Privatbahnen auch in Österreich

Auch auf der Schiene in Österreich herrscht nun Wettbewerb im Personenverkehr, Privatbahnen machen dem Monopolisten ÖBB Konkurrenz. EU-Verkehrspolitiker sollen sich der katastrophalen Lage im Italienverkehr annehmen.

Das Reisen in vollen Zügen genießen – und nicht aufs Internet verzichten. Foto: dpa
Das Reisen in vollen Zügen genießen – und nicht aufs Internet verzichten. Foto: dpa

Auch auf der Schiene in Österreich herrscht nun Wettbewerb im Personenverkehr, Privatbahnen machen dem Monopolisten ÖBB Konkurrenz. EU-Verkehrspolitiker sollen sich der katastrophalen Lage im Italienverkehr annehmen.

Seit Sonntag herrscht auf der Bahnstrecke zwischen Wien und Salzburg im Personenverkehr Wettbewerb. Erstmals in der Geschichte gibt es damit neben den Zügen der staatlichen Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auch Züge eines privaten Anbieters, der so genannten "Westbahn Management AG" (www.westbahn.at).

Diese neue Westbahn bietet im Stundentakt eine Schnellverbindung von Wien zu den drei Landeshauptstädten St. Pölten, Linz, Salzburg – und das zum halben Preis eines normalen ÖBB-Tickets. Die Konsumenten auf der so genannten Westachse sind vorerst die Nutznießer des Konkurrenzkampfes, haben sie doch pro Stunde gleich drei Verbindungen in jeder Richtung zur Auswahl.

Fahrgäste profitieren von der Konkurrenz

Initiiert wurde diese private Bahngesellschaft bereits 2008 vom Unternehmer-Tycoon Hans Peter Haselsteiner (Vorstandsvorsitzender der Strabag AG, einem der größten Baukonzerne in der EU), der durch seine Privatstiftung auch selbst an der Gesellschaft beteiligt ist. Die Leitung hat mit Stefan Wehinger ein ehemaliger ÖBB-Mitarbeiter mit viel Bahn-Know-how inne. Mit an Bord wurde diesen Herbst auch die französische Bahngesellschaft SNCF geholt.

Der private Bahnbetreiber hat sich für seinen Erstauftritt die lukrativste Strecke ausgesucht und rechnet bald mit guten Betriebsergebnissen. Die Nachfrage zu Startbeginn war groß, was den Appetit auf weitere Konkurrenzstrecken erhöhen dürfte. Interesse dafür hat die "Westbahn AG" bereits angemeldet. Voraussetzung ist allerdings, dass der Bund weitere Bahnstrecken für den Privatbetrieb ausschreibt.

Der Monopolist reagiert mit Angebotskürzungen

Der Platzhirsch ÖBB (www.oebb.at) reagierte auf die Tatsache, dass er das Schienennetz mit einem privaten Konkurrenten teilen muss, so wie dies Monopolunternehmen in der Regel tun, wenn sie plötzlich zum Wettbewerb herausgefordert werden: Dem Mitanbieter werden alle erdenklichen Hindernisse in den Weg gelegt.

Auf die neue Herausforderung haben die ÖBB nicht mit einer Gegenoffensive geantwortet, sondern mit der Verschlechterung ihres innenösterreichischen Zugsangebots.

Während man in Europa den so genannten Taktfahrplan forciert, haben die ÖBB mit dem am Sonntag erfolgten Fahrplanwechsel etwa den Direktanschluss von Graz mit Salzburg auf nur noch drei täglich verkehrende Zugspaare reduziert. Zwischen den beiden größten Landeshauptstädten, nämlich Graz und Linz, gibt es trotz massiver Proteste schon seit einem Jahr keine Direktverbindung. Reisende müssen auf Regionalzüge umsteigen, die auf knapp 250 Kilometern fast zwanzig Mal halten.

Ein spezielles Stiefkind ist, so der Verkehrsclub Österreich (www.vcoe.at), die Südstrecke von Wien nach Graz beziehungsweise Klagenfurt, und das trotz beachtlicher Bevölkerungsdichte.

"Italienische Bahn-Blockade" fordert die EU heraus

Auch der Verkehr über die Grenzen hinweg ist ein Stiefkind. Von Linz über Budweis nach Prag oder von Graz nach Budapest fährt man mit der Bahn fast doppelt so lang wie mit dem Auto. Die Fahrt nach Slowenien, Kroatien und vor allem Italien lässt vergessen, dass es das grenzenlose Reisen und Schengen gibt. Obwohl die wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte Österreichs nach Zagreb und Ljubljana sehr eng sind, fehlen Tagesrandverbindungen in diese Hauptstädte.

Katastrophal ist die Situation im Verkehr mit Italien, wovon auch Deutschland und Slowenien betroffen sind. Die staatliche italienische Bahn FS führt nämlich untertags keine grenzüberschreitenden Personenzüge. Wer von Wien nach Venedig oder von München nach Triest will, kann mit der Bahn nur bis Villach fahren, muss dort in einen Bus umsteigen, der neben (!) der Hochgeschwindigkeitsstrecke die Passagiere nach Italien befördert. Erst in Udine kann man wieder in einen Zug nach Triest bzw. in Venedig nach Rom umsteigen.

"Hier ist auch die EU gefordert, bestehende Hindernisse für den  internationalen Bahnverkehr zu beseitigen", fordert der Verkehrsclub Österreich und hofft, dass endlich auch die EU-Verkehrspolitiker Maßnahmen ergreifen, um die "italienische Bahn-Blockade" zu beseitigen.

Herbert Vytiska (Wien)