Neue Gaskraftwerke in Polen werden Steuerzahler wohl Milliarden kosten

Die Pläne Polens für den Bau von fünf neuen Gaskraftwerken werden mehr kosten als die Investitionen in erneuerbare Energien und untergraben die Bemühungen, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, so der Think-Tank Carbon Tracker.

EURACTIV.com
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Neben den Bedenken bezüglich des Klimas bedroht die Ausweitung der Gaskapazitäten die Energiesicherheit Polens und birgt die Gefahr, dass die Verbraucher:innen an hohe Preise gebunden werden, warnt der Bericht des Think Tanks. [<a href="https://www.shutterstock.com/da/g/Happy_Factory" target="_blank" rel="noopener">Factory_Easy / Shutterstock</a>]

Die Pläne Polens für den Bau von fünf neuen Gaskraftwerken werden mehr kosten als die Investitionen in erneuerbare Energien und untergraben die Bemühungen, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, so der Think-Tank Carbon Tracker.

Der am Donnerstag (10. Februar) veröffentlichte Bericht des Think-Tanks fordert Polen auf, seine Pläne zum Bau neuer Gaskraftwerke aufzugeben und stattdessen sofort von der derzeitigen Abhängigkeit von Kohle auf erneuerbare Energien umzustellen.

Der Analyse von Carbon Tracker zufolge werden alle fünf geplanten Gasprojekte teurer sein als neue Wind- oder Solarkraftwerke und sind nur dank Subventionen durchführbar. Diese könnten den Steuerzahler fast 4,5 Milliarden Dollar kosten.

Die Kraftwerke, die Polens Gaskapazität mehr als verdoppeln würden, sollen zwischen 2023 und 2027 durch garantierte 17-jährige Zahlungen aus dem Kapazitätsmarkt ans Netz gehen.

Allerdings müssten diese Kraftwerke nach durchschnittlich nur sieben Jahren wieder abgeschaltet werden, wenn Polen bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen will. Das könnte die Bauherren über 200 Millionen Dollar kosten, warnen die Autoren des Berichts, Jonathan Sims und Lorenzo Sani.

Wenn Polen die Kraftwerke über ihre gesamte Lebensdauer von 30 Jahren betreibt, würde das Land über das EU-Ziel hinausschießen, warnen Sims und Sani.

Das europäische Netto-Null-Emissionsziel ist nur auf EU-Ebene rechtsverbindlich und Polen hat sich nicht verpflichtet, es auf nationaler Ebene zu erreichen.

Würde Polen die Kraftwerke über das Jahr 2050 hinaus in Betrieb halten, wäre das Land auf andere EU-Länder angewiesen, um das Äquivalent des von Polen emittierten CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.

Gas oder erneuerbare Energien?

Neben den Bedenken bezüglich des Klimas bedroht die Fortsetzung der Energiegewinnung aus Fossilgas die Energiesicherheit Polens und birgt das Risiko, dass die Verbraucher:innen an hohe Preise gebunden werden, heißt es in dem Bericht.

Europa sieht sich derzeit mit rekordhohen Gaspreisen und einer begrenzten Gasversorgung konfrontiert. Verschärft wird dies durch die Spannungen an der ukrainischen Grenze und die Befürchtung, dass Russland die Gaslieferungen nach Europa – derzeit 40 % der EU-Versorgung – abschalten könnte.

„Die Großhandelspreise für Gas erreichten in den letzten 12 Monaten Rekordhöhen, und die zunehmenden politischen Spannungen in Europa verschärften die Gefahr, dass die Lieferungen entweder als Waffe eingesetzt oder mit internationalen Sanktionen belegt werden könnten. Daher ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um die Abhängigkeit von Gas zu erhöhen“, heißt es in dem Bericht.

Langfristig, so wird allgemein angenommen, werden erneuerbare Energien benötigt, um Europa unabhängiger und umweltfreundlicher mit Energie zu versorgen.

„Je schneller wir zu erneuerbaren Energien wechseln, desto schneller können wir unsere Bürger:innen vor hohen Preisen schützen“, sagte EU-Klimachef Frans Timmermans letztes Jahr.

Gaskraftwerke werden oft als ideale Ergänzung zu erneuerbaren Energien angepriesen, da sie jederzeit in Betrieb genommen werden können, wenn wenig Wind weht oder die Sonne scheint. Dem Bericht zufolge werden erneuerbare Energien mit Batteriespeichern jedoch bis Mitte der 2020er Jahre billiger sein als Gas, wodurch sie sich besser an Nachfrageänderungen anpassen können.

Solarenergie mit Batteriespeichern wird ab 2024 billiger sein als Gas, und Onshore-Windkraft mit Batteriespeichern wird ab 2025 billiger sein, so Sims und Sani.

Sie warnen sogar davor, dass die sinkenden Kosten für saubere Technologien und die steigenden Gaspreise dazu führen werden, dass eines der Kraftwerke, das 750-MW-Gasprojekt Grudziądz, ab dem Tag seiner Inbetriebnahme im Jahr 2027 nicht mehr wettbewerbsfähig sein wird.

„Die Kosten für saubere Technologien sinken weiter, und bis Mitte des Jahrzehnts werden Solar- und Windparks mit Batteriespeichern in der Lage sein, vergleichbare Flexibilitätsleistungen wie ein Gaskraftwerk zu geringeren Kosten zu erbringen“, sagte Sims.

„Das Festhalten an Gas wird den Steuerzahler Milliarden an Subventionen und höhere Energierechnungen kosten, die EU-Klimaziele untergraben und das Land dem Druck ausländischer Gaslieferanten aussetzen“, fügte er hinzu.

EURACTIV hat die polnische Regierung bezüglich des Berichts kontaktiert, aber keine Antwort erhalten.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]