NATO-Minister Treffen: Kapazitätsprobleme mit Rüstungsherstellern

EURACTIV hat erfahren, dass die NATO-Verteidigungsminister am Donnerstag (15. Juni) mit den Leitern von 25 großen westlichen Rüstungsunternehmen zusammentreffen werden, um die Munitionsproduktion anzukurbeln.

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NATO Defence Ministers meeting
Dieser Schritt spiegelt das Interesse der NATO wider, an den Diskussionen mit der Verteidigungsindustrie teilzunehmen, so Diplomaten und Industriequellen gegenüber EURACTIV. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

NATO-Verteidigungsminister wollen am Donnerstag (15. Juni) mit den Leitern von 25 großen westlichen Rüstungsunternehmen zusammentreffen, um die Munitionsproduktion anzukurbeln.

Dieser Schritt spiegelt das Interesse der NATO wider, an den Diskussionen mit der Verteidigungsindustrie teilzunehmen, so Diplomaten und Industriequellen gegenüber EURACTIV.

Die westlichen Mächte suchen nach Möglichkeiten, die militärische Unterstützung für die Ukraine fortzusetzen und ihre Bestände aufzufüllen. Das Militärbündnis ist bestrebt, eine langfristige Perspektive für die Investitionen und Aufträge seiner Mitglieder festzulegen, um diese an die Industrie weiterzugeben.

Kyjiws westliche Verbündete prüfen, wie sie dem Land weiterhin die notwendige militärische Ausrüstung liefern können. Die Regierungen haben Verteidigungsunternehmen aufgefordert, die Produktion hochzufahren. Gleichzeitig fordern die Unternehmen klare langfristige Nachfragesignale, um Investitionen in neue Produktionskapazitäten, Lieferketten und Personal zu rechtfertigen.

Wie EURACTIV berichtete, hat die NATO die Aufstellung eines neuen Aktionsplans für die Verteidigungsproduktion in Erwägung gezogen. Dieser soll Investitionsziele festlegen und die Nachfragesignale der Bündnismitglieder für die Industrie zusammenfassen.

Unter den Vertretern der Verteidigungsindustrie besteht die Hoffnung, dass das Treffen einen Fortschritt bei der Arbeit am künftigen Aktionsplan darstellt. Es wurde jedoch keine formelle Tagesordnung verteilt und es wird kein konkretes Ergebnis erwartet, so Quellen gegenüber EURACTIV.

Es wird davon ausgegangen, dass der runde Tisch von der NATO Industrial Advisory Group (NIAG) und nicht von Generalsekretär Jens Stoltenberg geleitet werden wird. So soll eine Diskussion auf gleicher Ebene zwischen den Ministern und den Industrievertretern anderer Nationen entstehen.

Wer ist eingeladen?

Zu den Teilnehmern gehören vor allem hochrangige Vertreter und die Geschäftsführer von Verteidigungsunternehmen, die verschiedene Arten von Munition, wie Raketen und Flugkörper, herstellen.

Das Treffen mit der Industrie „wird sich speziell auf kampfentscheidende Munition konzentrieren“, so ein NATO-Mitarbeiter im Vorfeld des Treffens gegenüber EURACTIV.

Von der europäischen Verteidigungsindustrie wurden das belgische Unternehmen FN Herstal, die französisch-italienische MBDA, das finnische Unternehmen Patria, das deutsche Unternehmen Rheinmetall, das norwegische Unternehmen Nammo, KNDS – ein Zusammenschluss des deutschen Unternehmens KMW und des französischen Unternehmens Nexter -, das italienische Unternehmen Leonardo sowie das türkische Unternehmen Roketsan als Vertreter eingeladen.

Es wird erwartet, dass auch einige Unternehmen der NATO-Ostflanke teilnehmen werden, wie das bulgarische Arsenal und die in Prag ansässige Czechoslovak Group.

Aus den USA werden Raytheon Technologies und Lockheed Martin erwartet. Sie stellen die Raketensysteme Javelin, HIMARS und Patriot her, die an die ukrainischen Streitkräfte geliefert werden.

Auf der Liste der eingeladenen Unternehmen stehen laut EURACTIV auch Drohnenhersteller wie das türkische Unternehmen Baykar – dessen Bayraktar-Drohnen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine an Popularität gewonnen haben. Zudem wurden das portugiesische Unternehmen Tekever sowie das britische BAE Systems, das rumänische Unternehmen Romarm, der kroatische Kampfpanzerhersteller Đuro Đaković Grupa, das estnische Unternehmen Milrem Robotics und das belgische Unternehmen Thales eingeladen.

Tödliche Unterstützung als Balanceakt

Der Vorstoß der NATO-Rüstungsindustrie erfolgt, nachdem die Ukraine darauf bestanden hat, dass sie mehr Munition benötigt, um ihre Gegenoffensive gegen die russischen Truppen in diesem Frühjahr zu starten.

Die EU hat sich aktiv an diesen Bemühungen beteiligt und sich an die Spitze der Debatte gestellt. Sie plant und finanziert Anreize für die Mitgliedstaaten, Munition aus ihren eigenen Beständen zu liefern und gemeinsam mehr Munition für Kyjiw zu beschaffen.

Auf der anderen Seite hat die NATO ihre Unterstützung auf nicht-tödliche Ausrüstung und politische Botschaften konzentriert.

Bei der Auswahl der Eingeladenen „wurde ein kleines, konzentriertes Format gewählt, um eine substanzielle Diskussion zu ermöglichen“, so ein NATO-Vertreter gegenüber EURACTIV.

Obwohl der Schwerpunkt dieses Mal auf Munition liegt, „wird es in Zukunft weitere Treffen mit der Industrie in verschiedenen Formaten geben, einschließlich des regelmäßigen NATO-Industrieforums, an dem ein viel größeres Spektrum alliierter Industrien teilnimmt“, so der NATO-Vertreter weiter.

[Bearbeitet von Alexandra Brzozowski/Alice Taylor/Oliver Noyan]