Siemens überholt Huawei
Im Ranking für 2018 belegt der deutsche Hersteller Siemens mit 2.493 angemeldeten Patenten den ersten Platz und verweist damit den Spitzenreiter von 2017, den chinesischen Konzern Huawei, auf den zweiten Platz.
Der am heutigen Dienstag veröffentlichte Bericht des Europäischen Patentamts (EPA) über die Patentanmeldungen 2018 zeigt eine Verschiebung hin zu „mehr europäischer Dominanz“. Im Vorjahr hatte der chinesische Technologieriese Huawei noch die meisten Patente angemeldet. Die europäischen Patentanmeldungen stiegen 2018 um 4,6 Prozent.
Im Ranking für 2018 belegt der deutsche Hersteller Siemens mit 2.493 eingereichten Patenten den ersten Platz. Das Unternehmen übernimmt damit europaweit erstmals seit 2011 die Führung – und verweist Huawei auf den zweiten Platz. Der chinesische Konzern hatte das EPA-Ranking 2017 mit 2.398 Anmeldungen angeführt.
Der Bericht zeigt außerdem, dass europäische Unternehmen fast die Hälfte der Patentanmeldungen eingereicht haben. Dies war gleichzeitig der stärkste Anstieg seit 2010. „Das Wachstum bei den Patentanmeldungen bestätigt die Rolle Europas als globale Triebkraft bei Innovationen,“ kommentierte António Campinos, Präsident des EPA.
Das Europäische Patentamt ist keine EU-Institution. Es umfasst insgesamt 38 Länder, darunter die 28 EU-Mitgliedstaaten.
Deutsche Unternehmen führend
Tatsächlich verzeichneten die meisten europäischen Länder ein Wachstum bei den Patentanmeldungen; lediglich in Frankreich (-2,8 Prozent) und Finnland (-3,8 Prozent) gingen sie zurück. Bemerkenswerte Zuwächse verzeichneten hingegen die Schweiz (plus 7,8 Prozent), Großbritannien (ebenfalls 7,8 Prozent) und Schweden (7,1 Prozent).
Nicht nur in Bezug auf eine Einzelfirma (Siemens), sondern auch insgesamt ist Deutschland führend bei den Patentanmeldungen, so der Bericht des EPA. Deutsche Unternehmen meldeten 2018 insgesamt 26.734 Patente an. Das sind 1.200 mehr als im Vorjahr bzw. ein Plus von 4,7 Prozent.
Zukunftsbranche Autoindustrie?
Der Anstieg der Patentanmeldungen deutscher und europäischer Unternehmen scheint vor allen mit neuen Technologien im Verkehrsbereich verbunden zu sein: Der Verkehrssektor machte vergangenes Jahr 39 Prozent aller Patentanmeldungen aus und verzeichnete damit einen Anstieg von satten 11,6 Prozent gegenüber 2017. Den prozentual größten Anstieg verzeichneten allerdings die biowissenschaftlichen „Life Sciences“, während im Bereich Medizintechnik die zahlenmäßig meisten Anträge gestellt wurden.
„Die Dominanz europäischer Unternehmen in diesem Bereich zeigt, dass die Transportbranche ein Eckpfeiler der europäischen Wirtschaft ist,“ kommentierte Campinos den deutlichen Anstieg.
„Große Errungenschaften in der Verkehrstechnik – von denen selbstfahrende Autos nur ein Beispiel sind – unterstreichen, dass Innovationen in der gesamten Branche weit verbreitet sind,“ glaubt er.
Tatsächlich konzentrierten sich die Patentanmeldungen im Transportbereich vor allem auf selbstfahrende sowie Elektroautos; bei letzteren stiegen die Anmeldungen aus Deutschland im Jahr 2018 um 71 Prozent. Selbstfahrende Autos machen derweil seit 2011 ein Drittel aller europäischen Patentanmeldungen aus.
Campinos sieht darin einen „Beweis dafür, dass sich die europäische Innovation auf ein wettbewerbsfähiges und wirksames Patentsystem stützen kann.“
Dies sei wichtig, denn „innovative Unternehmen brauchen ein robustes Patentsystem, damit sie starke Patentportfolios aufbauen können.“
Darüber hinaus scheint Europa auch ein gutes Umfeld für Einzelpersonen sowie kleine und mittelgroße Unternehmen zu bieten: Jede fünfte europäische Anmeldung beim EPA wurde von einem KMU oder einem einzelnem Erfinder eingereicht, so der Bericht.
[Bearbeitet von Sam Morgan und Tim Steins]