Schlechte Konjunkturaussichten: Deutschland schrammt knapp an Rezession vorbei
Das Wirtschaftswachstum Deutschlands bleibt alarmierend schwach. Während Experten vor der schwachen Konjunktur warnen, gibt sich die Bundesregierung optimistisch. Die USA forderten Deutschland auf, mit einer lockeren Haushaltspolitik die Nachfrage zu erhöhen.
Das Wirtschaftswachstum Deutschlands bleibt alarmierend schwach. Während Experten vor der schwachen Konjunktur warnen, gibt sich die Bundesregierung optimistisch. Die USA forderten Deutschland auf, mit einer lockeren Haushaltspolitik die Nachfrage zu erhöhen.
Allen pessimistischen Voraussagen zum Trotz erholt sich die deutsche Wirtschaft dem Wirtschaftsministerium zufolge langsam. „Wir erwarten keine Rezession“, sagte Jeromin Zettelmeyer, Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir gehen nicht von einem Minus im dritten Quartal aus.“ Im Frühjahr war das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 gesunken – zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession.
Eine erste Schätzung für den Zeitraum Juli bis September veröffentlicht das Statistische Bundesamt am heutigen Freitag. Die Prognosen der von Reuters befragte 37 Analysten reichen dabei von einem Minus von 0,2 Prozent bis zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Kein großer Schub zu erwarten
„Der private Konsum bleibt eine Stütze“, begründete Zettelmeyer seine Erwartung. „Aber auch vom Außenhandel dürfte ein kleiner Wachstumsbeitrag kommen.“ Das Wirtschaftsministerium erwartet für das laufende vierte Quartal keinen großen Schub. „Insgesamt setzt die deutsche Wirtschaft ihre Erholung fort. Eine nennenswerte Beschleunigung der moderaten Dynamik zeichnet sich jedoch für das letzte Jahresviertel nicht ab“, steht im aktuellen Monatsbericht.
Die Risiken bleiben hoch, insbesondere im Hinblick auf die Euro-Zone und die Schwellenländer, hieß es aus Kreisen der Bundesregierung. So sei nicht klar, ob es zu einer spürbaren Konjunkturabschwächung in China komme. Lokomotive der Weltwirtschaft seien hingegen die USA, aber auch in Großbritannien, Spanien und Irland laufe es gut.
Wegen der schlechten Konjunkturaussichten verlangt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von der Bundesregierung einen Aktionsplan für mehr Wachstum. „Es wird Zeit für ein umfassendes Aufbruchssignal, den Investitionsstau in Deutschland zu lösen“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Zeitung „Welt“.
Die fünf Wirtschaftsweisen hatten am Mittwoch ihre Konjunkturprognose für Deutschland für 2014 deutlich von 1,9 Prozent auf 1,2 Prozent gesenkt. Für 2015 erwarten die Ökonomen nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent.
US-Finanzminister: Deutschland soll für mehr Nachfrage sorgen
Auch US-Finanzminister Jack Lew hat Deutschland mit ungewöhnlich klaren Worten zu einer Stärkung der wirtschaftlichen Nachfrage durch eine Lockerung der Haushaltspolitik aufgefordert.
Es sei entscheidend, dass Länder mit hohen Außenüberschüssen und finanziellen Spielräumen wie Deutschland oder die Niederlande aktiv würden, sagte Lew am Mittwoch beim außenpolitischen Forum „World Affairs Council“ in Seattle, einem Treffen in Vorbereitung auf den G20-Gipfel in Brisbane.
„Die globale Wirtschaft darf nicht allein darauf vertrauen, dass es den USA gelingt, schnell genug zu wachsen, um das schwache Wachstum in anderen Weltmärkten auszugleichen“, so Lew. Andernfalls drohe ein „verlorenes Jahrzent“ mit geringem Wirtschaftswachstum. Der US-Finanzminister forderte zudem Frankreich und Italien dazu auf, ihre Reform-Anstrengungen zu erhöhen. Dazu müssten sie aber auch mehr Zeit beim Abbau ihrer Haushaltsdefizite erhalten.