Plagiatsaffäre: Koch-Mehrin tritt von allen Spitzenämtern zurück

Nach Plagiatsvorwürfen tritt die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin den Rückzug an.

Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin tritt von allen politischen Ämtern zurück, bleibt aber EU-Abgeordnete. Foto: EP (Archiv)
Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin tritt von allen politischen Ämtern zurück, bleibt aber EU-Abgeordnete. Foto: EP (Archiv)

Nach Plagiatsvorwürfen tritt die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin den Rückzug an.

Die 40-Jährige teilte in einer knappen schriftlichen Erklärung mit, sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde. Die FDP-Politikerin legte ihr Amt als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament, als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und als Präsidiumsmitglied der FDP nieder.

Als Favorit für die Nachfolge an der Spitze der FDP im EU-Parlament gilt Alexander Graf Lambsdorff.

In einer ersten Reaktion äußerte sich FDP-Generalsekretär Christian Lindner reserviert: "Wir haben die Entscheidung von Silvana Koch-Mehrin zur Kenntnis genommen und danken ihr für den langjährigen Einsatz für die liberale Sache", sagte Lindner den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe.

Die Universität Heidelberg prüft derzeit Vorwürfe, Koch-Mehrin habe in ihrer im Jahr 1999 eingereichten Dissertation an mehreren Stellen abgeschrieben. Die FDP-Politikerin forderte für sich in ihrer Rücktrittserklärung eine vertrauliche Untersuchung der Vorwürfe. "Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe", erklärte sie.

Plagiatsjäger hatten auf rund einem Drittel der Seiten von Koch-Mehrins Dissertation verdächtige Stellen gefunden (EURACTIV.de vom 12. Mai 2011).

Universität Heidelberg: Entscheidung bis Anfang Juni

Die einstige liberale Hoffnungsträgerin ist der zweite Spitzenpolitiker, der über seinen Doktorhut stolpert. Am Mittwoch hatte die Universität Bayreuth ausführlich begründet, warum sie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den akademischen Titel entzogen hatte. Die Untersuchungskommission wirft dem ehemaligen CSU-Politiker in ihrem Bericht vor, vorsätzlich getäuscht zu haben.

Der Promotionsausschuss der Uni Heidelberg prüft seit einigen Tagen, ob Koch-Mehrin die Doktorwürde entzogen werden muss. Ihr war dazu eine Frist für eine Stellungnahme gesetzt worden. Die Universität will die Prüfung Ende Mai oder Anfang Juni abschließen. Koch-Mehrin hatte die Dissertation "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik. Die Lateinische Münzunion zwischen 1865 und 1927" im Jahr 2001 veröffentlicht.

Ebenfalls ins Visier der Plagiats-Jäger geraten war Veronica Saß, Tochter des EU-Antibürokratiebeauftragten Edmund Stoiber. Die Universität Konstanz hat entschieden, ihr den Doktortitel zu entziehen.

EURACTIV/rtr/awr

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Zeitung: Koch-Mehrin verliert Doktortitel (10. Mai 2011)