REACH: Neue Studie wird 'Kampf der Lobbyisten' nicht beenden [DE]

Obgleich die KPMG-Studie über die Folgen der geplanten neuen EU-Chemikalienpolitik die Ergebnisse der Kommission im Großen und Ganzen bestätigt, wirft sie einige schwerwiegende Fragen bezüglich der Folgen für Unternehmen und Klein- und Mittelbetriebe sowie für nachgeschaltete Anwender auf.

Obgleich die KPMG-Studie über die Folgen der geplanten neuen EU-Chemikalienpolitik die Ergebnisse der Kommission im Großen und Ganzen bestätigt, wirft sie einige schwerwiegende Fragen bezüglich der Folgen für Unternehmen und Klein- und Mittelbetriebe sowie für nachgeschaltete Anwender auf.

Die REACH-Folgenabschätzung von KPMG für den Verband der europäischen Chemikalienindustrie (Cefic) und den Arbeitgeberverband UNICE wurde am 27. April veröffentlicht. 

In der endgültigen Fassung des Berichts betont KPMG, dass die Studie nicht darauf abziele, eine allgemeine Bewertung der makroökonomischen Folgen, etwa für das BIP oder die Beschäftigung, durchzuführen. Vielmehr liefere die Studie auf der Grundlage von Interviews mit Industrievertretern verschiedene Fallstudien. 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studien sind die folgenden:

  • Die Verdrängung von Chemikalien, welche als grundlegende Rohstoffe verwendet werden, wird als „unwahrscheinlich“ bewertet. Diese Feststellung widerspricht Vorwürfen der Industrie, wonach einige Produkte aufgrund steigender Kosten vom Markt verdrängt werden würden.
  • Die direkten Kosten für die Registrierung von Substanzen bei der künftigen Europäischen Chemikalienagentur würden für einzelne Chemikalienlieferanten jedoch „beträchtlich“ sein (20 % des jährlichen Umsatzes). Anderen wiederum werde es wahrscheinlich gelingen, die Registrierungskosten an ihre Kunden „weiterzugeben“, ohne dass dies größere Schwierigkeiten hervorrufen würde.
  • Mit Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit geht aus dem Bericht hervor, dass „sich der Anstieg der Produktionskosten auf zwischen 6 und 20 % belaufe“. Es handele sich hierbei jedoch um Kosten, die nur einmal bezahlt werden müssten. Außerdem könnten sie in Raten abbezahlt werden („4 % über fünf Jahre, anstatt 20 % im Laufe eines Jahres“).
  • „Standortverlagerungen allein aufgrund von REACH sind unwahrscheinlich“ – jedoch könnte REACH dazu führen, dass sich der Druck auf Unternehmen, der zu Standortverlagerungen führe, erhöhe. Dies dürfte insbesondere mit Hinblick auf Bedarfsartikel der Fall sein, heißt es in einer Anmerkung.
  • Die in Verbindung mit REACH entstehenden direkten Kosten würden wahrscheinlich „einen begrenzten Einfluss auf die Rentabilität nachgeschalteter Betriebe haben“. In einer Anmerkung jedoch wird hinzugefügt, dass „selbst ein geringer Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit ein ernstzunehmendes Thema sein würde“, angesichts der ohnehin geringen Verdienstspanne im Chemikaliensektor und des internationalen Wettbewerbsdrucks.
  • In Bezug auf Innovation stellt der Bericht fest, dass „keine Aufstockung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung zu erwarten ist“; es würde lediglich eine „begrenzte Umlagerung von Ressourcen“ stattfinden. 
  • Der Bericht stellt hinsichtlich der Umstellungsbemühungen, die für Unternehmen nötig sind, um REACH einhalten zu können, fest, dass es für große Chemikalienlieferanten eine „niedrige Schadenanfälligkeit“ gebe, was die Verfügbarkeit von chemischen Substanzen und Rohstoffen anbelangt. In Bezug auf die zwei Klein- und Mittelbetriebe, die an der Studie teilnahmen, wurde allerdings eine höhere Verletzbarkeit konstatiert.