Kroatien und Bosnien streiten über Atommüll-Lager
Die Pläne Kroatiens, ein Zentrum für die Entsorgung nuklearer Abfälle zu errichten, stehen in der Kritik. Der Minister für Außenhandel und Wirtschaftsbeziehungen von Bosnien und Herzegowina, Staša Košarac, beschuldigte Kroatien, gegen europäische Vorschriften und Standards zu verstoßen.
Die Pläne Kroatiens, ein Zentrum für die Entsorgung nuklearer Abfälle zu errichten, stehen in der Kritik. Der Minister für Außenhandel und Wirtschaftsbeziehungen von Bosnien und Herzegowina, Staša Košarac, beschuldigte Kroatien, gegen europäische Vorschriften und Standards zu verstoßen.
Josip Lebegner, der Direktor des Fonds zur Finanzierung der Stilllegung und Entsorgung radioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente des Kernkraftwerks Krško, wies diese Behauptungen zurück und erklärte, Kroatien halte sich vollständig an die EU-Vorschriften.
In einem Interview mit EURACTIV betonte Lebegner, dass sich der Bau des kroatischen Zentrums in Čerkezovac noch in der Anfangsphase befindet und dass das Land Brüssel erst sechs Monate vor Erteilung der Baugenehmigung informieren muss.
Er versicherte, dass die Sicherheitsmaßnahmen den höchsten Standards entsprechen würden. Kroatien beabsichtigt, ein Fünftel seiner schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus dem Atomkraftwerk Krško in Drittländer zu exportierten, bevor das Lager in Čerkezovac in Betrieb genommen wird.
Der Bau des Entsorgungszentrums in der Nähe der Grenze zu Bosnien und Herzegowina stößt sowohl bei den bosnischen als auch bei den kroatischen Kommunalbehörden auf Widerstand.
Minister Košarac hat um ein Treffen mit dem Hohen Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Josep Borrell, gebeten, um seine Bedenken zu äußern und die Europäische Union aufgefordert, den Bau der Anlage zu verhindern.
Lebegner stellte jedoch klar, dass Kroatien mit Bosnien und Herzegowina auf mehreren Ebenen kommuniziert hat, einschließlich fachlicher Diskussionen und Informationsaustausch.
„Die Aussage von Minister Košarc, Kroatien verstoße gegen europäische Vorschriften und Standards, ist falsch. Kroatien verstößt nicht gegen irgendwelche Vorschriften oder Standards. Wir haben Bosnien und Herzegowina eingeladen, sich dem Prozess der grenzüberschreitenden Konsultationen anzuschließen und öffentlich mitzuteilen, welche Themen sie in der Umweltverträglichkeitsstudie behandelt haben wollen. Somit ist Bosnien und Herzegowina formell in die Einrichtung des Zentrums für die Entsorgung radioaktiver Abfälle einbezogen“, sagte Lebegner gegenüber EURACTIV.
Bezüglich der Beteiligung der Europäischen Kommission erklärte Lebegner, dass diese das kroatische Programm für den Bau und die Verwaltung von Endlagerstätten sowie die Einhaltung der Sicherheitsstandards genau überwacht. Er erklärte, dass Kroatien mit der Kommission zusammenarbeiten muss, aber der Prozess folge einem bestimmten Zeitplan. Die Zustimmung der Europäischen Kommission ist sechs Monate vor Erteilung der Baugenehmigung erforderlich.
„Es ist möglich, dass es Einwände gibt, die in der Tat gerechtfertigt wären. In dem vergangenen Jahr, in dem ich an der Spitze des Fonds stand, habe ich jedoch keinen einzigen begründeten Einwand von der bosnischen Seite erhalten“, fügte er hinzu.
Skepsis in der Bevölkerung „ganz normal“
Lebegner räumte ein, dass die örtlichen Gemeinden und Umweltschutzverbände wie Green Action Bedenken gegen die Eignung des Standorts Čerkezovac aufgrund seiner geologischen, hydrologischen und ökologischen Eigenschaften haben.
„Ich kann den Widerstand absolut nachvollziehen, denn es gibt keine lokale Gemeinschaft, die ein solches Projekt vorbehaltlos akzeptieren würde. Das ist eine ganz normale Reaktion, und wir müssen die Öffentlichkeit ständig aufklären.“
Lebegner verwies auf die Erfahrungen mit ähnlichen europäischen Einrichtungen, bei denen die lokalen Gemeinden wirtschaftlich profitiert haben und die Bedenken der Anwohner berücksichtigt wurden.
Er fügte hinzu, dass „aus diesen konkreten Gesprächen zwischen den Gemeindevorstehern und Landwirten hervorging, dass ein solches Projekt mit der Zeit sehr gut angenommen wurde“ und fügte hinzu, „wenn auch nur die geringste Gefahr für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen bestünde, könnte ein solches Projekt nicht realisiert werden.“
Auf die Befürchtungen einer Kontamination des Trinkwassers und des Flusses Una eingehend, erläuterte Lebegner die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen. Die Abfälle werden in Stahlbetonbehältern gelagert, und es wurden gründliche Analysen durchgeführt, um sicherzustellen, dass bei ungünstigen Ereignissen keine Radionuklide freigesetzt werden. Auch das Risiko seismischer Aktivitäten und von Erdbeben wurde bei der Planung und dem Bau der Anlage berücksichtigt.
Während die lokalen Behörden in Dvor ihre Besorgnis über einen weiteren Bevölkerungsrückgang zum Ausdruck brachten, sieht Lebegner das Projekt als Chance, die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region zu fördern. Obwohl das Lagerhaus nur etwa 20 Arbeitsplätze bieten wird, betonte Lebegner, dass Projekte und Mittel auf nationaler Ebene in die Gemeinde fließen werden, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen und die demografischen Herausforderungen zu mildern.
„Ich sehe das Center-Projekt als eine Gelegenheit, bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten zu starten, und ich denke, dass gerade der Mangel an wirtschaftlichen Aktivitäten ein viel größerer Grund für die Abwanderung ist“, schloss er.