Null-Energiehaus in Berlin
Die EU schreibt vor, dass Neubauten der öffentlichen Hand ab 2019 eine ausgeglichene Energiebilanz vorweisen müssen. Das Umweltbundesamt (UBA) führt mit einem eigenen Null-Energiehaus in Berlin vor, wie neue Schulen, Rathäuser und Finanzämter künftig aussehen könnten.
Die EU schreibt vor, dass Neubauten der öffentlichen Hand ab 2019 eine ausgeglichene Energiebilanz vorweisen müssen. Das Umweltbundesamt (UBA) führt mit einem eigenen Null-Energiehaus in Berlin vor, wie neue Schulen, Rathäuser und Finanzämter künftig aussehen könnten.
Das Umweltbundesamt (UBA) hat Ende 2011 den Grundstein für ein "Null-Energiehaus" in Berlin gelegt. Die gesamte Energie für den Betrieb des Bürogebäudes wird aus regenerativen Quellen stammen, teilte das UBA Anfang November 2011 mit. Eine Solaranlage auf dem Dach soll elektrischen Strom liefern, eine Wärmepumpe soll aus dem Grundwasser Energie für die Gebäudeheizung erzeugen. Lüftung, Wärmeversorgung und Beleuchtung sind in jedem Raum individuell steuerbar. "Im Jahressaldo weist das Gebäude eine ausgeglichene Energiebilanz auf", so die Erwartung des UBA. 30 UBA-Beschäftigte sollen noch 2012 im neuen Gebäude ihre Arbeit aufnehmen.
EU: Neubauten müssen künftig Niedrigstenergiegebäude sein
Das UBA-Haus in Berlin-Marienfelde soll EU-Vorgaben erfüllen, die ab 2019 verbindlich für alle neuen Gebäude der öffentlichen Hand und ab 2021 für alle Neubauten gelten. Die EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (2010/31/EU) schreibt ab dann Niedrigstenergiegebäude vor, also Häuser mit einer ausgeglichenen Energiebilanz. Auf den Gebäudesektor entfallen heute 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der EU. Rund 12 Prozent des gesamten Gebäudebestandes in der EU werden vom öffentlichen Sektor genutzt.
Die EU-Kommission drängt darauf, dass die öffentliche Hand bei der Energieeffizienz mit guten Beispiel vorangeht. "Der öffentliche Sektor ist (…) eine wichtige treibende Kraft, wenn es darum geht, die Marktwende hin zu effizienteren Produkten, Gebäuden und Dienstleistungen zu fördern und bei Bürgern und Unternehmen Verhaltensänderungen in Bezug auf den Energieverbrauch zu bewirken", heißt es im Vorschlag für die neue EU-Effizienzrichtlinie, die derzeit mit den Mitgliesdstaaten und dem EU-Parlament verhandelt wird. Geht es nach der Kommission, sollten jährlich 3 Prozent der öffentlichen Gebäudebestandes einer energetischen Sanierierung unterzogen werden, womit die derzeitige Renovierungsquote verdoppelt würde.
Drastische Senkung des Heizenergiebedarfs
Bei der Planung des UBA-Hauses wurde der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes betrachtet, so dass ein besonders wirtschaftlicher Betrieb gewährleistet ist, heißt es von Seiten des Umweltbundesamtes. Die Gebäudehülle sei so dick gedämmt, dass der Heizenergiebedarf unter 15 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr liege, das sei etwa ein Viertel des Bedarfs eines vergleichbaren, konventionellen Neubaus.
Neben den hohen energetischen Anforderungen werde großer Wert auf die ökologischen Aspekte gelegt. "Schadstofffreie Baustoffe kommen zum Einsatz, und der gesamte Rohbau samt Fassade ist aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff, gefertigt", heißt es in der Erklärung. Das Gebäude werde nach dem Bewertungssystem "Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude" (BNB) zertifiziert und soll den höchsten Standard in Gold erreichen.
Das UBA hat seinen Hauptsitz in Dessau-Roßlau. In der Berliner Zweigstelle sind Labore der Wasserforschung und dazugehörige Büros untergebracht.
Reaktionen
Katherina Reiche (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium (BMU), kommentierte: "Der Gebäudebereich spielt eine Schlüsselrolle beim Klima- und Ressourcenschutz. Der UBA-Neubau ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Bauen mit hohen ökologischen Standards auch in Bürogebäuden umgesetzt werden kann."
UBA-Präsident Jochen Flasbarth sagte: "Ökologie und Ökonomie sind auch bei größeren Bürogebäuden kein Widerspruch mehr. Mit richtiger Planung lassen sich nachhaltige Lösungen finden, die sich wirtschaftlich rechnen und auch architektonisch attraktiv sind."
awr
Hinweis: Weitere Analysen, Standpunkte und Interviews zum Thema finden Sie im EURACTIV.de-YellowPaper "Stadt der Zukunft" (Dezember 2011).
Links
EU: Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (19. Mai 2010)
EU-Kommission: Vorschlag für die EU-Richtlinie zur Energieeffizienz und zur Aufhebung der Richtlinien 2004/8/EG und 2006/32/EG, KOM/2011/0370 (2011)
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