OECD und FAO: Rohstoffe und Lebensmittel teurer
Die Lebensmittelpreise steigen weiter und die starken Schwankungen auf den Rohstoffmärkten halten an. Der Biokraftstoff spielt dabei eine entscheidende, unrühmliche Rolle. Das prognostizieren internationale Experten im "Landwirtschaftsausblick 2011 – 2020". Die G20-Landwirtschaftsminister haben das Thema nächste Woche auf der Agenda. EURACTIV.de veröffentlicht den Entwurf der durchgesickerten G20-Ministererklärung.
Die Lebensmittelpreise steigen weiter und die starken Schwankungen auf den Rohstoffmärkten halten an. Der Biokraftstoff spielt dabei eine entscheidende, unrühmliche Rolle. Das prognostizieren internationale Experten im „Landwirtschaftsausblick 2011 – 2020“. Die G20-Landwirtschaftsminister haben das Thema nächste Woche auf der Agenda. EURACTIV.de veröffentlicht den Entwurf der durchgesickerten G20-Ministererklärung.
Die Autoren der Studie "Landwirtschaftsausblick 2011 – 2020" prognostizieren für die kommenden zehn Jahre steigende Lebensmittelpreise und starke Schwankungen auf den Rohstoffmärkten. Getreide könnte im Vergleich zu den Jahren 2001 bis 2010 inflationsbereinigt um etwa 20 Prozent teurer werden, Fleisch sogar um 30 Prozent.
Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO wurde heute in Paris vorgestellt.
Preistreiber: Biokraftstoff
Als Gründe benennt die Studie höhere Erzeugerkosten, schwächeres Wachstum und gestiegene Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen. "Die Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 etwa 13 Prozent des Getreides, 15 Prozent der pflanzlichen Öle und 30 Prozent der gesamten Zuckerrohrproduktion für die Herstellung von Kraftstoffen verwendet werden wird", heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.
Die steigenden Rohstoffpreise würden in den meisten Ländern die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. In einigen Entwicklungsländern könnte dieser Preisauftrieb die wirtschaftliche Stabilität und die Ernährungssicherheit gefährden, heißt es in der Studie.
Unterstützung für Sarkozy
OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte mit Blick auf die Ergebnisse der Studie die Regierungen dazu auf, "die Information und Transparenz nicht nur der Finanz-, sondern auch der Rohstoffmärkte zu stärken; Investitionen zu fördern, die zu höherer Produktivität in Entwicklungsländern führen können; handelsverzerrenden Maßnahmen abzuschwören und den schwächsten Ländern dabei zu helfen, besser mit der Unsicherheit der Märkte umzugehen."
Wenige Tage vor dem Treffen der G20-Landwirtschaftsminister stützt diese Studie damit auch die Position von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Er hatte diese Woche erneut auf die Regulierung und mehr Transparenz der internationalen Rohstoffmärkte gedrängt (EURACTIV.de vom 14. Juni 2011). Bereits Anfang Juni haben zehn internationale Organisationen zur Vorbereitung des G20-Treffens die Studie "Price Volatility in Food and Agricultural Markets: Policy Responses" veröffentlicht.
Oxfam mit Kritik und Forderungen
Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei der Entwicklungsorganisation Oxfam, kritisiert den Bericht von OECD und FAO. "Der Bericht ignoriert die Auswirkungen des Klimawandels auf die landwirtschaftliche Produktion. Die Politik muss sich dieser enormen Herausforderung entschlossen stellen und das aus dem Ruder gelaufene Ernährungssystem grundlegend reformieren."
Wiggerthale fordert in diesem Zusammenhang, dass die G20-Agrarminister diese Lücken bei ihrem Treffen nächste Woche füllen. "Die Reform der fehlgeschlagenen Biosprit-Politiken und der Aufbau von Nahrungsmittelreserven in Entwicklungsländern, um sich gegen extreme Preisschwankungen zu schützen, müssen ganz oben auf der G20-Agenda stehen", so Wiggerthal.
G20-Ministererklärung
Die Agrarminister der 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) werden das Thema Preisschwankungen bei Lebensmitteln und Rohstoffen bei ihrem Treffen am 22. und 23. Juni in Paris diskutieren. Der Entwurf der G20-Ministererklärung "Action plan on food price volatility and agriculture" ist bereits durchgesickert und
hier abrufbar.
mka
Workshop zur Ressourceneffizienz
EURACTIV.de veranstaltet in Kooperation mit dem Nickel Institute und der Unternehmensinitiative Metalle pro Klima in der WirtschaftsVereinigung Metalle einen Dialog-Workshop zur nachhaltigen Gestaltung der europäischen Industriegesellschaft:
Europäischer Industrie-Dialog Brüssel-Berlin
"Ressourceneffizienz – ist weniger immer mehr?"
Datum: Mittwoch, 22. Juni 2011
Uhrzeit:10:00–12:00 Uhr, Mittagessen im Anschluss
Ort: Haus der Bundespressekonferenz, Raum 0107, Schiffbauerdamm 40, Berlin
Weitere Informationen mit der Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
Links
OECD und FAO: Agrarprodukte bleiben teuer (17. Juni 2011)
G20-Ministererklärung:
Action plan on food price volatility and agriculture (Stand: 14. Juni 2011)
G20-Report: Price Volatility in Food and Agricultural Markets: Policy Responses (2. Juni 2011)
Weitere Beiträge zum Thema auf EURACTIV.de
Rohstoffmärkte: Sarkozy drängt auf Regulierung (14. Juni 2011)