Papandreou übersteht Vertrauensabstimmung
Auf dem Weg zu weiteren Hilfen seiner Euro-Partner hat Griechenland eine erste Hürde genommen. Das Parlament gab der sozialistischen Regierung in der Nacht zum Mittwoch Rückendeckung für den mit EU und IWF vereinbarten Sparkurs. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso reagierte mit Erleichterung.
Auf dem Weg zu weiteren Hilfen seiner Euro-Partner hat Griechenland eine erste Hürde genommen. Das Parlament gab der sozialistischen Regierung in der Nacht zum Mittwoch Rückendeckung für den mit EU und IWF vereinbarten Sparkurs. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso reagierte mit Erleichterung.
Das neue Kabinett von Ministerpräsident Giorgos Papandreou erhielt nach mehrstündiger Debatte alle 155 Stimmen des Regierungsblocks. 143 Abgeordnete stimmten mit Nein, zwei nahmen an der Abstimmung nicht teil.
Trotz der zunehmenden Appelle auch deutscher Unionspolitiker stimmte die konservative Opposition geschlossen mit Nein und verweigerte damit weiter jede Unterstützung für die Einschnitte, die die Euro-Staaten angesichts der tiefen wirtschaftlichen und strukturellen Krise des Landes zur Voraussetzung für weitere Kredite gemacht haben. Vor dem Parlament demonstrierten auch noch mitten in der Nacht mehr als 20.000 Menschen gegen die Sparpläne. Im Umfragen rutschte Papandreous Partei Pasok hinter die Konservativen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso reagierte mit Erleichterung auf den Ausgang der Vertrauensfrage: "Das griechische Parlament hat ein Element der Unsicherheit in einer ohnehin schwierigen Situation beseitigt", lobte er. Papandreou könne sich nun voll auf die geplanten Reformen konzentrieren.
Der sozialistische Ministerpräsident ermahnte die Abgeordneten in eindringlichen Worten, die Folgen ihrer Entscheidung zu bedenken. "Wenn wir aus Angst handeln, wenn wir diese Gelegenheit verstreichen lassen, dann wird das Urteil der Geschichte über uns hart ausfallen", sagte er in seiner Rede unmittelbar vor der Abstimmung.
Die Euro-Zone hat damit gedroht, die nächste Hilfstranche von zwölf Milliarden Euro zu stoppen, wenn Griechenland nicht binnen zwei Wochen die nächste Sparrunde beschließt. Ohne das Geld kann die Regierung weder Gehälter noch Rechnungen bezahlen oder seinen Schuldendienst erfüllen. Das Paket ist auf fünf Jahre ausgelegt und soll über Steuererhöhungen, Privatisierungen und Ausgabensenkungen 28 Milliarden Euro erlösen.
Das Kabinett werde am Mittwochnachmittag zusammentreten, um einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Maßnahmen zu beschließen, sagten Regierungsvertreter. Diese zweite Sparrunde muss bis zum nächsten Treffen der Euro-Zone-Finanzminister am 3. Juli verabschiedet sein. Griechenland hat für die ersten Hilfen vor einem Jahr bereits weitreichende Maßnahmen zugesagt, einiges davon aber nicht erfüllt.
"Ich sehe, wie mein Land verkauft wird"
Die Demonstranten auf dem Platz vor dem Parlament waren sich in ihrer Ablehnung des Sparkurses einig. Sie signalisierten in Worten und Gesten Verachtung für die politische Führung und hatten einen Galgen mitgebracht, an dem mehrere Schlingen baumelten. Mit grünen Laserlampen blendeten sie die in großer Zahl angerückten Polizisten. "Ich finde, wir sollten insolvent gehen und das Ganze hinter uns bringen", sagte die 22-jährige Studentin Efi Koloverou. "Diese Maßnahmen bringen uns langsam um. Wir wollen, dass kompetente Leute das Ruder übernehmen." Auch die 39-jährige Arbeitslose Glykeria Madaraki traut der Politik keine Lösung zu und fordert Wahlen: "Diese Leute werden uns nie und nimmer aus der Krise führen. Ich sehe, wie mein Land verkauft wird."
Ähnlich klang die Opposition im Parlament: "Das ist kein Programm zur Rettung der Wirtschaft", schimpfte in der Debatte der Chef der Linken Koalition, Alexis Tsipras. "Das ist ein Programm zur Plünderung vor dem Bankrott."
