Parlament will Klonen von Tieren in der Nahrungsmittelproduktion verbieten [DE]

Das Europäische Parlament forderte gestern (3. September 2008) die Kommission dazu auf, Vorschläge vorzulegen, die das Klonen von Tieren in der Nahrungsmittelproduktion verbieten. Dem war ein Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit vorausgegangen, in dem sich die Behörde äußerst verhalten zu diesem Thema geäußert hatte.

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Das Europäische Parlament forderte gestern (3. September 2008) die Kommission dazu auf, Vorschläge vorzulegen, die das Klonen von Tieren in der Nahrungsmittelproduktion verbieten. Dem war ein Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit vorausgegangen, in dem sich die Behörde äußerst verhalten zu diesem Thema geäußert hatte.

Der Beschluss des Parlaments wurde mit 622 Zustimmungen, 25 Gegenstimmen und 25 Enthaltungen angenommen. 

Er fordert ein EU-weites Verbot von Nahrungsmitteln, die von geklonten Tieren stammen, der Zucht von geklonten Tieren und ihren Nachkommen zum Zweck der Lebensmittelversorgung, der Vermarktung von Fleisch- oder Milchprodukten, die von geklonten Tieren oder ihren Nachkommen stammen, und der Einfuhr von geklonten Tieren, ihren Nachkommen, Samen oder Embryonen sowie Fleisch- und Milchprodukten von geklonten Tieren oder ihren Nachkommen. 

Dieser Schritt folgt der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die sich sehr verhalten zu den Auswirkungen des Klonens von Tieren auf die Lebensmittelsicherheit, die Gesundheit der Tiere und die Umwelt (EURACTIV vom 25. Juli 2008) geäußert hatte.

Die EFSA stellte zwar fest, dass Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit unwahrscheinlich sind, warnte allerdings, dass die Risikoeinschätzung aus Mangel an zugänglichen Daten nur bedingt verlässlich sei und zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden müsse. Der Bericht der EFSA hob auch die bedeutenden Probleme in Bezug auf die Gesundheit und das Wohlergehen hervor, denen geklonte Tiere im Vergleich zu konventionell gezüchteten Tieren ausgesetzt seien. 

Die Europaabgeordneten betonten deshalb das Risiko, dass ganze Tierherden von Krankheiten befallen und dezimiert werden könnten. Sie wiesen auf die EU-Richtlinie über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere hin, die alle natürlichen oder künstlichen Zuchtmethoden verbietet, die den Tieren Leiden oder Schäden zufügen oder zufügen könnten, und sprachen sich dafür aus, dass diese als Grundlage für ein Verbot dienen könnte. 

Zurzeit werden keine Nahrungsmittel, die von geklonten Tieren stammen, in Europa oder anderswo in der Welt vermarktet. Allerdings glauben Experten, dass dies bis 2010 besonders für den US-amerikanischen Markt der Fall sein könnte. Dort hat die Food and Drug Administration im Januar dieses Jahres festgestellt, dass Fleisch und Milch von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen und ihren Nachkommen genauso ungefährlich seien wie die Produkte von konventionell gezüchteten Tieren.

Es sei allerdings nicht nur eine Frage der Lebensmittelsicherheit. Vielmehr hätte man in Europa den Anspruch, Nahrungsmittel von hoher Qualität herzustellen, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsauschusses im Europäischen Parlament Neil Parish (EVP-ED). Dabei betonte er die Notwendigkeit, die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere sowie das Vertrauen der Verbraucher zu schützen und zu stärken.

EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Androula Vassiliou sagte, die Kommission werde die wissenschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich genau beobachten. Man sei sich bewusst, dass das Klonen, wie sehr sich auch seine Effizienz in den letzten Jahren erhöht haben möge, immer noch negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere habe. 

Sie fügte hinzu, dass die Kommission nun die nächsten Schritte plane, die unternommen werden müssten, und dabei die Meinung der European Group of Ethics berücksichtigen werde. Diese hatte festgestellt, dass es derzeit keine überzeugenden Argumente für die Nahrungsmittelproduktion aus geklonten Tieren und ihren Nachkommen gebe (EURACTIV vom 18. Januar 2008).