Plagiatsaffäre: Silvana Koch-Mehrin verliert Doktortitel
Der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wird der Doktortitel entzogen. Dies beschloss die Universität Heidelberg nach "intensiver Prüfung" der Doktorarbeit, einer schriftlichen Stellungnahme und einer persönlichen Anhörung der Autorin. Auf etwa 80 Textseiten seien über 120 Stellen zu finden, die als Plagiate zu klassifizieren sind.
Der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wird der Doktortitel entzogen. Dies beschloss die Universität Heidelberg nach „intensiver Prüfung“ der Doktorarbeit, einer schriftlichen Stellungnahme und einer persönlichen Anhörung der Autorin. Auf etwa 80 Textseiten seien über 120 Stellen zu finden, die als Plagiate zu klassifizieren sind.
Das Ergebnis der mehrwöchigen Untersuchung der Plagiatsvorwürfe gegen die Europapolitikerin teilte der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Manfred Berg, Silvana Koch-Mehrin am Mittwoch mit.
Berg erklärte dazu: "Das vom Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät geprüfte Material belegt eindeutig, dass die im Jahre 2000 von Frau Koch-Mehrin vorgelegte und von der Philosophisch-Historischen Fakultät angenommene Dissertation ‚Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865-1927‘ in substanziellen Teilen aus Plagiaten besteht."
Auf rund 80 Textseiten der Dissertation finden sich über 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind. Diese Plagiate stammten aus über 30 verschiedenen Publikationen, von denen zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden sind.
"Systematischer Charakter"
Die "Quantität und Qualität" der nachweisbaren Plagiate lege "zwingend die Schlussfolgerung nahe", dass die Dissertation keine "selbstständige wissenschaftliche Arbeit" im Sinne der Promotionsordnung der Fakultät und des Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg darstelle, so Berg. "Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat."
Aberkennung zwingend
Der Promotionsausschuss sei sich darüber im Klaren, dass "der Entzug des Doktortitels eine schwerwiegende Maßnahme darstellt, und hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht", so Berg. Auf der Grundlage der dargelegten Prüfungsergebnisse halte der Ausschuss die Aberkennung des Doktorgrades jedoch für zwingend.
Anfang Mai war Koch-Mehrin von allen Spitzen-Ämtern zurückgetreten. Plagiatsjäger hatten auf rund einem Drittel der Seiten von Koch-Mehrins Dissertation verdächtige Stellen gefunden. Die Internetplattform Vroni-Plag kommt derzeit zu dem Ergebnis, dass sich auf 34 Prozent der Seiten Plagiate finden.
Auch der FDP-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis ist ins Visier der Internetplattform geraten. Die Zahl der in seiner Doktorarbeit gefundenen Plagiate hat sich inzwischen wieder dramatisch erhöht. VroniPlag zufolge finden sich auf etwa 71 Prozent der Seiten Plagiate. Mitte Mai waren es noch 37 Prozent (EURACTIV.de vom 16. Mai 2011).
dto
Links
Dokumente
Universität Heidelberg: Silvana Koch-Mehrin – Universität Heidelberg beschließt die Entziehung des Doktorgrades (15. Juni 2011)
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