Nahrungsmittelkrise von Aufhebung der Getreide-Blockade und Hitzewellen geprägt
Die Aufhebung der Blockade der ukrainischen Getreideexporte und die Folgen der Hitzewelle gefährden die Zukunft der Landwirtschaft fünf Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine, der die weltweite Nahrungsmittelversorgung in eine Krise gestürzt hat.
Trotz der Aufhebung der Blockade der ukrainischen Getreideexporte sieht der EU-Agrarmarkt weiterhin unsicheren Zeiten, da die derzeitige Hitzewelle die Nahrungsmittelversorgung weiter verkompliziert.
Fünf Monate nach Kriegsbeginn halten die Marktinstabilität, die Preisvolatilität und die Unsicherheit hinsichtlich der Nahrungsmittel- und Rohstoffversorgung an. Dazu kommt, dass die derzeitigen extrem hohen Temperaturen im Sommer die Ernten stark beeinträchtigen.
Die Verknappung von Rohstoffen und Düngemitteln und die steigenden Energiepreise sind die beiden Gesichter der durch den Krieg verursachten weltweiten Agrarkrise.
In Europa und anderen Ländern der Nordhalbkugel ist die Agrarversorgung gesichert, aber in den südlichen Mittelmeerländern, in anderen Teilen Afrikas, im Nahen Osten und sogar in Lateinamerika gibt es Bedenken hinsichtlich einer möglichen Nahrungsmittelknappheit.
Entscheidende Getreideexporte
In diesem Zusammenhang ist die Abfuhr von Getreide aus den ukrainischen Häfen gemäß der Vereinbarung zwischen Russland, der Ukraine und der Vereinten Nationen unter Vermittlung der Türkei entscheidend für die Entspannung der Weltmärkte; es geht um den Transport von 22 Millionen Tonnen Getreide.
Der Generalsekretär des spanischen Händlerverbandes Accoe, José Manuel Álverez, sagte gegenüber EFE Agro, dass dieses Abkommen, sollte es zustande kommen, ein „sehr starker Einflussfaktor“ für den Agrarmarkt sein würde.
Produzenten und Händler haben jedoch Zweifel geäußert und verweisen auf die Bombardierung des Hafens von Odessa durch Russland am Tag nach der Einigung auf das Abkommen.
Was die Preise betrifft, so spricht der Accoe-Leiter von einer „verrückten“ und „unvorhersehbaren“ Situation, mit Höhen und Tiefen.
Die Getreidepreise sind in Europa seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine enorm angestiegen. Bereits im März, einen Monat nach Ausbruch des Krieges, wurde ein Preisanstieg für Getreide von rund 70 Prozent verzeichnet – der höchste Anstieg seit den Aufzeichnungen.
Klima verschärft die Krise
Die Spannungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich durch die klimatischen Bedingungen in der nördlichen Hemisphäre, in der EU und in den Vereinigten Staaten (verschärft.
Der Vizepräsident des Komitees der gemeinschaftlichen landwirtschaftlichen Organisationen und Kooperativen (COPA-Cogeca), Pedro Gallardo (Asaja), betonte gegenüber EFE Agro den Pessimismus nach fünf Monaten Krieg und die „hohe Marktvolatilität“ und deren Auswirkungen auf die Einkommen der Landwirt:innen.
Die EU-Landwirt:innen haben ein „Überdenken“ der kommenden Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und des Europäischen Grünen Deals gefordert, die die Umweltauflagen für die Lebensmittelproduktion verschärfen. Diese seien laut Gallardo „jetzt nicht relevant“, weil es darum gehe, die Produktion zu sichern.
In Bezug auf Sonnenblumen fügte Gallardo hinzu, dass die Erträge in Spanien aufgrund von Dürren und den hohen Temperaturen 60 Prozent niedriger als in den letzten 14 Jahren ausgefallen seien.
Hinzu kommt die Verringerung des Angebots in der Ukraine, wo die Ernte erst im September erfolgen wird und diese davon abhängt, unter welchen Bedingungen die ukrainischen Landwirt:innen ihre Tätigkeit aufzunehmen werden können.
Spanien benötigt 1,2 Millionen Tonnen Sonnenblumenkerne für Nahrungs- und Futtermittel, aber die Ernte wird laut ASAJA nicht mehr als 825.000 Tonnen betragen.
Getreide, Waffen und Abhilfe
Getreide ist für Russland in diesem Krieg zu einer weiteren Waffe geworden. Laut einem Bericht der Denkfabrik Friends of Europe macht Moskau „kriegerischen Gebrauch“ vom weltweiten Weizenhandel.
Der Bericht vertritt die Auffassung, dass die GAP abgeschafft und neu gestaltet werden sollte, denn „die Getreideproduktion in der EU hat sich in den letzten 20 Jahren halbiert, während Russland sie verdoppelt hat“, und dass Europa die Produktion in Afrika und dem Nahen Osten ankurbeln sollte.
Kurzfristig und angesichts der Ungewissheit über die Dauer des Krieges hat die Europäische Kommission diese Woche die Ausnahmeregelungen zu den GAP-Vorschriften über Brachland und Fruchtfolge bis 2023 verlängert. Damit soll die Steigerung der heimischen Produktion und Versorgung ermöglicht werden, die durch die russische Invasion stark zurückgegangen ist.