Kritik und Unverständnis auf Irlands Herabstufung

Die Ratingagentur Moody's hat nun auch die Kreditwürdigkeit Irlands auf Ramschniveau herabgestuft. Die Regierung in Dublin und die EU-Kommission kritisieren die Entscheidung. Die Finanzmärkte könnten auch ohne die Agenturen leben, erklärt EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny.

Die Ratingagentur Moody’s hat nun auch Irland auf „Ramschniveau“ herabgestuft. Für das hoch verschuldete Land dürfte es nun noch schwieriger und teurer werden, an frisches Geld zu gelangen. Foto: dpa
Die Ratingagentur Moody's hat nun auch Irland auf "Ramschniveau" herabgestuft. Für das hoch verschuldete Land dürfte es nun noch schwieriger und teurer werden, an frisches Geld zu gelangen. Foto: dpa

Die Ratingagentur Moody’s hat nun auch die Kreditwürdigkeit Irlands auf Ramschniveau herabgestuft. Die Regierung in Dublin und die EU-Kommission kritisieren die Entscheidung. Die Finanzmärkte könnten auch ohne die Agenturen leben, erklärt EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny.

Moody’s senkte am Dienstag die Bonitätsnote Irlands um eine Stufe auf "Ba1" und begründete dies mit der höheren Wahrscheinlichkeit eines zweiten Hilfspakets. Sie behielt zudem den Ausblick für die Kreditwürdigkeit bei "negativ" und signalisierte damit, weitere Herabstufungen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten nicht auszuschließen. Bisher hatten in der Euro-Zone lediglich Griechenland und Portugal von Rating-Agenturen den "Ramsch"-Stempel aufgedrückt bekommen.

Bei EU-Kommission und irischem Finanzministerium sorgte die Entscheidung für Unverständnis. "Wir bedauern diese Prognose. Uns liegen andere Daten vor, die Irland einen deutlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr bescheinigen", sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Die Sparpläne der irischen Regierung hätten maßgeblich dazu beigetragen. "Diese Entwicklung enttäuscht uns sehr. Sie widerspricht jeglichen Bewertungen anderer Agenturen", sagte ein Sprecher des Finanzministers der "Irish Times". Es sei schwierig zu verstehen, wie die Abstufung mit den Erfolgen der Regierung zur Bekämpfung der Schuldenkrise zusammenpasse. S&P sowie Fitch bewerten Irland drei Stufen über Ramschstatus.

Moody’s sieht nach eigenen Angaben auch Probleme in den Bemühungen, künftig private Gläubiger an Rettungspaketen zu beteiligen. Dadurch könnten die Refinanzierungskosten vor allem für schwächere Mitglieder der Euro-Zone steigen. "Dies ist ein Schlüsselfaktor in der fortlaufenden Beurteilung der Staatsanleihen der schuldengeplagten Euro-Zone durch Moody’s", hieß es.

Nowotny: Agenturen verschlimmern die Krise

Die Rating-Agenturen haben nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zur Schuldenkrise in der Euro-Zone beigetragen. Die Finanzmärkte könnten auch ohne die Agenturen leben, erklärte Nowotny am Dienstag. Im Falle von Griechenland lieferten die Rating-Agenturen keine besonderen Einsichten, die über öffentlich verfügbare Statistiken hinausgingen, sondern nur ihre Meinung, sagte er in einem Fernseh-Interview. Dies täten sie auf eine Weise, die die Krise verschlimmere.

Die zahlreichen Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von diversen Staaten in der Euro-Zone durch die mächtigen drei US-Agenturen hat unter Politikern einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen.

"Die Herabstufung hilft definitiv nicht"

Irlands Abwicklungsbank (NTMA) betonte in einer Reaktion auf den Moody’s-Schritt, bis Ende 2013 sei das Land ausreichend finanziert. Analyst Robert Tipp von Prudential sagte: "Die Herabstufung hilft definitiv nicht. Sie wird dazu führen, dass einige Investoren, die keine Sicherheiten auf Ramschniveau halten dürfen, verkaufen müssen." Chris Rupkey von der Bank of Tokio sagte, es habe zuletzt viele Herabstufungen gegeben, diese werde das Fass nicht zum Überlaufen bringen.

Die Probleme der heimischen Banken hatten Irland im vergangenen Jahr als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm EFSF gezwungen, der nach der Griechenland-Krise von EU und IWF aufgespannt wurde. 85 Milliarden Euro Hilfsgelder stehen bereit. Im Gegenzug muss der Inselstaat deutliche Einsparungen vornehmen.

Wirtschaft soll in diesem Jahr wieder wachsen

Die EU-Kommission versicherte, Irland sei auf dem richtigen Weg, um aus der Schuldenkrise herauszufinden. Das irische Finanzministerium erklärte, Irland tue alles, um die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei habe man bereits Fortschritte gemacht. Noch in diesem Jahr werde die Wirtschaft wieder wachsen. Laut NTMA kommen Irland dabei auch die Entscheidungen vom Euro-Gruppen-Treffen am Montagabend in Brüssel zugute. Demnach soll der Euro-Rettungsfonds EFSF künftig flexibler zur Stützung eingesetzt werden. Nach Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker schließt das theoretisch auch einen Schuldenrückkauf mit Hilfe des EFSF ein.

EURACTIV/rtr/dto

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Moody’s: Moody’s downgrades Ireland to Ba1; outlook remains negative (12. Juli 2011)

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