KMUs vor Informationshürden bei EU-Verteidigungsmarkt [DE]

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) haben angesichts eines gähnenden Informationsdefizits Schwierigkeiten damit, im Verteidigungssektor der EU Aufträge zu gewinnen, so ein neuer Bericht, der von der EU-Exekutive in Auftrag gegeben wurde.

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Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) haben angesichts eines gähnenden Informationsdefizits Schwierigkeiten damit, im Verteidigungssektor der EU Aufträge zu gewinnen, so ein neuer Bericht, der von der EU-Exekutive in Auftrag gegeben wurde.

Die Studie von Europe Economics, einem in Großbritannien ansässigen Beratungsunternehmen, untersucht die Hindernisse für im Bereich Verteidigung tätige KMUs im fragmentierten europäischen Verteidigungsmarkt. Sie kommt zu dem Schluss, dass für kleine Unternehmen ein Mangel an Informationszugang existiert.

Abgesehen von einer ausgewählten Gruppe größerer Vertragspartner im Verteidigungsbereich haben Unternehmen keine Kenntnis von anstehenden Geschäftsmöglichkeiten. Obwohl einige Subunternehmer enge Verbindungen mit größeren Akteuren aufrechterhalten, sind KMUs nur selten in der Lage, zukünftige Entwicklungen an den Märkten außerhalb ihres eigenen Landes zu verfolgen.

EU-Regierungen müssen den Informationsfluss an kleinere Unternehmen über zukünftige Anforderungen verbessern, so der Bericht, der Frankreich und Großbritannien als Beispiele für gutes Vorgehen in diesem Bereich lobt.

„Das Problem ist nicht, dass KMUs nicht gewillt wären auf die Forderungen zu reagieren, sondern, dass sie Schwierigkeiten haben, Informationen über die gewinnträchtigen Geschäfte zu erhalten“, nimmt die Studie an.

Brüssel sollte den Informationsaustausch koordinieren

Unterstützt von der Europäischen Kommission sollte die Europäische Verteidigungsagentur (EVA) und die Aerospace and Defence Industries Association of Europe (ASD) bei den Tätigkeiten der nationalen Verbände und der Industrie eine größere Rolle spielen. Diese, so der Bericht, würden die Informationsverteilung in der EU unterstützen.

Das Verteidigungspaket und der Verhaltenskodex der Verteidigungsagentur sollten die Wettbewerbsfähigkeit der verteidigungsrelevanten KMUs verbessern. „Die Richtlinie für die Auftragsvergabe im Verteidigungsbereich sollten dabei helfen, den beiden am häufigsten bemängelten Hindernissen bezüglich des Zugangs von KMUs zu nationalen Behördenaufträgen bei Verteidigung zu begegnen“, berichtet der Report.

Die neue Gesetzgebung für die Rüstungsindustrie verspricht den Bereich radikal auf den Kopf zu stellen und wird voraussichtlich einigen Akteuren das Handwerk legen und wiederum anderen Zugang zu neuen Märkten ermöglichen.

Zurzeit ist grenzüberschreitender Handel kleiner Unternehmen im Verteidigungsbereich selten, während Exporte ganz „zu vernachlässigen“ sind, so der Bericht.

Der Verteidigungsmarkt konzentriert sich in sechs Ländern

Der Bericht bestätigt eine Schieflage der europäischen Verteidigungsindustrie, wobei westeuropäische Staaten den Markt dominieren. Schätzungsweise 87% der europäischen Rüstungsproduktion befindet sich in nur sechs Ländern: Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien. Allerdings befinden sich in diesen Ländern nur 52% der verteidigungsrelevanten KMUs. 

Der Bericht besagt, dass diese KMUs zwischen 11% und 17% des EU-Umsatzes mit Rüstungsgütern ausmachen – deutlich niedriger als der Anteil von 39% von KMUs für das verarbeitende Gewerbe. Viele rüstungsbezogene KMUs sind nicht ausschließlich in der Verteidigung beschäftigt. Export ist vernachlässigbar.

Viele der größeren Probleme von KMUs im Rüstungsbereich sind ähnlich den Herausforderungen, denen auch andere Kleinfirmen ausgesetzt sind. Zugang zu Finanzierungen ist ein besonderes Problem für KMUs im Rüstungsbereich, insbesondere für solche, die bei verteidigungsrelevanter F & E beteiligt sind.

Die steigende Tendenz nationaler Ausschreibungsbehörden sich auf Hauptlieferanten zu verlassen, der ständige Kampf mit Bürokratie und dem Schutz geistigen Eigentums untergraben die Wettbewerbsfähigkeit europäischer KMUs. Fragen geistigen Eigentums und Nutzerrechte sind insbesondere dann problematisch, wenn sich Unternehmen bei Kofinanzierung bei F & E beteiligen, so die Studie.

Der Bericht, der KMUs in Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen und Rumänien untersucht, besagt, dass insbesondere osteuropäische KMUs Unterstützung brauchen angesichts der Dominanz der traditionellen westlichen Mächte im Verteidigungsbereich.

Die osteuropäische Verteidigungsindustrie könnte von Initiativen der transnationalen Zusammenarbeit im Rahmen des Europa Innova  Programms profitieren, das Netzwerk-Veranstaltungen organisiert und bei Vorbereitungen für Partnerschaftsabkommen assistiert, so ein Berater.