Quantentechnologien: Deutschland will zu USA und China aufschließen

Deutschland will beim Thema Quantentechnologie eine Spitzenposition einnehmen und zu China und den USA aufschließen. Die Bundesregierung hat hierzu ein Handlungskonzept erarbeitet, das am Donnerstag (11. Mai) an den federführenden Ausschuss im Bundestag überwiesen wurde.

Euractiv.de
„Quantentechnologien faszinieren die Menschen in Wissenschaft und Forschung seit rund 100 Jahren. Für uns erscheinen diese weit jenseits unserer täglichen Realität, und doch bergen sie enormes Anwendungspotential für Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft“, äußerte Mario Brandenburg, Beauftragter für Transfer und Ausgründungen aus der Wissenschaft im BMBF, gegenüber EURACTIV. [reisezielinfo / Shutterstock]

Deutschland will beim Thema Quantentechnologie eine Spitzenposition einnehmen und zu China und den USA aufschließen. Die Bundesregierung hat hierzu ein Handlungskonzept erarbeitet, das am Donnerstag (11. Mai) an den federführenden Ausschuss im Bundestag überwiesen wurde.

Das  „Handlungskonzept Quantentechnologien der Bundesregierung“ geht auf das Potenzial, die Herausforderungen und die Mittelplanung der Quantentechnologien, als Teil der deutschen technologischen Souveränität, ein. 

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland derzeit bei Publikationen und Patenten in der Quantentechnologie auf Platz vier und damit hinter den USA und China. 

„Unser Ziel ist es deshalb, Deutschland in den Quantentechnologien an der Weltspitze zu etablieren, und dafür setzt das „Handlungskonzept Quantentechnologien“ der Bundesregierung den neuen strategischen Rahmen“, so Mario Brandenburg, Staatssekretär im zuständigen Ministerium für Bildung und Forschung, gegenüber EURACTIV.

Das internationale Wettrennen im Bereich der Quantencomputer geht vor allem auf deren stark erhöhte Leistungsfähigkeit im Vergleich zu gewöhnlichen Supercomputern zurück. Dadurch können auch neue Anwendungsbereiche in Bereichen wie etwa künstlicher Intelligenz erschlossen werden.

Da diese Art der Technologie auch Verschlüsselungen brechen kann, haben Quantencomputer zudem nicht nur einen kommerziellen, sondern auch einen strategischen Wert.

Das Handlungskonzept der Ampel 

„Quantentechnologien faszinieren die Menschen in Wissenschaft und Forschung seit rund 100 Jahren. Für uns erscheinen diese weit jenseits unserer täglichen Realität, und doch bergen sie enormes Anwendungspotential für Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagte Brandenburg gegenüber EURACTIV.

Das vierzig seitige Dokument sieht für Deutschland eine aktive Mitgestaltung des Technologiesprungs vor, um die digitalen Möglichkeiten zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen in Klimaforschung, Energie, Gesundheit, Mobilität und Sicherheit voll ausschöpfen zu können. 

„Für ein zukunftsfähiges und technologisch souveränes Deutschland ist es entscheidend, kommende Technologien und deren Potenziale möglichst früh zu identifizieren, exzellente Rahmenbedingungen für die künftige Ausgestaltung und Nutzung zu schaffen und den Technologiesprung aktiv mitzugestalten“, so steht es im Handlungskonzept.

Zur Finanzierung der Weiterentwicklung sind daher Haushaltsmittel in Höhe von ca. 2,18 Milliarden Euro vorgesehen. Weitere 850 Millionen. Euro sollen, laut Papier, von Wissenschaftsorganisationen beigesteuert werden.

Um Deutschland in der Entwicklungsphase voranzubringen, hat sich die Ampel zudem Meilensteine für den politischen Gestaltungsrahmen gesetzt, die bis 2026 erreicht werden sollen.  

„Wir wollen im Sinne der technologischen Souveränität bis 2026 international wettbewerbsfähige universelle Quantencomputer verfügbar machen und die dafür leistungsfähige Spezialhardware selbst in Deutschland herstellen“, erklärte Holger Mann, stellvertretender Sprecher der SPD für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung gegenüber EURACTIV.

Damit die Chancen der Quantentechnologien für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat optimal zu genutzt werden können, beziehen sich die Meilensteine auf die drei Handlungsfelder des Konzeptpapiers: Quantentechnologien in die Anwendung zu bringen, Technologieentwicklung zielgerichtet voranzutreiben und exzellente Rahmenbedingungen für ein starkes Ökosystem zu schaffen.

„Dafür müssen wir Fachkräfte ausbilden, werden als Staat drei Milliarden Euro mehr investieren und Gründer:innen aus der Forschung unterstützen“, so Mann.

Im Bereich des Quantencomputing soll Deutschland technologisch nicht nur zu den führenden Akteuren im Quantencomputing außerhalb der EU aufschließen, sondern auch bei der Entwicklung des unternehmerischen Ökosystems für Quantencomputing mindestens das Niveau wichtiger außereuropäischen Industrieländer wie den USA erreichen.

In den nächsten drei Jahren sieht das Handlungskonzept der Bundesregierung vor, „made in Germany“ als weltweiten Qualitätsmerkmal der Quantentechnologie zu etablieren. 

Schwachstellen

Kritik zum Handlungskonzept kommt vonseiten der CDU/CSU, Bündnis90/Die GRÜNEN und DIE LINKE. 

„Die große Herausforderung ist nach wie vor der Transfer von der Grundlagenforschung in die angewandte Forschung bis hin zum Markt“, so Katrin Staffler, CDU/CSU Abgeordnete.

Die CDU/CSU Abgeordnete sieht in dem Handlungskonzept der Ampel vor allem den Ausschluss von auf dem Markt agierenden Start-ups und Unternehmen als Schwachstelle. 

„Es reicht auch nicht aus, nur in die Forschung und den Transfer zu investieren, sondern wir müssen vor allem die Talente durch attraktive Angebote fördern“, so Staffler. 

Dem Handlungskonzept fehle auch ein Bezug auf den europäischen Kontext und es mangle an europäischen länderübergreifenden Synergien.

„Technologiekooperationen sind deshalb wichtig und auch notwendig, nicht nur innerhalb der Europäischen Union, sondern auch mit der führenden Nation auf diesem Feld, den USA“, sagte Staffler gegenüber EURACTIV.

Seitens der Grünen hob Tobias Bacherle hervor, dass die Bundesregierung sicherstellen müsse, dass die IT-Fachkenntnisse an die Masse der Bevölkerung gebracht werde und der Fachkraftabwanderung entgegengewirkt wird.

„Wir müssen die Breite der Bevölkerung mitnehmen“, so Bacherle in der Bundestagssitzung am Donnerstag.

Von der Linken wiederum wurde das Fehlen einer Folgeabschätzung kritisiert. Zudem sei der Vorschlag zu technokratisch ausgestaltet.

„Quantenalgorithmen können gängige Verschlüsselungen obsolete machen“, betonte Sitte in der Bundestagssitzung. Die Bundesregierung habe im Handlungskonzept nicht das Interesse der Sicherheits- und Verteidigungsbehörden berücksichtigt, welches grundsätzlich bei der technologischen Weiterentwicklung besteht. „Wir tragen hier die Verantwortung, wir müssen auch die Folgen solcher Anwendung abschätzen“, so Sitte.