Schwere Zeiten für die Jugend

Wie wird die EU-Kommission ihre 2008 beschlossene Jugend-Strategie umsetzen? Noch gibt es Meinungsunterschiede zum Wie und Was. Die Bundesregierung gibt sich pragmatisch: Statt großer Worte forciert sie praktische Ansätze, etwa beim Berufseinstieg.

EU-Kommissar Ján Fige? leitete eine neue Jugendstrategie ein. Foto: Rat der Europäischen Union
Der slowakische Politiker Ján Figel (56) ist seit Mai erster EU-Sonderbeauftragter für die Religionsfreiheit. Figel war von 2004 bis 2009 EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend. [Foto: dpa]

Wie wird die EU-Kommission ihre 2008 beschlossene Jugend-Strategie umsetzen? Noch gibt es Meinungsunterschiede zum Wie und Was. Die Bundesregierung gibt sich pragmatisch: Statt großer Worte forciert sie praktische Ansätze, etwa beim Berufseinstieg.

In der EU-Kommission spricht man von einer neuen "Ära der Jugendpolitik" – große Worte für bisher eher verhaltene Erfolge. Von 2010 bis 2018 soll nun in die  Jugendlichen "investiert" werden, um sie so für die Zukunft zu "rüsten". "Investment and Empowerment" lautet die Devise.

EU sieht Jugend als "wertvolle Ressource"

In ihren Papieren nennt die EU-Kommission Jugendliche – herzlos – eine "schwindende und damit wertvolle Ressource", die "in der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise als junges Humankapital gehegt und gepflegt werden muss".Denn anderfalls drohten abgebrochene Ausbildung, Armut und soziale Ausgrenzung.

Denn die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise trifft jene am härtesten, die gerade von der Schule in den Beruf wechseln. Ihnen weht auf dem Arbeitsmarkt ein rauher Wind entgegen – und doch werden sie die Zeche der jetzigen Rettungspakete für Wirtschaft und Banken zahlen müssen. Dazu kommt: Bundesländer wie Nordrheinwestfahlen haben just ihren Bildungsweg zum Abitur von 13 auf 12 Jahre verkürzt – so dass 2014 gleich zwei Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängen.

Berlin fokussiert Jugendarbeit auf drei Themen

Die Jugend – deren Altersspanne sich nach EU-Kriterien von bisher 15 bis 25 Jahren nun auf 13 bis 30 Jahren erweitert – stellt zurzeit noch rund 20% der EU-Bevölkerung – schrumpft aber bis 2050 vermutlich auf 15%. Darin erkennen einige Experten die Notwendigkeit, Länder mit größerem Jugendanteil in die EU aufzunehmen – etwa die Türkei.

Was Jugendpolitik in der EU künftig bedeutet, scheint noch nicht endgültig geklärt: Die EU plant bisher Bildung, Beschäftigung, Kreativität und unternehmerische Initiative, soziale Integration, Gesundheit und Sport sowie Bürgerbeteiligung und Freiwilligentätigkeit zu fördern.

Die Bundesregierung drängt indes auf drei Schwerpunkte: die Unterstützung des Übergangs von Schule zu Beruf, die Förderung von Jugendlichen aus Familien mit schweirigem Hintergrund und die Integration von Jugendlichen mit Migrations-Hintergrund, die inzwischen in Deutschland rund ein Drittel der Jugendlichen ausmachen. Und Berlin weiß: Oft stehen einer besseren Jugendarbeit bürokratische Hürden im Weg – so etwa Frage von Sozialversicherung im Falle europaweiter Praktika.

Ján Figel, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, will mit der neuen Strategie der Jugend helfen, die nahenden Herausforderungen zu bewältigen. Allerdings wurde die Strategie bereits 2008 beraten – also noch vor der Finanzkrise. Vor allem ihre finanzielle Ausgestaltung dürfte – aus heutiger Sicht – einer Nachbesserung bedürfen.

Weitere Informationen über die Jugendpolitik der EU

Jugend-Homepage der Europäischen Kommission:
http://ec.europa.eu/youth/index_de.htm

Jugendportal:
http://europa.eu/youth/index.cfm

EU-Jugendbericht:
http://ec.europa.eu/youth/index_de.htm

Siehe auch:

MEMO/09/201
Zu den Konsultationen vor der Annahme einer neuen EU-Strategie für die Jugend „Investitionen und Empowerment“ durch die Kommission

MEMO/09/202
Zum ersten EU-Jugendbericht

MEMO/09/204
Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Jugendpolitik der EU