten mittels Steuern und Transfers sei nicht zwangsläufig wachstumsschädlich, solange entsprechende Maßnahmen zielgenau angewandt werden. Eine solche Verteilungspolitik müsse sich vor allem auf Familien mit Kindern sowie auf junge Menschen konzentrieren und deren Lernchancen verbessern.