EU-Schweinesektor: NGOs beklagen übermäßigen Einfluss der Industrie

Umweltschützer laufen Sturm gegen einen von der EU-Kommission vorgelegten Bericht über den Schweinefleischsektor. Obwohl dieser die Ergebnisse einer Expertengruppe widerspiegeln sollte, der sie selbst angehört hatten, distanzieren sie sich vom Inhalt des Papiers.

Euractiv.com
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Umweltschützer laufen Sturm gegen einen von der EU-Kommission vorgelegten Bericht über den Schweinefleischsektor. Obwohl dieser die Ergebnisse einer Expertengruppe widerspiegeln sollte, der sie selbst angehört hatten, distanzieren sie sich vom Inhalt des Papiers.

Der Bericht, den EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski am Montag (20. März) beim Treffen der EU-Agrarminister vorstellen will, ist das Ergebnis einer Reihe von Sitzungen der Europäischen Reflexionsgruppe für Schweinefleisch.

Die Gruppe wurde von Wojciechowski, der sich für die Nachhaltigkeit von Schweinefleisch starkgemacht hat, erstmals im Februar 2022 angekündigt.

Ziel der Gruppe war es, die Nachhaltigkeit des Schweinefleischsektors zu überprüfen, von der sozioökonomischen Dynamik bis hin zu den ökologischen und klimatischen Herausforderungen, insbesondere angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen einer Reihe von Krisen, einschließlich der COVID-Pandemie und der weiteren Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Europa.

Der Bericht listet eine Reihe verbesserungswürdiger Bereiche auf, beispielsweise die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Schweineproduzenten und dem Rest der Versorgungskette zu fördern, die Ausbildung und den Wissensaustausch zu verbessern sowie die Mitgliedstaaten stärker zu ermutigen, alle ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU zu nutzen, um die Nachhaltigkeit des Sektors zu erhöhen.

Die Schlussfolgerungen spiegeln angeblich die Beiträge einer Reflexionsgruppe wider, die sich aus Interessenvertretern von 20 verschiedenen Organisationen zusammensetzt, darunter Landwirtschaftsverbände, Nichtregierungsorganisationen und Branchenakteure sowie Vertreter aus den 27 Mitgliedstaaten.

„Die Europäische Reflexionsgruppe für Schweinefleisch setzt sich dafür ein, dass die Empfehlungen der Gruppe von allen relevanten Interessengruppen und Institutionen aufgegriffen und auf EU- und nationaler Ebene umgesetzt werden“, heißt es in dem Bericht.

Gegenwind von NGOs

Die beiden am Konsultationsprozess beteiligten Nichtregierungsorganisationen – das Europäische Umweltbüro (EEB) und die Tierschutzgruppe Eurogroup for Animals – haben den Bericht jedoch inzwischen öffentlich abgelehnt und betont, ihre Ansichten seien im endgültigen Bericht nicht berücksichtigt worden.

„Der Konsultationsprozess war ein Greenwashing, wir haben in allen Phasen detaillierte Beiträge geliefert, und nichts davon spiegelt sich in dem Bericht wider“, kritisierte Célia Nyssens-James vom EEB. Sie bezeichnete das Ergebnis als „völlig realitätsfremd.“

„Der Bericht könnte nicht stereotyper auf ein Business-as-usual-Dogma ausgerichtet sein“, sagte sie und fügte hinzu, dass „die Industrielobbys den Bericht auch ohne die Hilfe der Kommission hätten schreiben können.“

Der Bericht enthält eine Ausschlussklausel, die besagt, dass er „die Position des EEB, die nicht mit einer Mehrheitsmeinung in Einklang gebracht werden konnte, nicht vollständig widerspiegelt“ – was Nyssens-James als eine „große Untertreibung“ bezeichnet.

Auch Ines Ajuda, Leiterin des Programms für Nutztiere bei der Kampagnengruppe Eurogroup for Animals, erklärte gegenüber EURACTIV, dass sie „mit mehreren Punkten nicht einverstanden“ sei.

„Der Bericht spiegelt angeblich die Mehrheitsmeinung der Reflexionsgruppe wider, zu der die Eurogroup for Animals gehört, aber wir sind damit überhaupt nicht einverstanden“, sagte sie und betonte, dass die Gruppe „diesen Bericht weder gebilligt hat noch vor seiner Veröffentlichung konsultiert wurde.“

„Selbst wenn wir gefragt worden wären, hätten wir der Aufnahme unseres Namens nicht zugestimmt“, so Ajuda.

Daher sei die Gruppe derzeit dabei, sich an die Europäische Kommission zu wenden, um die Aufnahme ihrer Ausschlussklausel zu beantragen, erklärte Ajuda.

Ein hochrangiger EU-Beamter erklärte derweil gegenüber EURACTIV, dass die Mitgliedstaaten den Bericht bei ihrem Treffen am Montag wohl ohne große Kontroversen annehmen dürften.

„Ich erwarte, dass sich einige Mitgliedsstaaten zu Wort melden werden, [aber] ich erwarte nicht viel Kritik am Montag“, erklärte er.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]