Russland will gemeinsam mit der EU ukrainische Gasleitungen modernisieren
Der russische Botschafter bei der EU Vladimir Chizhov begrüßte gestern (6. April) gegenüber EURACTIV den Vorschlag der neuen Regierung in Kiew für einen "dreiseitigen" Plan zur Modernisierung des ukrainischen Ferngasleitungsnetzes unter Beteiligung Russlands.
Der russische Botschafter bei der EU Vladimir Chizhov begrüßte gestern (6. April) gegenüber EURACTIV den Vorschlag der neuen Regierung in Kiew für einen "dreiseitigen" Plan zur Modernisierung des ukrainischen Ferngasleitungsnetzes unter Beteiligung Russlands.
"Wir stellen uns einen dreiseitigen Ansatz für die Modernisierung vor: die Beteiligung Russlands, der EU und der ukrainischen Seite", erklärte der ukrainische Ministerpräsident Mykola Asarow am 2. April in Kiew.
Russland sei schon immer für eine derartige Zusammenarbeit gewesen, sagte Chizhov. Er begrüßte die Tatsache, dass die neuen Erklärungen aus Kiew anscheinend ein Abkommen vom März 2009 zwischen der Europäischen Kommission und der damaligen ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko rückgängig machen, bei dem Moskau außen vor geblieben war (siehe "Hintergrund").
"Verpfuschte" Erklärung
Diese von Chizhov als "verpfuscht" bezeichnete Erklärung sei zustande gekommen, obwohl die Idee eines dreiseitigen Konsortiums zwischen der Ukraine, Russland und Deutschland zur Umgestaltung des ukrainischen Transitsystems für Erdgas bereits seit einigen Jahren im Raum gestanden sei.
Wenn dies nun die Ukraine, Russland und die EU sei, umso besser, so Chizhov.
Die Planung jeglicher Großprojekte in diesem Bereich sei nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich, fügte der russische Diplomat hinzu.
"Als letzten März dieses Abkommen zur Modernisierung des Transitsystems für Erdgas zwischen der Europäischen Kommission und der damaligen ukrainischen Regierung ohne jegliche russische Beteiligung unterzeichnet wurde, warf das viele Fragen auf. Ziel war es, die Kapazitäten zu erhöhen, aber niemand fragte Russland, ob es das nötige Erdgas habe. Niemand fragte die Verbraucher in Europa, ob sie das Erdgas benötigten. Dies war ein ziemlich künstliches Unterfangen", erklärte Chizhov.
Auf die Frage, ob Projekte zur Umgehung der Ukraine – etwa die von Gazprom favorisierte Gas-Pipeline South Stream – angesichts verbesserter Beziehungen zwischen Moskau und Kiew an Bedeutung verlören, bestritt Chizhov, dass Russland Projekte angetrieben hatte, die die Ukraine umgehen sollten.
"Es hat keine Projekte gegeben, mit der die Ukraine umgangen werden sollte. Niemand in Russland hat gesagt, dass das ukrainische Transportsystem für Erdgas abgeschaltet oder abgebaut werden sollte. Im Gegenteil: Wir sind auf der Grundlage einer langfristigen Prognose für steigenden Erdgasverbrauch im westlichen Teil Europas vorgegangen", sagte er.
Langfristige Prognose
Der russische Diplomat räumte ein, dass die Erdgasnachfrage als "vorläufiges" Ergebnis der Weltwirtschaftskrise zurückgegangen sei. Sein Land arbeite allerdings weiter unter der Annahme, dass der Gasverbrauch in Westeuropa langfristig steigen werde.
"In Europa gibt es nichts, was mit Erdgas aus Pipelines konkurrieren könnte. Man kann endlos über LNG (Flüssigerdgas) diskutieren, aber in Europa wird Gas aus Pipelines immer billiger sein", sagte der russische Botschafter.
Chizhov schien zudem das Potenzial von Erdgas aus Ölschiefervorkommen zu verwerfen. Dieses wird derzeit in den USA entwickelt und soll die Gaspreise nach unten drücken.
Es habe Spekulationen über die sogenannte "Entdeckung" von Erdgas aus Ölschiefervorkommen gegeben, vor allem in den USA. Allerdings habe es da nicht viel zu entdecken gegeben, weil das Gas schon die ganze Zeit dort gewesen sei und die entsprechende Technologie ebenfalls vorhanden gewesen sei. Neu sei nur, dass es sich mit den höheren Gaspreisen wirtschaftlich rechnen und dem Wunsch der USA entsprechen könnte, ihre Abhängigkeit von importierter Energie zu begrenzen, kommentierte der Botschafter.