Spanisches Steinzentrum lehrt alte Hasen neue Tricks
Ein Steinzentrum für Innovation im Süden Spaniens versucht seit 2002, die jahrhundertealte Marmor- und Steinindustrie der Region zu modernisieren und wurde dafür mehrmals von Johannes Hahn, dem EU-Kommissar für Regionalpolitik, gelobt. Konstante Innovation wird ebenfalls als Schlüssel zum Überleben des Zentrums während Spaniens schwerer Rezession gesehen.
Ein Steinzentrum für Innovation im Süden Spaniens versucht seit 2002, die jahrhundertealte Marmor- und Steinindustrie der Region zu modernisieren und wurde dafür mehrmals von Johannes Hahn, dem EU-Kommissar für Regionalpolitik, gelobt. Konstante Innovation wird ebenfalls als Schlüssel zum Überleben des Zentrums während Spaniens schwerer Rezession gesehen.
Da der neue EU-Kommissar für Regionalpolitik wiederholt den Namen des Zentrums als „Musterbeispiel“ erwähnt hat für das, was mit dem innovativen Nutzen von europäischen Geldern erreicht werden kann, erweckt es natürlich das Interesse eines jeden ordentlichen Regionalspezialisten.
Versuchte Hahn durch sein so glühendes Lob des Andalusischen Steintechnologiezentrums (CTAP), wie einige Quellen es andeuteten, sich bei der spanischen Ratspräsidentschaft beliebt zu machen, deren Unterstützung er eventuell brauchen wird, um seine politische Agenda zur Regionalpolitik in den kommenden Monaten durchzudrücken?
Wahrscheinlich schon, doch ändere dies nichts an der Tatsache, dass dieses innovative Unterfangen wirklich zu einem Musterbeispiel von „bewährten Methoden“ in regionalen Projekten geworden sei und solch Lob auch verdiene, sagte ein regionaler Experte gegenüber EURACTIV.
Auf nähere Untersuchung scheint CTAP doch wirklich Erfolg bei seinem Ziel gehabt zu haben, die jahrhundertealte andalusische Marmorindustrie ins 21. Jahrhundert zu befördern.
In der Tat stellt das im Jahr 2001 gegründete Zentrum eine Drehscheibe für die Aus- und Weiterbildung für KMUs dar, die in der Steinindustrie arbeiten, und hilft ihnen, die modernsten Methoden auf ihr historisches Handwerk anzuwenden.
CTAP bringt regionale Behörden, private Firmen, Technologieorganisationen und Forschungszentren in einer gemeinnützigen Stiftung zusammen.
Das Zentrum beschreibt seine Mission als die „Bereitstellung von vertraglicher Forschung und Entwicklung (R&D) und technischen kommerziellen Dienstleistungen, als Antwort auf den Bedarf, die Wettbewerbsfähigkeit des andalusischen Ziersteinsektors zu erhöhen, und auf die Notwendigkeit, besser geeignete Technologien in die Produktionsverfahren einzubringen“.
CTAP versucht nicht das Rad neu zu erfinden. Stattdessen versucht es, Radbauern, in diesem Fall den Marmormetzen Andalusiens, das Wissen und die Strukturen zu bieten, die sie brauchen, um innovativ und wettbewerbsfähig zu sein.
Sie benutzen Labortests, um die Produktivität zu verbessern, die neusten Marketing-Strategien, um ihre Produkte zu verkaufen, und Marktforschung, um Nischenprodukte zu entwickeln. Das Zentrum, welches zwei Patente hält, versucht, als einzige Anlaufstelle für die Geschäftsbedürfnisse dieser traditionsbewussten Industrie zu fungieren.
„Wir mussten anders sein“
„Differenzierung“ sei der Schlüssel, sagten die Projektleiter gegenüber EURACTIV. Dadurch dass sie den Fokus von der bloßen Produktionskapazität auf die Verbesserung der Standards, professionellere Methoden und auf unsere Kundschaft zugeschnittene Dienstleistungen verschoben haben, sind die Firmen nachhaltiger geworden. „Wir mussten anders sein“, um die Zukunft des Sektors sicherzustellen, sagten sie.
In der Tat versucht CTAP dank seines seit 2002 stetigen Wachstums, „zum internationalen Referenzzentrum für die Steinindustrie zu werden“.
Krisenauswirkungen
Natürlich wurde solch starkes Wachstum teilweise durch die Stärke der spanischen Wirtschaft zu Beginn der 2000er Jahre ermöglicht. Doch seit 2008 ist Spanien eines der EU-Länder, das am schwersten von der globalen Rezession betroffen ist.
Die dramatische Explosion von Spaniens aufgeblähter Grundstücksblase hat den Sektor besonders hart getroffen. Die „starke Abhängigkeit“ der Steinindustrie vom Bausektor hat zu riesigen Problemen mit Zahlungen geführt, was der Region „ernsthafte Rechnungen“ beschert hat.
Von EURACTIV zur Fähigkeit befragt, solchen starken wirtschaftlichen Abschwüngen standhalten zu können, konterte der Projektleiter dass, obwohl die Krise zweifellos Auswirkungen hatte, das Engagement der CTAP für Innovation ihr eine gewisse Resistenz beschere.
Seit 2002 habe die Strategie, auf die Entwicklung von Projekten mit einem hohen Mehrwert für Unternehmen in der Steinindustrie zu setzen, Früchte getragen, argumentieren sie. Durch „permanente Innovation“ und „konstante Reinvestition“ biete das Zentrum lebensnotwendige Unterstützung für Unternehmen, deren Überleben von der Veränderung abhängt.
Die Projektleiter betonten die statistischen Beweise. 2009 steigerte die CTAP die Anzahl ihrer Projekte, die mit Unternehmen entwickelt wurden um 42 Prozent, ein eindeutiges Zeichen, dass sie die Methoden des Zentrums als den richtigen Weg im Kampf gegen den Abschwung sehen.
CTAP drängt den Steinsektor, den Sturm auszuhalten. Beispielsweise entmutigt sie den Preiskampf zwischen Unternehmen aktiv mit der Argumentation, dass dies zu einem Verlust von Arbeit für die Firmen in weniger entwickelten und in Schwellenländern führen würde. Stattdessen beteuern die Chefs, dass „dies der Moment ist, sich durch Design und Innovation von der Konkurrenz abzusetzen“.
Sie vertrauen außerdem darauf, dass die Reorganisationspläne der andalusischen Verwaltung Unternehmen dabei helfen werden, sich an die neue Situation anzupassen.