EURACTIV/rtr/dto
Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.
Links
Dokumente
IWF: Opening Remarks by Mr. John Lipsky, Acting Managing Director, IMF Press Conference at the Conclusion of the Euro Area Article IV Mission 2011 (20. Juni 2011)
IWF: Concluding Statement of the IMF Mission on Euro-Area Policies (20. Juni 2011)
Ecofin: Statement zu Griechenland (20. Juni 2011)
Bundesregierung: Video der Pressebegegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Staatspräsidenten der Französischen Republik, Nicolas Sarkozy (17. Juni 2011)
EU-Kommission: Statement by Commissioner Rehn on Greece (16. Juni 2011)
EU-Kommission: José Manuel Durão Barroso President of the European Commission Press conference in advance of the European Council (21. Juni 2011)
Grüne: Kleine Anfrage an die Bundesregierung (7. Juni 2011)
IWF: Statement by the European Commission, the ECB and IMF on the Fourth Review Mission to Greece (3. Juni 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
ESM-Vertrag: EU einig zum Euro-Rettungsfonds (20. Juni 2011)
Übersicht: Griechenland-Engagement der Banken (20. Juni 2011)
Eurogruppe vertagt Griechenland-Hilfe (20. Juni 2011)
Merkel und Sarkozy dringen auf schnelle Griechenland-Hilfe (17. Juni 2011)
Wie tief stecken die Finanzinstitute drin? (17. Juni 2011)
Griechenland-Hilfe: Juncker drängt Merkel zur Eile (17. Juni 2011)
Griechenland-Hilfe: Deutschland will Zeit gewinnen (16. Juni 2011)
Papandreou kündigt Regierungsumbildung an (16. Juni 2011)
Henkel: "Der Euro war ein Fehler" (15. Juni 2011)
Griechenland-Rettung wird vertagt (15. Juni 2011)
Spöri: Die Rebellion der Jugend in Europa ist berechtigt (14. Juni 2011)
Griechenland: "Wir werden diesen Krieg gewinnen" (14. Juni 2011)
S&P-Rating: Griechenland am Rande der Pleite (14. Juni 2011)
Griechenland: "Privatisierungen in Siegermacht-Manier" (10. Juni 2011)
Neue Griechenland-Hilfe: "Schäubles Trojanisches Pferd" (10. Juni 20119
Regierungsfraktionen stimmen für neue Griechenland-Hilfen (10. Juni 2011)
Jetzt erst recht: Die Vereinigten Staaten von Europa (10. Juni 2011)
Allianz-Chefvolkswirt: "Problem Griechenland ist lösbar" (9. Juni 2011)
Schäuble: Griechenland muss umschulden (8. Juni 2011)
Michelbach (CSU) drängt auf Privatisierungsagentur für Griechenland (6. Juni 2011)
Aufatmen in Athen: IWF zahlt weiter (3. Juni 2011)
EU-Finanzministerium? Berlin ist skeptisch (3. Juni 2011)
Allianz skizziert Rettungsplan für Griechenland (3. Juni 2011)
Eine Treuhand für Griechenland? (19. Mai 2011)
EURACTIV.de-Interviews zur europäischen Schuldenkrise
Fuest zu Europas Schuldenkrise: "Die Lage ist kritisch". Interview mit Clemens Fuest (Oxford) (4. Juni 2011)
Europas Schuldenkrise: "Banken nötigen die Politik" (13. Mai 2011)
Holznagel zur Eurokrise: "Merkel hat Weg zur Haftungsgemeinschaft geebnet" (20. April 2011)
Neumann: "Umschuldung Griechenlands unabdingbar". Interview mit Manfred Neumann (19. April 2011)
"Herr Katainen wird die Euro-Rettung nicht gefährden". Interview mit Risto Tähtinen (18. April 2011)
Europäische Schuldenkrise: "Der Kern des Problems liegt im Bankensektor". Interview mit Kai Konrad (7. April 2011)
"Irland-Hilfe nicht vertretbar".Interview mit Wolfgang Gerke (31. März 2011)
"Der ESM ist nicht alternativlos". Interview mit Andreas Haufler (23. März 2011)