Kommission überprüft Strommarkt [DE]

Die Europäische Kommission erklärte, sie werde in diesem Jahr mit einer Untersuchung der „Störungen“ auf dem EU-Strommarkt beginnen, nachdem sie gestern (2. Februar 2009) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, die ergeben hatte, dass die Bereiche Energie, Bankwesen und öffentlicher Verkehr aus der Sicht der Verbraucher „verbesserungsfähig“ seien.

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Die Europäische Kommission erklärte, sie werde in diesem Jahr mit einer Untersuchung der „Störungen“ auf dem EU-Strommarkt beginnen, nachdem sie gestern (2. Februar 2009) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlichte, die ergeben hatte, dass die Bereiche Energie, Bankwesen und öffentlicher Verkehr aus der Sicht der Verbraucher „verbesserungsfähig“ seien.

„Aufgrund seiner Bedeutung für das Budget der Privathaushalte“ habe sie beschlossen, „den Stromeinzelhandelsmarkt (…)in den Mittelpunkt der Untersuchungen 2009 zu stellen“, erklärte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva bei der Besprechung der Ergebnisse des Verbraucherbarometers für 2009 der Kommission.

Das Hauptaugenmerk der Überprüfung wird auf  den „unfairen” Bedingungen für Stromverbraucher liegen. Betrachtet werden dabei die Rechnungsstellung, die Vergleichbarkeit von Angeboten und unangemessene Geschäftspraktiken, da die Kommission in ihrem Bericht herausfand, dass „weniger als zwei Drittel der Verbraucher (…) mit ihrem Energieversorger zufrieden [sind]“.

Die Europäer geben laut Zahlen der Kommission durchschnittlich 5,7% ihres Haushaltsbudgets für Energie aus, so Zahlen der Kommission. Strom macht dabei den größten Teil der Ausgaben aus. Die Verbraucher sind insbesondere über die jüngsten Preiserhöhungen bei Gas und Strom verärgert. 60% der Befragten gaben an, es habe Erhöhungen gegeben, während nur 3-4% erklärten, ihre Preise seien gesunken.

Verbraucher zögern vor Anbieterwechsel

Der Bericht zeigt außerdem, dass die Verbraucher in den seltensten Fällen ihren Strom- oder Gasanbieter wechseln. Nur sieben bzw. acht Prozent der Befragten gaben an, zu einem solchen Schritt bereit zu sein.

„Anbieterwechselraten sind von besonderer Aussagekraft, [da] auf Märkten mit höheren Anbieterwechselraten tendenziell weniger Preissteigerungen stattfinden“, zeigte der Bericht. „ Dieser Aspekt sollte daher zu einer politischen Priorität für die größten Einzelhandelssektoren erhoben werden“, schloss der Bericht.

Die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC erklärte, die Ergebnisse zeigten, dass die Verbraucher Zugang zu den Daten zu ihrem Energieverbrauch und übersichtliche Rechnungen erhalten müssten, damit der Wechsel zum besten Anbieter mit Blick auf Preis und Leistung erleichtert werde.

Weitere Beispiele für andere Sektoren, bei denen die Verbraucher vor einem Wechsel zögern, sind die Bereiche Autoversicherungen, Internet und Handyanbieter. Die BEUC meinte, die Ergebnisse hätten zweifelsohne gezeigt, dass es eine Regulierung der Kündigungsfristen für Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse geben müsse, damit die Preise gesenkt würden. 

Städtischer Nahverkehr und Banken ebenfalls in Kritik

Weniger als die Hälfte der Europäer sind mit ihrem städtischen Nahverkehrssystem, wie Bussen, Zügen und Straßenbahnen, zufrieden. Ähnlich unzufrieden zeigten sie sich mit ihrem Festnetzanschluss und Postdienstleistungen sowie mit der Energiebranche (weniger als 60%).

Die Kommission fand in ihrem Bericht heraus, dass es bei Bankgebühren und Zinssätzen „große Abweichungen“ zwischen den Mitgliedstaaten gebe, ohne dass es dafür eine einfache Erklärung gebe. Als Beispiel wurden die Zinssätze für Verbraucherkredite genannt. 

Darüberhinaus sei „[d]as Bankwesen (…) ganz besonders problematisch in Bezug auf die Vergleichbarkeit der Angebote, die Wechselmöglichkeiten und das tatsächliche Wechseln“. Nur 11% der Privatkunden in Europa hätten in den letzten beiden Jahren ihren Anbieter gewechselt. Bei den Inhabern von Girokonten betrug dieser Anteil 9%, bei den Inhabern von Hypothekenforderungen 13%.

Grenzüberschreitender Markt stagniert

Nur 25% der Verbraucher erwarben im letzten Jahr Produkte im Ausland. Der grenzüberschreitende Handel hat damit seit 2006 nicht mehr zugenommen. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass sich dies in diesem Jahr ändern könnte, da 33% der Befragten angaben, 2009 entsprechende Ausgaben im Ausland tätigen zu wollen.

In dem Bericht wird schlussendlich betont, dass die Daten für viele Aspekte, die die Kommission untersuchte, noch unzureichend seien. Daher wird empfohlen, dass mehr Preisvergleiche durchgeführt, ein EU-weites, einheitliches Klassifizierungssystem errichtet und die Einhaltung von Gesetzen besser überprüft werden sollten.